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Waldrundweg Mönau: Blühflächen an der Autobahn A3

Für den Weg hat das Forstrevier sechs verschiedene Straucharten gepflanzt - 30.05.2020 18:30 Uhr

Der Rundweg, den Förster Matthias Breuer betreut, führt zu einem Erlen-Bruchwald, der von der Membach durchflossen wird. © Foto: Klaus-Dieter Schreiter


Der Waldrand entlang der Autobahn sei ziemlich bloß gestellt, nachdem dort wegen der Verbreiterung der Schnellstraße kräftig gerodet worden war, stellt Revierförster Matthias Breuer etwas betrübt fest. Darum habe er bereits vor zwei Jahren die Idee gehabt, dort blühende Sträucher zu pflanzen, bevor die Brombeere hoch wächst oder das Gras kommt.

Insgesamt über 2000 Pflanzen wachsen entlang der Autobahn

Jetzt wurde seine Idee umgesetzt. Sechs verschiedene Straucharten hat er für das Projekt bekommen. Wildapfel, Wildbirne, Roter Hartriegel, Schneebälle, Kornelkirsche und Pfaffenhütchen, insgesamt über 2000 Pflanzen sind dann entlang der Autobahn gepflanzt worden. Hauptsächlich an der Autobahnauffahrt Frauenaurach im Klosterwald, aber auch zwischen Frauenaurach und Erlangen West in der Mönau sind die durch die Rodungen neu entstandenen Waldränder mit den Anpflanzungen aufgewertet worden.

Es wird zwar sechs, sieben Jahre dauern, bis alles in Blüte steht, aber dann werden die Autofahrer an blühenden Waldrändern vorbei fahren, meint Breuer. In der Mönau hat er auch gleich noch einen Rundweg ausgewiesen, der am Parkplatz Kosbacher Altar an der Straße zwischen Dechsendorf und Kosbach beginnt. Dort hängen an einer Informationstafel auch Kärtchen zum Mitnehmen, die den Weg zeigen. Gleich am Kosbacher Altar – eine Grabstätte der Kelten, die dort um 500 v. Chr. eine Kultanlage hatten – weiß Breuer, der den Rundweg mit einem EN-Vertreter abgegangen ist, einiges zu berichten. Nicht den 1980 rekonstruierten Altar zeigt er, sondern mehrere Grabhügel auf der anderen Seite des Weges. Die seien bislang noch nicht untersucht worden. Doch erwische er dort immer mal wieder Menschen mit Metallsonden. Das Graben dort sei allerdings streng verboten und werde auch geahndet, mahnt der Förster.

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Der Weg zweigt dann rechts ab und führt in einem Bogen zur Autobahn an einer Unterführung des Waldweges nach Untermembach. Dort sieht es irgendwie schrecklich aus. Der Wald ist breitflächig abgeholzt, demnächst werden dort die Bagger anrollen, erzählt der Förster. Entlang des neuen Waldrandes hat er die Blühsträucher pflanzen lassen und sie mit Drahthosen geschützt. Ziemlich unscheinbar sind die kleinen Pflanzen noch, aber man kann schon erahnen, wie dicht der nun kahle Waldrand dort einmal werden wird. Allerdings müssen da auch die Arbeiter und die großen Maschinen der zukünftigen Autobahnbaustelle mitmachen. Die haben zwar strikte Vorgaben, wo ihr Arbeitsfeld endet, und Grenzmarkierungen gibt es auch. Aber so ganz sicher ist sich Breuer nicht, dass die nicht irgendwann doch mal überschritten und die kleinen Pflanzen nieder gemacht werden.

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Breuer führt den EN-Mitarbeiter weiter entlang des Rundweges in Richtung Norden hin zu einem Erlen-Bruchwald. Dort fließt die Membach und hält die Gegend feucht. Erst seit einiger Zeit fließe dort wieder Wasser, lange Jahre sei der Bach trocken gewesen, weiß Breuer. Dieser Teil der Mönau, der auch Teufelswiese genannt wird, soll auch zukünftig unberührt bleiben. Weiter führt der Rundweg in Richtung Osten bis fast zur Straße nach Dechsendorf. Dort stehen 150 Jahre alte Erlen und auch Flatterulmen. Von diesem seltenen Baum gibt es laut Breuer nur noch 90 Stück in der Mönau, ansonsten seien sie in der Gegend nicht mehr zu finden, weiß er.

Im letzten Jahr war die Flatterulme Baum des Jahres, da habe man sie gezählt. Weil die Exemplare so stattlich sind, kommen immer wieder Zapfenpflücker nach Erlangen, um Saatgut zu gewinnen, das dann in Forstschulen ausgesät wird, um die Flatterulme zu vermehren.

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Der Rundweg führt dann vorbei an einer Borkenkäferfläche mit Laubholzpflanzung, durch einen Altkiefernwald mit jungen Buchen, Eichen, Birken und Pappeln, und dann zu einer ziemlich großen Windwurffläche, wo ein Sturm vor einem Jahr die Bäume umgelegt hatte. Von dort ist es nicht mehr weit zurück zum Parkplatz Kosbacher Altar.

4,5 Kilometer lang ist dieser Rundweg, den es sich lohnt zu gehen. Demnächst sollen auch noch Hinweisschilder aufgestellt werden.

Wer allerdings blühende Waldränder erwartet, der wird enttäuscht werden muss noch einige Jahre warten. Wer jedoch die reine Natur erleben will, der dürfte begeistert sein von diesem Wanderangebot des Forstamtes.

KLAUS-DIETER SCHREITER

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