Sonntag, 18.04.2021

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Weltfrauentag: Erlangerinnen sprechen in Kurzfilm über Alltagsrassismus

Internationale Frauengruppe Erlangen präsentiert Plädoyer gegen menschenverachtende Mechanismen - 08.03.2021 12:00 Uhr

Wie wird Alltagsrassismus erlebt? Frauen in Erlangen setzen sich damit auseinander.

07.03.2021 © Boris Rössle/dpa/Repro NN


Es sind nur Worte. Kleine Nadelstiche, die – oft wiederholt – dauerhafte Wunden verursachen. Der Klassiker ist die Bemerkung "Sie sprechen aber gut Deutsch", geäußert im Ton der Überraschung gegenüber jemandem mit dunkler Hautfarbe im "weißen Deutschland". Dann aber stellt sich heraus, dass die angesprochene Person hier geboren und aufgewachsen ist – und zwar mit Deutsch als Muttersprache, vielleicht sogar mit einem regionalen Dialekt.

Solche und andere Erlebnisse mit Alltagsrassismus haben in Erlangen Frauen mit Migrationshintergrund aufgeschrieben. Daraus entstanden ist nun ein Kurzfilm mit erzählten Episoden. Die Texte werden von Erlanger Frauen gesprochen, die keinen Migrationshintergrund haben – eine Irritation, ein Verfremdungs- und Überraschungsmoment, das dazu zwingt, genau hinzuschauen. Vielleicht auch, in sich selbst hineinzuschauen. Sich selbst und eigene Vorurteile zu hinterfragen.

Die erlebten Geschichten erzählen

Die subtile Idee für das Ganze stammt von Ursula Heintze, Mitbegründerin und langjährige Mitarbeiterin des Erlanger Frauenhauses. Als sie in der Internationalen Frauengruppe Erlangen davon sprach, ging es ganz schnell. Zwölf Frauen unterschiedlichen Alters, von Mitte 20 bis 60, wollten ihre Geschichten erzählen. Sie wollten sie einfach einmal loswerden, die kleinen und großen Nadelstiche.

Sie sind Erlangerinnen, sie arbeiten in unterschiedlichen Berufen, sind Wissenschaftlerin, Schauspielerin, Verkäuferin, Hebamme, sind in Deutschland geboren und aufgewachsen oder als Kind oder Erwachsene aus anderen Ländern gekommen – sie leben hier und haben eines gemeinsam: Sie haben Momente erlebt, die schmerzen, in denen sie beleidigt oder diffamiert wurden, aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Herkunft, manchmal zusätzlich noch, weil sie Frauen sind. Nun hoffen sie, dass andere dadurch zum Nachdenken angeregt werden. "Es soll eine aufklärende Arbeit sein", sagt Parisa Zarrinozv, Mitwirkende und neben Heintze Projektleiterin.

Erster Eindruck bei Kundgebung am 8. März

Umgesetzt hat die Idee der Erlanger Filmemacher Holger Schneider.  "Das ist ein Thema, das in die Öffentlichkeit geholt gehört", findet er. Verschiedene Drehorte hat er für die einzelnen Szenen ausgewählt, öffentliche Orte vom Rathausplatz bis hin zum Gehweg vor der Frauenklinik. Finanziert wurde das Frauen-Filmvorhaben durch Fördergelder des Bundesprogramms "Demokratie leben", unterstützt von der Gleichstellungsstelle im Büro für Chancengleichheit der Stadt Erlangen. Einen ersten Eindruck kann man bei der Kundgebung der Gruppe 8. März ab 17 Uhr auf dem Erlanger Schlossplatz am  Weltfrauentag am 8. März erhalten, in Kürze soll der Film dann online im Rahmen der Wochen gegen Rassismus im Programm sein. Angedacht ist zudem ein späterer Einsatz auch außerhalb Erlangens, zum Beispiel in Klassenzimmern.

Die Geschichten im Film handeln von offensichtlichem ebenso wie von verstecktem Rassismus. Die meisten Frauen, die ihre Erlebnisse hier nun mit anderen teilen, wollen nicht öffentlich in Erscheinung treten. Sie befürchten Nachteile im Job, mögliche Anfeindungen.

