Montag, 17.02.2020

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Trotz Klimawandel: Skifahren ist pädagogisch

Sportlehrer Manfred Reinhart spricht über Schulfahrten in die winterlichen Alpen - 24.01.2020 12:17 Uhr

Auf der Skipiste gelten Regeln, die den Schülern bei Schulfahrten vermittelt werden. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa


Über Jahrzehnte hinweg sind die Alpen mit Planierraupen zum großen winterlichen Freizeitpark umgestaltet worden. Nun werden die Pisten oftmals mit erheblichem Energieaufwand beschneit, denn schneereiche Winter wie im letzten Jahr sind eher die Ausnahme. Da taucht immer wieder die Frage auf, ob der ganze Skizirkus angesichts des Klimawandels noch zu vertreten ist. Und fahren Schulen heutzutage eigentlich noch ins Skilager? Darüber haben die EN mit dem Sportlehrer Manfred Reinhart gesprochen.

Herr Reinhart, ist es noch zeitgemäß, in Zeiten des Klimawandels mit Schülern ins Skilager zu fahren?

Zwei Dinge muss ich voranstellen: Schulfahrten sind ein pädagogisches Anliegen und stehen extra im Lehrplan, und auch Wintersport ist ein verbindlicher Inhalt im Lehrplan. Man kann Wintersport natürlich auch mit "Erlangen on Ice" machen oder im Fichtelgebirge langlaufen. Tatsächlich ist es aber so, dass alle Erlanger Gymnasien ins Skilager fahren. Das Emil-von-Behring-Gymnasium in Spardorf ist sogar eine der wenigen Schulen in Bayern, die noch zweimal – also in zwei Jahrgängen – fahren.

 

Wurde denn an Ihrer Schule – dem Ohm-Gymnasium – schon einmal darüber nachgedacht, ob man überhaupt noch ins Skilager fahren soll?

Ja, darüber hatten wir schon vor zehn oder 15 Jahren eine Diskussion. Dabei ging es zum einen um die Kosten, denn eine Wintersportwoche ist wesentlich teurer, als im Sommer eine Woche wegzufahren. Zum anderen hatten wir eine sehr intensive Diskussion aus ökologischen Gründen – und da gibt es ja etliche, die gegen das Skifahren und gegen Skilager sprechen: Verkürzung der Vegetationsperiode, die weite Anreise, Strom- und Wasserverbrauch, die erheblichen Bauten.

Und die Schule hat sich trotzdem fürs Skilager entschieden.

Manfred Reinhart ist Sportlehrer am Ohm-Gymnasium, Mitglied des Sportbeirats der Stadt Erlangen und engagiert sich im Privatleben politisch bei der ÖDP. © privat


Das stimmt. Ich habe damals als Alternative ein Radsportlager in der Rhön erarbeitet, doch in einer Abstimmung von Schülern und Eltern ist das krachend gescheitert. Von 150 Schülern hat sich gerade mal einer dafür ausgesprochen. Damals haben wir dann beschlossen, dass das Skilager eine pädagogische Fahrt für alle Schüler und damit eben auch verbindlich für alle sein soll, was es bis dahin noch nicht war. Seitdem fahren wir mit allen Schülern der sechsten Klassen ins Skigebiet Flachau in Österreich. Für die, die nicht Skifahren wollen, wird eine Alternativgruppe angeboten. Und auch die Skifahrer haben jeweils einen halben Tag, an dem sie nicht auf der Piste sind, sondern wandern gehen, rodeln oder einen Kuhstall besuchen.

Konnten Sie irgendwann schon mal aus Schneemangel gar nicht fahren?

Bisher nicht. In Flachau ist die Schneesicherheit sehr groß, da das Skigebiet hoch gelegen ist. Und natürlich wird, wie überall, auch beschneit. Aber die Schneekanonen werden mit Wasserkraft betrieben, und es wird keine Chemie mehr verwendet, die im Grundwasser landen könnte.

Gewisse ökologische Bedenken haben Sie aber offenbar schon. Was spricht denn aus der Sicht des Sportpädagogen trotzdem fürs Skilager?

Es gibt keine andere Sportart, bei der ich in so kurzer Zeit einen solch großen Lernfortschritt erzielen und auch sichtbar machen kann. Man sieht es den Schülern an. Sie sind, gerade wenn sie Anfänger sind, begeistert, weil sie sich das gar nicht zugetraut haben. Sie sehen, wie schnell Üben Fortschritte bringt. Es gibt noch mehr Gründe. Zum Beispiel haben beim Skifahren die Mädchen und Jungen die gleichen Voraussetzungen. Oder auch: Beim Skifahren gibt es viele Regeln, die beachtet werden müssen, deren Sinn den Schülern aber sofort einleuchtet. Und nicht zuletzt: Das Skilager ist eine wesentliche Erinnerung im Schulleben. Am Strand lag schon jeder, aber die Erlebnisse in der winterlichen Bergwelt sind so intensiv, das vergisst keiner.

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Wann würde man aufs Skifahren verzichten?

Falls die Schneelage wirklich ganz schlecht sein sollte, würden wir nicht auf dem weißen Band in der grünen Wiese skifahren. Diese Situation hatten wir, wie gesagt, bisher allerdings noch nicht. Aber es kann natürlich trotzdem sein, dass das irgendwann umschlägt. Wobei Klimawandel nicht bedeutet, dass in Österreich kein Schnee mehr liegt, sondern es kann mal – wie letztes Jahr – zu viel und in einem anderen Jahr dann wieder zu wenig sein.

Wo ziehen Sie für sich persönlich die Grenze?

Ich würde nie zum Helikopter-Skifahren nach Kanada fliegen, nicht einmal für einen Skitag mit dem Auto in die Alpen fahren. Und ich bin ohnehin kein Skifahrer, der um jeden Preis auf die Piste muss. Wenn die Loipe gespurt ist, gehe ich auch mal zum Langlaufen.

INTERVIEW: EVA KETTLER

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