Glosse

Tisch-Reservierungen im Biergarten: Wie Tradition und Geselligkeit darunter leiden

1.8.2021, 21:19 Uhr
Nicht nur beim Steinbach in Erlangen irritieren und verärgern die Reservierungskärtchen.        Foto: Peter Millian

Nicht nur beim Steinbach in Erlangen irritieren und verärgern die Reservierungskärtchen.        Foto: Peter Millian

Eigentlich ist die Idee, Tischkärtchen auszugeben, ganz nett. So hat der Gastgeber die Möglichkeit, seine Gäste so zu platzieren, dass angeregte Gespräche entstehen und Verstimmungen zwischen zänkischen Partnern ausbleiben.

Für Abteilung Z der Belegschaft XY

Nun aber führen ganz spezielle "Tischkärtchen" immer mehr zu Verstimmungen, weil sie ausgerechnet dort ausgegeben werden, wo sie nicht zu erwarten sind: im Biergarten. Diese Tischkärtchen nämlich sind Reservierungshinweise dergestalt, dass z.B. ab 18.30 die Abteilung Z der Belegschaft XY eine Bank mit sieben Personen für sich beanspruche, was – wenn auch murrend – akzeptiert wird.

Nun ist ein Biergarten laut Gerhard Polt nicht etwa nur ein Ort, sondern eine Lebensweise. Und zwar eine, in die man spontan abbiegt, wenn anderswo Ungemach droht.

Reingehen, Bier bestellen, trinken

Deshalb findet sich noch nicht einmal in der bayerischen Biergartenverordnung eine genaue Definition desselben, doch hat der Bayerischen Verwaltungsgerichtshof letztmals 2019 vor allem auf eine "traditionelle Betriebsform" verwiesen. Traditionell aber heißt: reingehen, Bier bestellen, trinken, und so weiter...

Von Reservierungen ist darin keine Rede. Natürlich darf man auf einer spärlich besetzten Bank darum bitten, noch Plätze für Nachkommende freizuhalten. Ab Biergartenöffnung aber ganze Bänke freizuhalten, ist ein Optionshandel, der zwar an der Börse funktionieren mag, für durstige Menschen aber unbillig erscheint.

Man erinnert sich noch an die Bergkirchweih, wo auf beliebten Kellern Platz für den Sportverein freigehalten wurde, auch ein großes Unternehmen belegte mal die eine oder andere Reihe, was bei der Menge Bankreihen aber verzeihlich erschien.

Aber dort, wo es – durchaus zum Nutzen des beliebten Biergartenbetreibers und Brauers – manchmal auf jeden Platz ankommt, könnte man auf Reservierungen gern verzichten. Wird auch so voll.

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