Akuter Notstand

Wohin mit den Patienten? Rettungswagen können fränkische Kliniken teilweise nicht mehr anfahren

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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6.7.2022, 06:00 Uhr
Immer häufiger meldet sich im Sommer 2022 eine Klinik bei der Integrierten Leitstelle Nürnberg ab (Symbolbild). 

© Jens Kalaene/zb/dpa/Symbolbild Immer häufiger meldet sich im Sommer 2022 eine Klinik bei der Integrierten Leitstelle Nürnberg ab (Symbolbild). 

Die Integrierte Leitstelle (ILS) Nürnberg schlägt Alarm: Immer häufiger müssen die Rettungsdienste entlegenere Kliniken anfahren, weil sich näher gelegene Häuser vom System "abgemeldet" haben. "Momentan ist die Belegung der Krankenhäuser doch sehr groß", sagte Thomas Löhr, der stellvertretende ILS-Leiter am 5. Juli 2022 diesem Medienhaus, "es sind lauter rote Lichter und keine mehr grün". Die Folge: Der Rettungswagen (RTW) mit Patient an Bord muss ein anderes Haus anfahren.

"Aber so akut wie jetzt ist der Notstand selten"

Es kommt immer wieder vor, dass sich Krankenhäuser zeitweise auf "Rot" stellen. Das signalisiert den Mitarbeitenden in der Integrierten Leitstelle Nürnberg, dass die Kliniken aktuell keine Kapazitäten für weitere Patienten haben und die Rettungsdienste andere Häuser ansteuern lassen. "Aber so akut wie jetzt ist der Notstand selten", sagt Löhr.

Denn die Situation ist im ganzen Leitstellengebiet, das unter anderem die Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen umfasst, angespannt.

Das Problem, mit dem die ILS konfrontiert ist, liegt vor allem an der prekären Situation in den Kliniken. Diese sind am Limit, alle Häuser in der Metropolregion übervoll, berichtete Carsten Haeckel, der Geschäftsführer des Malteser Waldkrankenhauses St. Marien in Erlangen diesem Medienhaus. Auch seine Einrichtung ist belegt. Die Gründe für die dramatische Situation sind vielfältig, greifen ineinander und verschärfen die Lage noch gegenseitig und zusätzlich.

Zum einen sind da die Patienten: In den Corona-Zeiten sind viele planbare, nicht akute Eingriffe zum Teil mehrmals verschoben worden, der Zustand der Betroffenen hat sich somit verschlechtert, und nun müssen die Kranken dringend operiert werden. Zugleich stieg die Zahl der Corona-Patienten an. Und dann kam gerade in den vergangenen Tagen die schwüle Hitze dazu, die vielen ohnehin an Vorerkrankung leidenden Älteren zu schaffen machten. Die Folge: Auch sie kamen in eine Klinik.

Lockerungen und mehr Mobilität

Hinzu kommen mit den Lockerungen und der gestiegenen Mobilität (wieder) Unfälle aller Art (etwa im Verkehr sowie beim Wandern und Baden), erläuterte der stellvertretende ILS-Leiter Löhr weiter.

Auch Feste wie die Erlanger Bergkirchweih ließ die Zahl der Patienten steigen. Die Personaldecke in der Klinik ist indes dünn, auch das verschärft die Situation.

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