Corona-Impfung

Wie wirksam ist eine Kreuzimpfung? Fränkische Forscher stoßen auf überraschendes Ergebnis

30.7.2021, 11:50 Uhr
Bei einer Kreuzimpfung wird Personen, die ihre erste Dosis mit dem Astrazeneca-Impfstoff bekommen haben, bei der zweiten Impfung ein mRNA-Vakzin verabreicht. 

Bei einer Kreuzimpfung wird Personen, die ihre erste Dosis mit dem Astrazeneca-Impfstoff bekommen haben, bei der zweiten Impfung ein mRNA-Vakzin verabreicht.  © Marcus Brandt, dpa

Nach dem Wirbel um den Astrazeneca-Impfstoff empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), dass unter 60-Jährige, die ihre erste Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin bekommen haben, bei ihrem zweiten Termin einen mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna verabreicht bekommen sollen.


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Bislang gab es allerdings kaum Daten, wie gut der menschliche Organismus auf eine solche Kombinationsimpfung mit der Bildung von Antikörpern reagiert. Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Erlangen, der Technischen Universität München, des Helmholtz Zentrums München sowie des Universitätsklinikums in Köln haben sich im Rahmen einer Studie die Immunantwort des Körpers genauer angeschaut. Die Studienergebnisse wurden nun in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlicht.

Untersucht wurden rund 500 Blutproben von Probandinnen und Probanden, die nach ihrer ersten Covid-19-Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff ihre zweite Dosis mit einem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer erhalten haben. Das Fazit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Die Antikörper, die für die Neutralisierung des Coronavirus nötig sind, waren bei den Teilnehmenden der Studie sehr viel stärker ausgeprägt als bei Menschen, die zweimal mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft wurden. Die Immunreaktion auf die Kreuzimpfung zeigte sich zudem als mindestens genauso gut wie die Antikörperantwort nach zwei Impfungen mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer.

Laut der drei Studienleiter, zu denen auch Prof. Klaus Überla vom Uni-Klinikum Erlangen gehört, stellt eine Kreuzimpfung des Astrazeneca-Impfstoffes mit einem mRNA-Vakzin eine gute Alternative dar. Sie sei sogar effizienter als die zweimalige Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff und könnte zukünftig beispielsweise bei individuellen Unverträglichkeiten oder bei Versorgungsengpässen zum Einsatz kommen.

Laut der Forscherinnen und Forscher könnte die Kreuzimpfung ein weiterer wichtiger Baustein sein, um die Wirksamkeit der Covid-19-Impfung generell zu verbessern. In weiteren Studien soll die Sicherheit und die klinische Wirksamkeit weiter überprüft werden.

Auch Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) meldete sich zu Wort: "Die Ergebnisse dieser Studie haben direkte Auswirkungen auf unsere Impfstrategie. Sie helfen uns, die Impfstoffe möglichst effizient einzusetzen und dienen so als wichtige Grundlage für politische Entscheidungen über die zukünftige Impfstrategie. Die Arbeit unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den medizinischen Fakultäten und den Universitätsklinika ist unverzichtbar, um einen Weg aus der COVID-19-Pandemie zu finden."