17°

Donnerstag, 04.06.2020

|

zum Thema

Winni Wittkopps Kampf gegen die Corona-Krise

Der beliebte Schauspieler und Musiker aus Erlangen "sendet" auf Facebook - 01.04.2020 15:00 Uhr

Winni Witttkopp blickt aus seinem Wohnzimmer. © Dieter Köchel


Seine Wohnzimmerkonzerte, die er solo eingespielt hat, startete Winni am 24. März mit einem Ragtime Blues. Auf Anhieb erntet er viele "Likes" und Kommentare wie "Wow, was für ein schöner Morgengruß", "Danke, lieber Winni, Dein Unterhaltungsprogramm macht den Tag heller! Bitte weitermachen!". Er hat weitergemacht. Nahm dabei auch Bezug zur aktuellen Situation und zu "Bergkirchweih – ja oder nein": klar, mit seinem "Berch-Song". Und legte am Abend des gleichen Tags noch "My old Mikrophone" nach.

Alles rund ums Thema Corona-Krise

Dabei spielt er grandios Gitarre, singt fränkisch, weil ihm der Schnabel so gewachsen ist und erheitert sein Publikum mit Sprüchen und immer wieder neuen Kopfbedeckungen. Und Winni Wittkopp weckt Erinnerungen, etwa, wenn er ein Video zeigt, in dem er mit dem inzwischen verstorbenen Stefan Nast-Kolb (Akkordeon) im Duett "Crossroads" von Eric Clapton zum Besten gibt. Oder wenn er einen Titel aus einem Live-Konzert mit seiner Skinny-Winni-Band ins Netz stellt.

Bilderstrecke zum Thema

Corona-Krise: Das Foto-Tagebuch aus Erlangen

Die einzige derzeit mögliche Maßnahme, Corona-Virus-Infektionen zu vermeiden, geht nur über die Vermeidung persönlicher Kontakte. Die Folge: Das Alltagsleben in Erlangen wurde "runtergefahren". Seit den ersten Lockerungen nach den Osterferien fährt die Staatsregierung das öffentliche Leben sukzessive wieder hoch. Fotograf Harald Sippel zeigt die Situation in einem Bilder-Tagebuch.


Warum aber tut er das? "Ach ich habe schon mehrere Krisen überstanden. Liebeskummer. Verlassen zu werden ist schlimmer als Corona," erzählt Winni Wittkopp, der sich strikt an die verordneten Vorsichtsmaßnahmen hält, nicht zuletzt, weil er als Diabetiker ein geschwächtes Immunsystem hat. "Da fällt Dir jetzt schon die Decke auf den Kopf. Ich habe viele Musikkonserven daheim. Warum soll ich die in meinem Computer lassen, habe ich mir gedacht." So hat er also begonnen, sie zu publizieren.

Ein Mann der Worte und der Musik: Winni Wittkopp. © Bernd Böhner


Das Echo hat ihn überwältigt. "Wahnsinn, wie und wie viele Leute darauf reagieren", freut sich der Musiker, Schauspieler und bildende Künstler. Er erklärt sich das so: Die Leute haben ein großes Bedürfnis, sich auszutauschen, aber auch eine Sehnsucht nach Live-Musik, nach Theater nach Begegnung. All dem kommen die Videos wohl entgegen. Und er trägt dem Harmonie- und Gemeinschaftsbedürfnis auch noch durch alte Fotos Rechnung wie dem des Ensembles im Theater in der Garage mit Gründungsintendant Manfred Neu. Damit hilft er vielen anderen über die Zeit des Alleinseins hinweg, wirft einen klingenden Sonnenstrahl in die Wohnungen.

Aber wie geht es ihm selbst in der Einsamkeit. Winni Wittkopp lebt allein. "Die Isolation ist schlimmer als Mangel an Essen", betont er. Und ruft sich in dieser Situation die Worte seines Großvaters in Erinnerung: "Wir haben zwei Weltkriege mitgemacht, und danach ist es doch weitergegangen."

Bilderstrecke zum Thema

Ein Stück am Theater Erlangen entsteht

Arne Seebeck hat die Entstehung von „#Meinungsmacher“ am Theater Erlangen von der Bauprobe bis zur Premiere im Markgrafentheater als stiller Beobachter mit der Kamera begleitet.


Mit den Nachbarn im Wohnhaus hat Winni eine Telefongemeinschaft; sie erkundigen sich oft gegenseitig nach dem Befinden des jeweils anderen und ob Hilfe nötig ist. Auch mit Freunden und Freundinnen kommuniziert er viel telefonisch.

