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Wahlsieger Janik über StUB, Ampelkoalition und Bierfässer

Exklusivinterview: "Tief berührt" vom Vertrauen der Bürger in Erlangen - 01.04.2014 06:00 Uhr

Nach der Stichwahl stellt sich Erlangens künftiger OB, Florian Janik (mit Ehefrau Sylvia, l.), den Fragen der Reporter. © Harald Sippel


Herr Janik, wie fühlen Sie sich nach diesem sensationellen Wahlsieg?

Florian Janik
: So langsam fange ich an, das Ergebnis zu realisieren. Das ist ein überwältigendes Gefühl. Ich bin immer noch tief berührt, dass so viele Menschen gesagt haben, das ist der richtige Weg und das ist der Richtige, der das machen soll. Das bewegt mich tief. Ich brauche allerdings noch ein paar Tage, um wirklich zu verstehen, was das heißt. Mir geht es gut.

Sie haben große Erwartungen geweckt, mit der Ankündigung, den Dialog mit den Bürgern pflegen zu wollen. Wie wollen Sie das Versprechen einlösen?

Florian Janik:
Zunächst mal ist es die Erwartung, die die Menschen in der Stadt haben. Die Menschen wollen sich einbringen, die Menschen haben viele Ideen. Es wird darum gehen, das durchzuhalten, was wir im Wahlkampf angedeutet haben, wie Politik sein soll: Konkret, vor Ort, mit den Menschen. Das bedeutet auch: Die Bereitschaft zum Dialog muss sich in der gesamten Stadtverwaltung widerspiegeln.

Wenn sich Bürger artikulieren, hat man manchmal den Eindruck, es geht vor allem darum, Partikularinteressen durchzusetzen. Das Allgemeinwohl rückt dann oft in den Hintergrund. Wie wollen Sie diese gegensätzlichen Ziele miteinander versöhnen?

Florian Janik:
Den Zielkonflikt kann man nur im Dialog versöhnen. Es muss gelingen, alle Menschen mitzunehmen, die von bestimmten Projekten betroffen sind. Das sind natürlich nicht nur direkte Nachbarn. Bei der Entwicklung von Gewerbegebieten etwa muss man die Betroffenheit der Stadtgesellschaft herstellen, nicht nur mit den Anwohnern. Dann kann ein Ausgleich der Interessen gelingen. Man darf aber nicht denken, dass dies ein konfliktfreier Prozess ist.

Sie haben von dem Charme stabiler Mehrheiten gesprochen. Die stabilste Konstellation wäre eine Große Koalition. Gibt es vielleicht doch noch ein schwarz-rotes Bündnis?

Florian Janik:
Mein Ziel ist die „Ampelkoalition“ — wegen der inhaltlichen Übereinstimmungen bei den großen Themen, die die Stadt bewegen. Ich denke, an das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ und die Stadt-Umland-Bahn. Bei diesen Themen sind wir in der Vergangenheit mit unseren Vorstellungen oft an der CSU gescheitert. Ich glaube nicht, dass man diesen Konflikt so schnell lösen wird.

Die Haltung der FDP zur StUB ist allerdings eher ein „Jein“, als ein deutliches „Ja“.

Florian Janik:
Die FDP ist eine Kraft, die zusammen mit anderen dafür gesorgt hat, dass wir bei der Stadt-Umland-Bahn so weit sind wie wir heute sind — bei allen Bedenken, die vorhanden sind. Die FDP hat erkannt, dass Verantwortung für die Stadt bedeutet, diesen Weg mitzugehen. Und deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass die FDP auch bei den nächsten Entscheidungen diese Verantwortung wahrnimmt. Der nächste Schritt wird sein, gemeinsam mit dem Landkreis und der Stadt Nürnberg eine Organisationsform zu finden, so dass wir aus einer Hand die Planungen vorantreiben können. Es ist wichtig, dass alle Gebietskörperschaften mit einer Stimme sprechen.

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Dr. Florian Janik: Erlangens Oberbürgermeister im Porträt

Mit fast 64 Prozent haben die Erlanger Bürger Florian Janik von der SPD bei der Kommunalwahl 2014 zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Damit löste er Siegfried Balleis (CSU) im Amt ab, der seit 1996 im Rathaus als Oberhaupt saß. Ein Porträt in Bildern.


Der Ministerpräsident hat bei seinem Besuch in Erlangen keine Zusage für eine besondere Förderung der StUB gemacht. Ist durch den Machtwechsel die Chance auf diese notwendige finanzielle Unterstützung gesunken?

Florian Janik:
Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Aussagen des Ministerpräsidenten und des Innenministers waren sehr, sehr deutlich: Sie wollen die StUB. Ich denke, dass das auch jetzt noch gilt. Es geht um weit mehr als um das Parteibuch eines Oberbürgermeisters, es geht um die Entwicklung Nordbayerns.

Ein anderer Knackpunkt in einer „Ampelkoalition“ sind unterschiedliche Haltungen zum Bau einer Handball- und Sporthalle. Wird am Ende vielleicht sogar der Ausbau der Hiersemann-Halle wieder eine Option?

Florian Janik:
Der Verein hat sehr klar artikuliert: Er wünscht keinen Ausbau der Hiersemann-Halle. Gegen den Verein, eine Lösung durchzusetzen, die er nicht haben möchte, halte ich nicht für sinnvoll. Beim Neubau der Handball- und Sporthalle geht es um die Finanzierung.

Da ist meine Haltung nach wie vor, die Halle kann nur finanziert werden, wenn substantielle Teile von dritter Stelle getragen werden, etwa vom Freistaat Bayern oder von privater Seite. Vielleicht finden wir in Erlangen einen Sponsor. Ich werde jedenfalls daran arbeiten, jemanden zu finden. Meine Aussage gilt auch nach der Wahl: Wir werden an den großen Projekten, bei denen es um den Erhalt des Bestandes geht, keine Abstriche machen, um die Handball-Halle zu bauen.

Noch ein Wort zu ihrem Vorgänger Siegfried Balleis ...

Florian Janik:
Ich habe mich bei ihm für den fairen Wahlkampf und auch für die 18 Jahre Arbeit bedankt, die er geleistet hat. Und ich nehme sein Angebot gerne an, die Übergabe der Amtsgeschäfte fair und offen zu gestalten.

Die Bergkirchweih rückt langsam näher. Üben Sie schon für den Anstich?

Florian Janik:
Ich habe bisher nur kleinere Fässer angezapft. Ich bin gespannt, wie das mit größeren klappt.

Markus Hörath, Ralf H. Kohlschreiber, Kirsten Waltert

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