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Vor 30 Jahren ging der Berg zwei Tage länger

Weil das Wetter schlecht war, hatte Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg einmalig die Kirchweih ausgedehnt - 24.05.2013 12:29 Uhr

Im Jahre 1983 ist die Erlanger Bergkirchweih um zwei Tage verlängert worden. Michael Finzel hat die Plakate von damals, die allerdings eine viertägige Verlängerung ankündigen, "gerettet."

24.05.2013 © Klaus-Dieter Schreiter


„Ich war gerade 13 Jahre alt, strolchte über den Berg, und fand dort ein Bündel mit gelben Plakaten“, grinst Michael Finzel, den viele Erlanger als erfolgreichen Bogenschützen kennen, und als Fahnenträger bei der Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft. Der kleine Michel schnappte sich das Bündel und brachte es nach Hause in die Atzelsberger Steige.

An die 50 Plakate waren da zusammengeschnürt, und darauf stand in großen Lettern: „Der Berg ruft – es geht weiter! Erlanger Bergkirchweih verlängert vom 2. bis 5. Juni 1983“.

Eines dieser Drucke hängt im Keller der Finzels neben vielen anderen Bergkirchweih-Plakaten und in der Nachbarschaft von zahlreichen historischen Bierkrügen aus mehr als 30 Jahren Berg. Den Packen mit den 50 Plakaten, so wie ihn der kleine Bub vor 30 Jahren gefunden hat, gibt es auch noch.

Michaels Tochter Nina kramt ihn hervor, zeigt ihn stolz, und Großvater Dieter erinnert sich, wie es damals war. Es sei die ganze Bergzeit über kalt und regnerisch gewesen, kein Bergwetter eben. Darum habe der damalige Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg beschlossen, das Fest um vier Tage zu verlängern, und zwar von Donnerstag bis Sonntag. An den zwei Tagen nach dem eigentlich offiziellen Bergende am Montag sollten Schaustellern, die auf andere Feste mussten, ihre Fahrgeschäfte abbauen können.

Entscheidung per Gerichtsurteil

Es gab aber Widerstand, und per Gerichtsurteil sei dann die Kirchweih um nur zwei Tage, nämlich von Donnerstag bis Freitag, verlängert worden. „Der Erfolg aber hielt sich in Grenzen, denn für die Erlanger war die Bergkirchweih traditionell am Montag vorbei“, lacht Michael Finzel heute. Außerdem habe sich das Wetter erst am darauf folgenden Wochenende geändert, erinnert e sich. Finzels Plakate sind ganz offensichtlich Fehldrucke, die übereifrige Berggänger haben herstellen lassen, bevor die viertägige Verlängerung vom Gericht gestoppt worden war. Sie kündigen nämlich noch die Verlängerung um vier Tage an, die ja so nie stattgefunden hat.

Überhaupt: Bislang hat es eine Verlängerung wegen schlechten Wetters nicht wieder gegeben, und sie wird es wohl auch nicht mehr geben. Auch wenn sich das der eine oder andere Bergfan bei dem Wetter in diesem Jahr wünschen würde. Viel zu groß wäre heutzutage aber der Protest der Nachbarn, denen schon die zwölf Tage reichen. Das kleine, 30-jährige Jubiläum feiern die Finzels mit Freunden und Bekannten heuer auch bei schlechtem Wetter auf dem Berg.

Der Michel macht jedes Jahr nämlich seinen „Großen Bergschein“ in Lederhose und mit traditionellem Filzhut. Auch im Alter von 43 Jahren noch.

KLAUS-DIETER SCHREITER

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