Viele Flüchtlinge für das Studium in Erlangen bereit

21.7.2016, 15:00 Uhr
Die Teilnehmer der Sprachkurse (mit Sozialbürgermeisterin Elisabeth Preuß und FAU-Vizepräsident Günter Leugering) bei der Abschlussfeier im Hörsaal C.

Die Teilnehmer der Sprachkurse (mit Sozialbürgermeisterin Elisabeth Preuß und FAU-Vizepräsident Günter Leugering) bei der Abschlussfeier im Hörsaal C. © Harald Sippel

Meistens stehen Dozenten, Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter, vor der Tafel im weiträumigen Hörsaal C der Erlanger Kochstraße. An diesem Tag aber sprechen an der Stelle auch zwei junge Menschen. Sie sind noch nicht einmal Studierende der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) und bekommen doch das Mikrofon in die Hand. Und das mit gutem Grund.

Manal Hamwi und Glib Rusakovskyi stehen repräsentativ für 135 Geflüchtete, die in diesem Sommersemester an studienvorbereitenden Deutschkursen, Tutorien oder, gemeinsam mit heimischen Studenten, am Tandemprojekt teilgenommen haben. Einige konnten erste Erfahrungen mit dem Studium sammeln.

Der Erfolg, den eine Urkunde offiziell bescheinigt, ist beachtlich: Mindestens 25 werden sich zum Wintersemester an der FAU zum Studium immatrikulieren. Etliche folgen voraussichtlich im nächsten Jahr.

Auch Manal Hamwi möchte an der FAU möglichst bald ihr altes Studium wieder aufnehmen. Sie habe in Aleppo Pharmazie studiert, sagt sie auf Deutsch vor zahlreichen Vertretern aus Stadt und Universität — und natürlich vor ihren versammelten Mit-Lernenden. Schon als sie ihr Studium 2012 begonnen hat, sei die Situation in Syrien schwierig gewesen. „Trotz der Probleme ist am ersten Tag mein Traum in Erfüllung gegangen: Ich war an der Universität.“ Krieg und Zerstörung haben sie nach Deutschland fliehen lassen. In die Trauer über den Verlust der Heimat mischte sich die Freude, wieder lernen zu können und doch noch Pharmazeutin zu werden.

Der Ukrainer Glib Rusakovskyi hofft ebenfalls darauf, sein naturwissenschaftliches Studium fortsetzen zu können. Auch er berichtet in fast einwandfreiem Deutsch von seiner Freude, die ihm Sprachkurs und ein Praktikum in einer Brauerei bereitet haben.

Dass junge Asylsuchende an einer Hochschule die Möglichkeit von Sprach- und Eingliederungsmaßnahmen bekommen, ist keine Selbstverständlichkeit. „Eine Hochschule hat nicht unbedingt die Kompetenz für Flüchtlinge“, betont Professor Günter Leugering, der Vizepräsident für Internationale Angelegenheiten. Die FAU aber habe durch die Zusammenarbeit von Hochschulleitung, Universitätsmitarbeitern und vielen ehrenamtlich tätigen Studierenden ein Integrationsprogramm auf die Beine gestellt, das bundesweit Vorbildcharakter hat.

Maßgeblich verantwortlich dafür ist die Leiterin des Referats für Internationale Angelegenheiten der FAU, Brigitte Perlick. Für ihr Engagement im sozialen Bereich erhielt sie nun den Ehrenbrief der Stadt Erlangen.

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