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Uni-Klinik setzt bei OPs auf neueste Roboter-Technik

Erlanger Krankenhaus investiert dazu mehr als 2,4 Millionen Euro - 01.04.2019 06:00 Uhr

Der neue da Vinci Xi, der von einem Chirurgen über eine Konsole gesteuert wird, operiert über minimale Zugänge im Bauchraum des Patienten. © Uni-Klinikum Erlangen/Michael Rabenstein


Bei seinen Eingriffen mit dem da-Vinci-Roboter operiert Prof. Robert Grützmann, Direktor der Chirurgischen Klinik, gerne in Socken – in diesen spürt er noch besser die Haptik der Fußpedale, über die er das Tempo der Bewegungen des OP-Roboters steuert und kontrolliert. Mit zwei Joysticks bedient der Chirurg die Instrumente, die an drei Greifarmen des Roboters montiert sind, während der vierte Arm die beleuchtete Kamera bewegt.

Alle vier Arme werden über vier minimale Zugänge in den Bauchraum des Patienten eingeführt. Während der Operateur über den hochauflösenden Monitor der Konsole jede seiner Bewegungen innerhalb des Körpers beobachtet, führt der da-Vinci-Roboter wenige Meter entfernt seine Befehle präzise aus: Eine Greifzange positioniert das Fettgewebe so, dass die Schere es sorgsam zerteilen kann, um den Zugang zum Tumor freizulegen.

"Der da Vinci Xi ist viel schlanker konzipiert als sein Vorgänger, so dass wir deutlich schneller und flexibler operieren können", lobt Prof. Grützmann den neuen Roboter-Assistenten. Die ebenfalls optimierte Kamera des da Vinci Xi, der in Kalifornien gefertigt wird, liefert dem Chirurgen nicht nur eine hochauflösende und dreidimensionale Ansicht in bis zu zwölffacher Vergrößerung, sondern auch ein vollständig ausgeleuchtetes Operationsfeld im Körperinnern.

"Dadurch sind auch kleinste Details und Nervenstränge sehr gut sichtbar und das eben nicht nur in zweidimensionalen Bildern. Wir können jetzt alles auch im richtigen räumlichen Verhältnis erkennen und durch den Einsatz spezieller Bildfilter die Gewebedurchblutung besser sichtbar machen", schwärmt Oberarzt Christian Krautz, der in der Chirurgischen Klinik ebenfalls regelmäßig mit dem da-Vinci-System operiert. Die winzigen auswechselbaren Instrumente an den Enden der Roboterarme wurden für das System speziell entwickelt und können in sieben Freiheitsgraden bewegt werden – mehr als die der menschlichen Hand.

Patienten profitieren

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Krautz hebt als entscheidende Verbesserung des neuen da-Vinci-Roboters auch den beweglichen OP-Tisch hervor, auf dem die Patienten umgelagert werden können, ohne dass der Eingriff unterbrochen werden muss. Der da-Vinci-Roboter passt sich den Bewegungen des OP-Tisches automatisch an und setzt dabei trotzdem die angesteuerten Befehle über die vier Greifarme präzise und zitterfrei in Echtzeit um.

Patienten profitieren spürbar von dieser modernsten aller OP-Techniken, weil sie eine noch geringere und schonendere Schnittführung ermöglicht als die herkömmlichen minimalinvasiven Eingriffe. Für den Chirurgen ist das Operieren an der Konsole zudem ergonomischer und weniger anstrengend, was vor allem bei mehrstündigen Eingriffen die körperlichen Belastungen des Arztes deutlich reduziert.

Obwohl die Krankenkassen für den Einsatz von da Vinci bislang lediglich die wesentlich günstigeren Fallpauschalen von offenen Operationen abrechnen, genießen die Patienten des Universitäts-Klinikums die Vorteile dieser innovativen Operationsmethode ohne eigene Zuzahlung.

Denn den finanziellen Mehraufwand für eine da-Vinci-OP, deren Kosten deutlich höher liegen als die einer konventionellen Operation, trägt das Uni-Klinikum.

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Derzeit kommt der da-Vinci-Roboterassistent in Erlangen etwa zweimal täglich vor allem bei Operationen in der Chirurgie und in der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Bernd Wullich) des Uni-Klinikums Erlangen zum Einsatz.

Einsatz wird vergrößert

"Der größte Vorteil am neuen da Vinci Xi ist das Operieren auf kleinstem Raum mit einer fast uneingeschränkten Bewegungsfreiheit im Körper des Patienten, da der Bewegungswinkel der da-Vinci-Instrumente sogar den einer menschlichen Hand übertrifft", erläutern Prof. Wullich und Hendrik Apel, die mit Unterstützung des Roboters nicht nur zahlreiche Prostata-OPs, sondern auch nierenerhaltende Tumoroperationen sowie Operationen am Nierenbecken bei angeborenen Ureterabgangsengen und Blasenoperationen ausgeführt haben.

Das Uni-Klinikum Erlangen weitet sein Anwendungsspektrum für das roboterassistierte Operationssystem stetig aus. Derzeit nutzen die Operateure da Vinci vorwiegend für urologische Tumore und Tumore im Darm, setzen ihn aber auch bei speziellen Eingriffen im Magen, an der Leber und der Bauchspeicheldrüse ein.

Darüber hinaus arbeiten sie bei ausgewählten gynäkologischen Operationen sowie bei komplexen Eingriffen im Bereich von Kopf und Hals mit dem da-Vinci-Roboter.

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