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Thalermühle steht das Wasser bis zum Hals

Gebäudeensemble soll verkauft werden – Probleme beim Brandschutz - 06.02.2014 16:00 Uhr

Die Thalermühle steht seit langem leer. Am Tag des offenen Denkmals kann sie besichtigt werden. © Harald Sippel


Träumen ist erlaubt. Auch der Vorsitzende der Erlanger Stadtwerke (ESTW), die gemeinsam mit EON Bayern und den Stadtwerken Forchheim Träger der RSV sind, ist dagegen nicht gänzlich gefeit. Denn wenn Wolfgang Geus beim Blick aus dem Fenster seines Büros auf der anderen Seite der Autobahn den Wiesengrund und, prägnant darin aufragend, das Hauptgebäude der Thalermühle sieht, stellt er sich vor, dass dies der ideale Ort für eine Gastwirtschaft mit Biergarten sein könnte.

„Das ist eigentlich ein Kleinod“, sagt Geus über das Häuserensemble neben der Regnitz. Eine – abgesehen von der nahen Autobahn – idyllische Lage direkt am Fluss. Wenn nur das Hochwasser nicht wäre. Und da kehrt Geus in die Realität zurück – und gibt sich keinerlei Illusionen darüber hin, dass es leicht sein dürfte, die Villa der Thalermühle samt der zugehörigen Nebengebäuden und Anlagen zu veräußern.

Denn das ist das erklärte Ziel der RSV. Lediglich das Wasserkraftwerk Thalermühle will die RSV behalten und weiter betreiben – als drittes Kraftwerk neben der Wöhrmühle und dem Wasserkraftwerk Wellerstadt.

Doch beim Häuserensemble der Thalermühle und insbesondere bei der Villa gibt es hinsichtlich eines Verkaufs „gewisse Rahmenbedingungen zu klären“, wie Geus sagt. Derzeit führe man Gespräche mit der Stadt. Brandschutz und Denkmalschutz – das sind zwei Themen, um die es dabei geht.

Ersteres hat überhaupt erst dazu geführt, dass die RSV das Ensemble verkaufen will. Denn das Bauaufsichtsamt hatte den Einrichtungen, die die Räume in der Villa gemietet hatten – die Kinderkrippe Thalermühle und die Jugendhilfeeinrichtung Step – , die Nutzung aus Brandschutzgründen untersagt.

Rettung mit Booten

Bei Hochwasser, so das Problem, ist das Gebäude mit Feuerwehrautos nicht erreichbar. Dann müssten vom Wasser Eingeschlossene mit Booten gerettet werden. Und im ersten Stock sowie im Dachgeschoss müsste eine Außentreppe als zweiter Fluchtweg gebaut werden – falls der Denkmalschutz dies überhaupt zulässt.

Weder der Eigentümer, also die RSV, noch die Stadt, die die Villa angemietet und Räume an die Kinderkrippe sowie an Step untervermietet hatte, wollten die nötigen Investitionen in den Brandschutz tätigen. 270000 Euro wären dies laut einem Gutachten des Gebäudemanagements gewesen, darin enthalten waren 70000 Euro für einen neuen Hochwassersteg, der es der Feuerwehr ermöglichen würde, im Brandfall und bei gleichzeitigem Hochwasser doch bis ans Gebäude heranzufahren.

Inzwischen stehen die meisten Gebäude leer. Die Krippe zog im Frühjahr 2012 aus, Step folgte im letzten Frühjahr, die Arbeitstherapie-Einrichtung Caritec der Caritas wechselte im Dezember in neue Räume im Bierlachweg in Bruck. Der Dachdeckerfirma im Nebengebäude wurde bis Mitte des Jahres gekündigt.

Mehrere Kaufinteressenten

Kaufinteressenten gibt es Geus zufolge mehrere. Zu Gerüchten über einen möglichen Verkaufspreis sagt er lediglich, dass er sich einen Betrag wünschen würde, der deutlich größer ist als eine Million Euro. Ob sich dieser Wunsch erfüllen wird, soviel ist klar, hängt letztlich davon ab, wie das Gebäude genützt werden kann.

Bei der Stadt gibt man sich zugeknöpft. Wenn ein Konzept vorliege, werde es geprüft, sagt Baureferent Josef Weber, doch bisher sei das noch nicht der Fall. Pauschal könne man dazu nichts sagen.

EVA KETTLER

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