SB-Terminals wurden abgebaut

Viele Senioren im Raum Erlangen fühlen sich beim Online-Banking überfordert

Scott Johnston
Scott Johnston

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22.11.2021, 05:40 Uhr
Bis auf vier Standorte hat die Sparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach die SB-Terminals für Online-Überweisungen abgebaut, weil sie immer weniger genutzt wurden.

Bis auf vier Standorte hat die Sparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach die SB-Terminals für Online-Überweisungen abgebaut, weil sie immer weniger genutzt wurden. © privat

Benjamin Mair, der stellvertretende Pressesprecher der Sparkasse, hebt hervor, dass die Terminals in der zurückliegenden Zeit immer weniger genutzt worden seien. An vier Standorten würden sie weiterbetrieben. Dabei habe man darauf geachtet, außer der Zentrale am Erlanger Hugenottenplatz auch dezentrale Anlaufstellen wie in Heroldsberg, an der Herzogenauracher Hauptstraße und am Höchstadter Marktplatz anbieten zu können.

Der Prozess, Geschäftsstellen zusammenzulegen, sei abgeschlossen, betont Mair: "Mit 40 Filialen verfügen wir mit weitem Abstand nach wie vor über das dichteste Netz in unserem Raum."

"Wir wollen keinen Druck aufbauen"

Einige Senioren vermuten, dass sie durch den Abbau der Terminals zum Online-Banking animiert werden sollen, was aber Benjamin Mair verneint. Die Sparkasse wolle hier auf keinen Fall irgendeinen Druck auf Kunden ausüben. "Diese sollen völlig frei entscheiden können, welche Form ihnen am meisten zusagt", so der stellvertretende Pressesprecher.

Geldeinzahlungen waren oder sind über die SB-Terminals nicht möglich. Hierfür sowie für Auszahlungen und das Ausdrucken von Kontoauszügen gibt es eigene Automaten, die vom Abbau nicht betroffen waren, sondern zum Teil sogar aufgestockt wurden.

Neben der Möglichkeit, am Schalter Überweisungen zu veranlassen, sind in den Filialen Briefkästen aufgestellt, in welche die ausgefüllten Formulare in Papierform eingeworfen werden können. Höhere Gebühren als bei den SB-Terminals fallen über die Briefkästen nicht an.

Zweifel an der Sicherheit

Eine 70-jährige Büchenbacherin hält es für eine bedenkliche Entwicklung, dass bei Banken und Geldinstituten in den vergangenen Jahren Filialen geschlossen, Öffnungszeiten eingeschränkt und Gebühren neu eingeführt oder erhöht wurden. Dem Online-Banking steht sie skeptisch gegenüber: "Ich habe meine Zweifel, ob es so sicher ist, wie oft behauptet wird." Außerdem müsste sie hierzu zusätzliche Geräte anschaffen.

Viele ihrer älteren Mitbürger würden auch nicht mehr sonderlich gut sehen. Bei den vielen Zahlen, die bei Bankgeschäften am Computer einzugeben seien, passiere da leicht ein Tippfehler.

Andrea Kaiser, die Leiterin des Erlanger Seniorenamts, bestätigt, dass mit zunehmenden Alter die Bereitschaft nachlasse, zum Online-Banking zu wechseln und sich in diese Materie einzuarbeiten. Es sei wichtig, dass außer dem Weg über das Internet die Möglichkeit bestehe, Bankgeschäfte in einer nicht allzu weit entfernten Filiale vornehmen zu können.

Hilfe durch Angehörige

Oft würden auch Angehörige den Senioren helfen, wenn sie mit der modernen Technik nicht zurechtkämen. Bei einer Erlanger Seniorin sei hierzu die Tochter jedes Mal extra von weiter weg angereist, berichtet Gabriele Albert von der Seniorenberatung.

Auch die Ausgaben für PC, Smartphone und Internetanschluss könnten sich manche nicht leisten. Wer bereits im Beruf mit dem Computer gearbeitet habe, komme meist auch mit dem Online-Banking zurecht. Bei den anderen herrsche jedoch eine ziemliche Angst vor, etwas falsch zu machen.

Der Eckentaler Seniorenbeirat fragte einmal bei sämtlichen Altenclubs der Marktgemeinde nach, wer von den Mitgliedern über einen Internetanschluss verfügt: Es waren nicht einmal zehn Prozent.

Geringe Resonanz

Auch die Resonanz bei den Kursen zum Umgang mit den digitalen Geräten, die der Seniorenbeirat in Eckental anbot, hielt sich die Resonanz in Grenzen. "Es kommen ja auch ständig Neuerungen hinzu. Bei den zahlreichen Fachbegriffen, die nicht selten in Englisch sind, die Orientierung zu behalten, fällt älteren Menschen schwer", stellt Ingo Gerstenhauer, Vorsitzender des Seniorenbeirats und Mitglied im Kreisseniorenrat, heraus.

Die VR Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach, eine Zweigniederlassung der VR Bank Metropolregion Nürnberg eG, hat in ihrem Gebiet bislang keine Service-Terminals installiert. Vielmehr können Überweisungen mittels ausgefüllter Papierformulare in speziell dafür angebrachte und gekennzeichnete Briefkästen bei nahezu allen Filialen eingeworfen werden.

Wer kein Online-Banking betreiben möchte, vermag zudem über das Kundendialogcenter telefonisch alle wichtigen Bankgeschäfte an fünf Tagen in der Woche jeweils von 8 bis 18 Uhr vorzunehmen. Auch bei Problemen oder Fragen helfen die Mitarbeiter dort weiter. Die Schließung von Filialen ist bei der VR Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach nicht vorgesehen.