Zwischen "den Stühlen" geboren

Die in Berlin lebende, aus Erlangen stammende Psychologin Sahra Fatima Schuppan, die ebenfalls einen Text beigetragen hat, schildert, wie es ist, zwischen "den Stühlen" geboren zu sein, mit der schwarzen Hautfarbe der aus Somalia stammenden Mutter und aufgewachsen im Land des deutschen, weißen Vaters.

"Ich bin guten Mutes, dass Hautfarben- und Geschlechtergrenzen in Zukunft eine weniger wichtige Rolle spielen werden, da es immer mehr Menschen geben wird, die weder schwarz noch weiß sind, in keine Schublade mehr passen. Menschen wie mich." Ihre Erfahrung im Umgang mit Rassismus: "Meiner Meinung nach gibt es Menschen, die es nicht besser wissen, und Menschen, die verletzen wollen. Daher sage ich etwas, wenn ich mich angegriffen fühle, ein einziges Mal. Entweder ich merke, dass derjenige offen ist für ein Gespräch, dann führe ich dieses und erkläre gern, worum es mir geht. Die Menschen allerdings, die verletzen wollen und an keiner Lösung interessiert sind, wollen nicht mich als Person verletzen, sondern generell Unfrieden stiften."

"Viele Menschen sind nur gedankenlos"

Parisa Zarrinozv hofft, dass der Film in Schulen Kinder zum Nachdenken bringt über das, was Worte bewirken können. "Viele Menschen sind nur gedankenlos und wollen anderen nicht weh tun", so ihre Überzeugung. Es werde zu viel nach Äußerlichkeiten geurteilt, sagt die frühere Sozialbürgermeisterin Elisabeth Preuß, die neben anderen Erlangerinnen von der Studentin bis zur Rentnerin einen der Texte im Film spricht, über "ihre" Szene.

Selbst gut Gemeintes kann unüberlegt dahingesagt verletzend sein, offensichtliche Beleidigungen wiederum sind massive Angriffe und auch so gemeint. Rassistische Diskriminierung erschwert Lebens- und Bildungswege – von Frauen meist mehr als von Männern. Rassistische Diskriminierung ist eine schmerzhafte Realität – ein Angriff auf die Würde der Menschen, gegen die sie sich richtet. Ein Angriff auf den Grundsatz unserer Demokratie: "Die Würde des Menschen ist unantastbar".

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Bekannte Frauen, die mit ihren Ideen viele inspirierten und immer noch inspirieren, begeisterten und immer noch begeistern. Doch welche Weisheiten haben sie verbreitet? Testen Sie jetzt Ihr Wissen über Astrid Lindgren und Co. in unserem großen Zitate-Quiz!

Frage 1/12:

"Man muss an seine Berufung glauben und alles daransetzen, sein Ziel zu erreichen."

Frage 2/12:

"Ich bereue nichts in meinem Leben - außer dem, was ich nicht getan habe."

Frage 3/12:

"Jeder Mensch sollte sein Leben als Vorbild für andere leben.“

Frage 4/12:

"Frauen können tun und lassen, was auch immer sie wollen"

Frage 5/12:

"Lass dich nicht unterkriegen; sei frech und wild und wunderbar."

Frage 6/12:

"Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern."

Frage 7/12:

"In bestimmter Weise habe ich auch was zu sagen.“

Frage 8/12:

"Glück ist eine Frage der Vorbereitung, die Gelegenheit beim Schopf zu packen.“

Frage 9/12:

"Der Friede geht von dem aus, der Liebe sät, indem er sie zu Taten werden lässt"

Frage 10/12:

"Ich traue mich, alles auszuprobieren"

Frage 11/12:

“Am Ende des Tages können wir viel mehr ertragen, als wir denken.”

Frage 12/12:

"Mut ist der Preis, den das Leben verlangt, wenn es Frieden mit dir schließen soll"

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EVA KETTLER

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