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Theaterplatz in Erlangen – fürs Parken zu schade

Der ehemalige Geismarkt soll zu einer "repräsentativen Grünanlage" umgestaltet werden - 04.03.2021 10:30 Uhr

Anfang des 20. Jahrhunderts zierten den Theaterplatz hochstämmige Rosen und zahlreiche Grünflächen, Palmen und südländische Gewächse. Heute dient er nur noch als Parkplatz.

03.03.2021 © Stadtarchiv Erlangen


In den 1950/60er Jahren geriet der Theaterplatz im Zuge des rasant wachsenden Individualverkehrs jedoch als Parkplatz unter die Räder. Wo früher Kinder spielten, stehen heute Autos. "Das ist nicht nur äußerst schade, sondern auch schlichtweg nicht mehr zeitgemäß", so Sebastian Endres von der Klimaliste Erlangen.

Deswegen hat die Klimaliste unter dem Motto "Die Stadt gehört den Menschen und nicht den Autos" beantragt, ein Konzept zur Umgestaltung des Theaterplatzes zu einer "repräsentativen Grünanlage" zu erarbeiten. Ziel soll unter anderem der Rückbau der Auto-Stellplätze sowie eine großflächige Entsiegelung, Renaturierung und Begrünung des Theaterplatzes sein. Dazu soll ein Ideenwettbewerb unter Beteiligung der Bürger durchgeführt werden.

"Gerade im Sommer ist es oft unerträglich heiß in der Stadt", so Sebastian Hornschild, einer von zwei Vertretern der Klimaliste im Erlanger Stadtrat. Umso wichtiger seien Grünflächen, die ein gutes Mikroklima schaffen und so einen wichtigen Beitrag zur Temperatursenkung in der Stadt leisten.

Monika Weiß, Klimaaktivistin und Gründungsmitglied der Klimaliste Erlangen, ergänzt: "Es ist bekannt, dass wir ein massives Insektensterben haben und auch Vögel tun sich immer schwerer Nahrung zu finden. Um die biologische Vielfalt zu bewahren, ist es enorm wichtig, Lebensraum und Nahrungsgrundlage für Tiere zu schaffen."

Nach den Vorstellungen der Klimaliste sollen Besucherinnen und Besucher des Theaters zukünftig mit dem Fahrrad und dem ÖPNV (City-Bus-Linie) anreisen. Außerdem wird auf die Stellplätze auf dem Großparkplatz verwiesen. Lediglich einige wenige Parkplätze sollen für Menschen mit Behinderungen am Theaterplatz erhalten bleiben, so die Klimaliste in ihrem Antrag.

Entstanden ist der Theaterplatz im 18. Jahrhundert als großer Platz in Form eines unregelmäßigen Vierecks, das über die Grenze zwischen Alt- und Neustadt verlief. Während der Platz im Süden etwas bis zur Verlängerung der Engelstraße zur Neustadt gehörte, begann dahinter das Gebiet der Altstadt. Hier diente die freie Fläche den umliegenden Handwerkern als Zimmerplatz oder für die unerlaubte Lagerung von Bauschutt.

In Anlehnung an den Flurnamen "Geisengarten" hieß der Theaterplatz seit 1774 "Geismarkt". Auf Intervention der Anwohner erhielt er 1884 den als vornehmer empfundenen heutigen Namen. Nach dem 1743 errichteten Universitätsreithaus, das auf dem Südteil des Platzes stand, gab es bis 1848 auch die Adresse "an der Reitbahn" oder "an der Reitschule".

Einer der ersten Spielplätze

Bevor der Theaterplatz 1894 mit Grünanlagen repräsentativ gestaltet wurde und 1919 einen der beiden ersten Kinderspielplätze in Erlangen erhielt, nutzte ihn darüber hinaus die Garnison zeitweilig auch als Exerzierplatz. Die Gegend gehörte allerdings nicht zu den vornehmsten Quartieren Erlangens. Vor allem ärmere Handwerker und "kleine Leute" wohnten an dem Platz.

Heute befindet sich im Bereich nördlich der Engelstraße eine Grünfläche mit Brunnen und Spielplatz, während der südliche Teil zwischen gelichteten Baumreihen ausschließlich als Parkplatz dient. Allerdings gab es immer wieder Überlegungen, den Platz zu verändern. 1909 sollte er teilweise bebaut werden, was aber am Widerstand der Bürger scheiterte.

Auch die Idee, die Autos von der Oberfläche, in den Untergrund, sprich in eine Tiefgarage zu verlagern, lehnten im Jahr 2000 die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen eines Bürgerentscheids ab. Lediglich etwa ein Drittel sprachen sich für eine Tiefgarage aus. Gut zwei Drittel votierten dagegen. Die Wahlbeteiligung lag mit über 22 Prozent deutlich über dem geforderten Quorum von 14,6 Prozent. Seither ist es ruhig geworden, um den Theaterplatz.

Von den ein- bis dreigeschossigen Häusern des 18. und 19. Jahrhunderts, die den Theaterplatz umgeben, stehen neben dem Redoutenhaus und dem Markgrafentheater weitere 18 Gebäude unter Denkmalschutz, darunter das Rokoko- und das Erich-Haus.

aj/en

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