Wie eine Erlangerin zur beliebten Bloggerin wurde

3.11.2018, 15:00 Uhr
So glamourös, wie man sich das Leben eines Influencers vorstellt, ist es meistens nicht, sagt die Erlangerin Katharina Witter.

So glamourös, wie man sich das Leben eines Influencers vorstellt, ist es meistens nicht, sagt die Erlangerin Katharina Witter. © Celine Koch

Es ist ein warmer Herbsttag, als ich auf Katharina Witter im Café Magereta in Erlangen treffe. "Nächste Woche soll das Wetter schon schlechter werden", bemerkt sie fast wehmütig und wirft einen Blick in die Karte. Sie bestellt Cappuccino und stilles Wasser, ihre beige Tasche von der französischen Designer-Marke Chloé hat sie auf den Stuhl neben sich gestellt.

Hätte man nun ein Foto gemacht, einen Filter drüber gelegt und das Ganze auf Instagram gepostet, dann hätte sie damit sicher tausende Likes bekommen. Von über 86 000 Menschen, die der Erlanger Bloggerin folgen und sie in ihrem alltäglichen Leben begleiten — 86 0000 Menschen, das sind fast doppelt so viele Personen, wie das Nürnberger Max-Morlock-Stadion an Plätzen hergeben kann. Und ihre Community (z. dt.: Gemeinschaft) wächst und wächst.

Eine große Stütze dabei ist ihr Mann Nik, den sie in einem Auslandssemester kennen und lieben gelernt hat und der sie auch bei ihrem Hobby immer unterstützt hat. "Er war ein großer und wichtiger Faktor, der mich dazu ermutigt hat", sagt sie.

Mit ihm zusammen betreibt sie heute den Blog, für den alle Entscheidungen auch im Kollektiv getroffen werden. Nach wie vor ist er auch für fast alle Fotos auf ihren sozialen Plattformen verantwortlich. Dafür nehme er ab und zu seine Mittagspause her.

Angefangen habe alles mit einem "sehr langweiligen Praktikum, bei dem ich sehr viele Blogs gelesen habe", erzählt sie. Am Anfang lag daher der Fokus klar auf ihrem Blog Wantgetrepeat.com (zu dt. Wollen, Kaufen, Von vorne beginnen). Instagram und Facebook waren da eher Nebensache. "Ich hab da vermutlich länger dran fest gehalten als andere", erzählt sie. Denn heute habe sich die Kultur des Bloggens verändert. Der Blog an sich würde laut Witter vor allem nur noch dazu dienen, dass die Follower sie als Person besser kennen lernen können. "Jetzt sehe ich Instagram als mein Hauptgeschäft an", sagt sie. Dafür greife sie sich vor allem nur Dinge heraus, "die schön sind. Weil ich mir denke, dass Benutzer von Sozialen Netzwerken damit ihrem eigenen Alltag entfliehen wollen". Ein wichtiges Thema auf ihrem Blog war in der letzten Zeit vor allem ihre Hochzeit. "Manche Sachen waren für mich selbstverständlich für alle im Netz zu teilen, wie mein Kleid oder die Dekoration. Aber andere Dinge habe ich dann auch ganz mit Absicht heraus genommen, wie zum Beispiel unser Ehegelübde", erklärt sie. Ansonsten schreibt sie auf ihrer Webseite aber über Mode, Reisen oder Inneneinrichtung. Ein wichtiger Teil sind für Witter auch ihre Motivationstexte, in denen sie die "junge, moderne Frau ansprechen möchte". Dabei geht es um Themen, wie Zeitmanagement im Job oder um den Druck von Sozialen Medien auf Frauen und ihre Selbstwahrnehmung. Ein Druck, den sie auch selbst immer wieder spürt.

Angefangen hat sie mit dem Bloggen vor vier Jahren als Hobby; heute kann die Erlangerin davon aber fast schon alleine leben. "Natürlich macht mir das total viel Spaß, aber inzwischen ist es klar auch etwas, womit ich mein Geld verdiene", gibt sie zu. Aber wie verdient man damit eigentlich Geld? Klassisch gesehen gibt es "da auf der einen Seite das Empfehlungs-Marketing. Das bedeutet, dass man selbst auf dem Blog oder Instagram Produkte verlinkt", erklärt sie. Wenn Leser dann über diesen Link das empfohlene Produkt einkaufen würden, bekommt der Blogger eine Art Provision ausgezahlt. "Ansonsten gibt es natürlich auch ganz klassisch die Werbung, also Editorial." Damit sind gezielte Produktplatzierungen im Internet gemeint, die in Zusammenarbeit mit Firmen entstehen. Der Blogger darf dabei aber oft selbst bestimmen, wie er das Projekt umsetzen möchte.

Angebote schreiben, Projekte planen, Konzepte erstellen, Steuern und Buchhaltung - so glamourös, wie man sich das Leben eines Influencers vorstellt, ist es meistens nicht. Der Alltag besteht aus weit mehr, als nur aus Kaffee trinken und Essen gehen. Als "Zwei-Mann-Firma", bezeichnet sie ihren Blog liebevoll, da sie und ihr Mann das alles völlig in Eigenregie machen — selbst wenn es um das Einlesen in rechtliche Grundlagen, wie die neue Datenschutzverordnung geht.

Durch dieses "Zwei-Mann-Unternehmen" konnte Katharina Witter aber sogar im Juni ihren Angestellten-Job im Büro einer Erlanger Firma auf Teilzeit reduzieren. "Und den Rest lebe ich dann vom Blog", erzählt sie.

Irgendwann nur vom Blog leben zu können, wie andere deutsche Blogger-Größen, kommt für Witter vorerst nicht in Frage. "Ich bin da vielleicht noch etwas altmodisch, aber ich möchte einfach nicht die Verbindung zu dem verlieren, was ich studiert habe. Ich denke mir, wenn man da komplett raus ist, ist es schwer, dort in fünf Jahren wieder Fuß zu fassen." Studiert hat sie in Nürnberg International Business Studies. Eine Mischung aus BWL und Kultur, wie sie selbst sagt. Ihr Master wurde ganz in Englisch abgehalten, was ihr nun zu Gute kommt. Ihre Internet-Community besteht nur aus 25 Prozent deutschsprachigen Personen, weshalb sie all ihre Texte auch auf Englisch veröffentlicht.

Und trotz der weit größeren internationalen Bekanntheit, kommt es auch immer mal wieder vor, dass sie hier vor Ort von Fans erkannt und angesprochen wird. "Ist jetzt aber nicht so, dass ich durch die Straßen laufe und andauernd angesprochen werde." Doch ab und zu kam es schon vor. Da merkt man schon, dass hinter den Followern (zu. dt. Nutzern) richtige Menschen stecken, die hier teilweise sogar irgendwo in der Region leben."

Ein wichtiges Thema

war ihre Hochzeit.

Fans sprechen sie

immer mal wieder an.

1 Kommentar