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Wie soll sich Neunkirchen entwickeln?

Demografischer Wandel erfordert neues Konzept - 25.11.2018 15:00 Uhr

Wohin soll sich Neunkirchen am Brand entwickeln? Bereits zum Auftakt konnten sich die Bürger an der Definition der wichtigsten Ziele für die Zukunft beteiligen.

© Pauline Lindner


Knapp eineinhalb Jahre werden er und Yvonne Slanz und Markus Schäfer vom Planungsbüro transform den Dialog begleiten, aus dem ein Konzept für die Ortsentwicklung erwachsen soll. Fördermittel sollen aus den Töpfen der Städtebauförderung fließen. "Geld gibt's nur, wenn ein schlüssiges Konzept vorliegt", wandte Salm sich an die gut 100 Bürger und politisch Aktiven in der Zehntscheune. Im Vordergrund stehen hierbei der Hauptort selber und Ermreuth; Problemzonen in den anderen Ortsteilen, so Salm, könnten über die Dorferneuerung angegangen werden.

Als "Prozessimpuls" führte Bürgermeister Heinz Richter (FW) ein lange Liste von Projekten auf, die in seiner Amtszeit zum Profil Neunkirchens beigetragen habe — von stark gestiegenen Betreuungsplätzen für Kinder bis zur Tagespflege und Seniorenvertretung, von den Schulen bis zum Freibad.

Salm gab den Bürgern eine Reihe von harten Fakten dazu, die die nächsten zehn bis 15 Jahre Neunkirchen prägen werden. Die Bevölkerungsentwicklung steht dabei obenan. Aus dem bisherigen Verlauf und den auf den Weg gebrachten Baugebieten erwartet er, dass schon 2020 die Marke 8500 geknackt wird. Drei Jahre später dürften es um die 8700 Einwohner sein. Dann dürfte die Zahl nur mehr langsam steigen. Geschuldet ist dieser Sprung vor allem der Bebauung des Hemmerlein-Geländes.

Die Zahl der Unter-18-Jährigen wird um zehn Prozent ansteigen; der Zuwachs der Über-65-Jährigen wird bei fast 30 Prozent liegen. Aus letzter Zahl schließt Salm auch auf einen steigenden Bedarf an anderem Wohnraum in der Altersgruppe 60 bis 75. "Neunkirchen muss sein Wohnraumangebot ausdifferenzieren, gerade weil der Siedlungsdruck weiter zunehmen wird", folgerte Salm. Ein spezieller Punkt sind die 170 Häuser und damit fast sieben Prozent des Bestandes, die jeweils nur von einer Person bewohnt werden, aber acht bis zehn Hektar Bauland beanspruchen.

Slanz und Schäfer näherten sich Neunkirchen bewusst ganz von außen. Ihre Fragen: Gehört das noch zu Oberfranken? Tor zur Fränkischen Schweiz oder Speckgürtel von Erlangen? Es sind objektiv schöne Eindrücke, die sie bei ihrer städtebaulichen Erkundung sammeln konnten und als Fotos präsentierten.

"Wie leben wir heute, wie möchten wir in 15 Jahren leben?", banden sie die Bürger mit ein. Trotz "wunderbarer Busanbindung nach Erlangen" (Slanz) sehen die beiden diverse Handlungsfelder, die aus den Erwartungen für die Zukunft und aus den Veränderungen seit dem 19. Jahrhundert, als Neunkirchen begann, über die Mauern des Klosterareals hinauszuwachsen, erwachsen. Den Verlust von Gewässern insbesondere Weihern setzten sie in Bezug zum Hochwasserschutz, Leerstände im innerörtlichen Bereich zum Ensembleschutz seitens der Denkmalschützer sowie die Aufenthaltsqualität im Ortskern und die Ladengeschäfte weit außen zu Mobilität im Alter und der Parkplatzsituation. Als ihre "ersten Ideen" nannten die beiden Stadtplaner die Aufwertung der öffentlichen Räume, eine neue Nutzung für das alte Raiba-Gebäude zwischen Kirche und Rathaus, die Grünstrukturen und die Revitalisierung der Einfamilienhaus-Gebiete.

Liste der Prioritäten

Ein Bürger sah die Gefahr, sich in Einzelthemen zu verzetteln. Dem soll, so Salm, durch die Prioritätenliste, was sich herauskristallisiert hat, am Prozessende vorgebeugt werden. Die Besucher gehörten zum Altersspektrum 45 plus. Deshalb fragte eine Frau, wie man an die Generation 18 bis 35 herankommen wolle.

Bürger forderten zudem viel mehr Markierungspunkte für den riesengroßen Ortsplan und thematische Wandtafeln für schriftliche Anregungen. Ein flüchtiger Blick über die Karte zeigte schon nach wenigen Minuten, dass die kritischen Punkte — vor allem aus dem Bereich des Verkehrs — im historischen Zentrum, an den Rändern des Marktes, in den Ortsteilen und in den Freiflächen liegen.

Im nächsten Gemeindeblatt wird ein Hinweis für alle Bürger veröffentlicht, wo sie im Netz die bisherigen Fakten finden und über welche E-Mail-Adresse sie während des kompletten Verlauf des Prozesses über ihre Anregungen und kritischen Anmerkungen abgeben können. PAULINE LINDNER

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