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Uni Erlangen-Nürnberg wird zur "Fairtrade-Universität"

Fair gehandelter Kaffee in der Mensa und Kekse aus dem Weltladen im Senat - 10.04.2019 18:09 Uhr

Studentin Anna Baatz präsentiert die Urkunde. Rechts hinter ihr stehen (v.l.) Transfair-Aufsichtsratschef Frank Eichinger, Uni-Kanzler Christian Zens und Hochschulgastronom Jan-Peter Tews. © FAU/Anestis Aslanidis


15.000 Gerichte verkauft das Studentenwerk jeden Mittag an den zehn Hochschulen und Unis von Ingolstadt bis Erlangen, die es betreut. Das ganze Gemüse kommt aus dem Knoblauchsland, alle Eier von freilaufenden Hühnern.

"In Zeiten des fortschreitenden Klimawandels, Ressourcenknappheit und nachlassender Artenvielfalt ist eine Universität aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten – wir sind ein einflussreicher Signalgeber für die Gesellschaft", sagt Christian Zens, Kanzler der Friedrich-Alexander Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg.

Dieses Signal wird nun belohnt. Denn die FAU hat kürzlich das Siegel "Fairtrade-Universität" verliehen bekommen – von dem Verein "Transfair". Dieser Verein setzt sich seit 50 Jahren für fair gehandelte Produkte ein und hat den Titel zum 26. Mal an eine Uni oder Hochschule in Deutschland vergeben – bei fast 500 Einrichtungen, die es gibt.

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"Studenten ziehen zum ersten Mal von zu Hause aus und treffen eigene Einkaufsentscheidungen", sagt Frank Eichinger, Aufsichtsratsvorsitzender von "Transfair". "Außerdem ist es ein politischer Entschluss der Uni, sich diesem Ziel zu verschreiben – die Auszeichnung soll ein Ansporn sein, weiter zu machen." Die Nürnberger Gruppe der Studenteninitiative "sneep" hat sich vor drei Jahren zum Ziel gesetzt, den Titel zu erreichen.


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Die Abkürzung steht für "Studentisches Netzwerk für Ethik in Ökonomie und Praxis". Die Mitglieder organisieren Vorträge, Kurse oder auch eine Fair Fashion Show, um auf nachhaltiges Wirtschaften aufmerksam zu machen.

"Immenser Faktor bei der Wertevermittlung"

"Es ist noch immer möglich, durchs Wirtschaftsstudium zu kommen, ohne einmal das Wort Ethik gehört zu haben", sagt "sneep"-Vertreterin Anna Baatz. "Das kann nicht sein."

Stellvertretend für das Bewerberteam nahm die Studentin die Urkunde von "Transfair" entgegen. "Jetzt bräuchten wir nur noch ein eigenes Büro, um sie aufzuhängen." Anna Baatz schreibt zur Zeit ihre Master-Arbeit in Sozialökonomik. Nebenbei gibt sie in Schulen Workshops zu fairem Handel. "Die Uni ist ein immenser Faktor bei der Wertevermittlung", sagt die Studentin. "Hier lernen Studenten sich selbst kennen und entwickeln ihre Persönlichkeit."

Im vorigen August hatten sie und ihre Mitstreiter die Bewerbungsunterlagen für das Fairtrade-Siegel abgeschickt. Fünf Kriterien müssen dafür erfüllt sein.

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Erstens: Der Kanzler beschließt, dass die Uni mitmacht. Zweitens: In der Hälfte aller Verkaufsstellen an der Uni sind fair gehandelte Produkte im Angebot. Beim Studentenwerk Erlangen-Nürnberg sind das Kaffee, Zucker, Müsli- und Schokoriegel und Limonaden. Drittens: Jedes Semester gibt es wenigstens zwei Veranstaltungen zum nachhaltigen Wirtschaften.

Auch vegan funktioniert

Viertens: Die Uni setzt eine Steuerungsgruppe ein mit Vertretern aus Verwaltung, Gastronomie und Studierenden, die das Thema vorantreibt und Ansprechpartner ist für alle, die sich engagieren wollen. Und schließlich fünftens: Auch bei allen offiziellen Veranstaltungen der FAU stehen fair gehandelte Lebensmittel auf dem Tisch, wie etwa Kekse aus dem Weltladen bei Sitzungen des Senats. "Wir können es uns leisten und damit Arbeitern in anderen Ländern menschenwürdige Bedingungen gewährleisten", sagt Anna Baatz. "Maximaler Profit ist nicht die einzige Maxime, nach der wir handeln sollten."

Das Studentenwerk probiert, was bei den Kunden ankommt. Seit einem Jahr sind in der Mensa St. Paul in der Regensburger Straße in Nürnberg alle 200 Gerichte, die hier jeden Mittag über die Theke gehen, ausschließlich vegan. "Das funktioniert", sagt Tews.

Überall ließe sich das aber niemals durchsetzen. "Wir versuchen, die Balance zu finden." In den anderen Mensen gibt es jeden Tag Fleisch und ein vegetarisches Angebot. Currywurst mit Pommes ist nach wie vor das beliebteste Gericht. 

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