Bilderstrecke zum Thema

"Geisterstadt "Erlangen: Die Hugenottenstadt in Zeiten von Corona

Erlangen in schwarz-weiß: Durch die von Ministerpräsident Markus Söder seit Samstag in Bayern erlassene Ausgangsbeschränkung sind die Straßen der Hugenottenstadt wie ausgestorben. Die leeren Plätze wirken schon fast unheimlich.


Einmal in der vergangenen Woche hat der Musiker "gesündigt". "Ich hab’ vier Bierchen eingepackt und bin mit einem Musiker-Freund – natürlich in gebührendem Abstand – abends im Schwabachgrund spazieren gegangen. Wir haben uns lange unterhalten, unser Bier getrunken und einander Mut gemacht", schildert der 68-Jährige. Er habe ja seine Rente, mit der er gut auskomme, fährt Wittkopp fort, sein Freund habe da größere Probleme. Der lebe von der Musik und habe jetzt eine große Durststrecke zu bewältigen. "Wirst sehen, wenn die Sache mit dem Corona-Virus rum ist, haben die Leute so einen Heißhunger auf Live-Erlebnisse. Das wird toll." Ihm selbst fällt das Alleinsein teils schon auch schwer. "Ich habe aber in meinem Leben so viel Schönes erlebt, da müssen wir jetzt halt mal ein halbes Jahr lang Ruhe geben", konzediert er.

Bilderstrecke zum Thema

Kreativ bis herzlich: Botschaften in Forchheim in Zeiten der Corona-Krise

Die Geschäftswelt in Forchheim reagiert kreativ und mit frohen Botschaften in der Krisenzeit. "Glaubt mir, die guten Zeiten sind schon auf dem Weg zu uns", heißt es in einem Schaufenster. Die Aushänge sind kreativ bis herzlich.


Wenn jedoch die Decke wieder runterzukommen droht, sucht er nach einem passenden Musik-Video wie "Ne me quittes pas" von Jacques Brel, das Winni Wittkopp in der fränkischen Version von Helmut Haberkamm singt. Da lautet die wunderbare, dazu noch zeitgeistige Übertragung "Lass mi net allaans". Die Reaktionen wärmen ihm das Herz: "Danke, ich freu mich aufs nächste . . ."

 


Unter diesem Link finden Sie täglich aktualisiert die Zahl der Corona-Infizierten in der Region. Diese Gebiete in Bayern, Deutschland und der Welt sind besonders von Corona betroffen. Sie haben selbst den Verdacht, an dem Virus erkrankt zu sein? Hier haben wir häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

In Bayern gilt aufgrund der Corona-Krise eine Ausgangsbeschränkung. Was noch erlaubt ist und wie teuer ein Verstoß gegen die Auflagen werden kann, lesen Sie hier. Experten sind sich uneins, wie lange der Corona-Shutdown noch andauern wird

Auch beim Einkaufen gilt besondere Vorsicht. Warum aber tragen Verkäufer dann keinen Mundschutz? Und sollte man beim Einkaufen überhaupt noch mit Scheinen und Münzen zahlen? Ein Chefarzt klärt auf, ob Corona auch über Geld übertragen werden kann.

Ein bisschen Abwechslung gefällig? Wie viele Millionen andere Deutsche arbeitet auch unsere Redaktion nun von Zuhause. Im Live-Blog berichten die Kollegen live! Ob Sie selbst ein Anrecht auf Homeoffice haben, erklären wir Ihnen hier. 

Sie sind wegen der Krise von Kurzarbeit betroffen? Hier haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.


 

Wir informieren Sie ab sofort mit unserem täglichen Corona-Newsletter über die aktuelle Lage in der Coronakrise, geben ihnen Hinweise zum richtigen Verhalten und Tipps zum alltäglichen Leben. Hier kostenlos bestellen. Immer um 17 Uhr frisch in Ihrem Mailpostfach.

Sie bevorzugen Nachrichten zur Krise im Zeitungsformat? Erhalten Sie mit unserem E-Paper-Aktionsangebot immer die wichtigsten Corona-News direkt nach Hause: Ein Monat lesen für nur 99 Cent! Hier gelangen Sie direkt zum Angebot.


Sie wollen in der Corona-Krise helfen: Dann sind Sie in unserer Facebookgruppe "Nordbayern hilft" genau richtig!

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen