Wohnstifte-Vorstandschef: Lockdown-Lockerungsappell an Söder

5.3.2021, 15:30 Uhr
Das Wohnstift Rathsberg in Erlangen.

Das Wohnstift Rathsberg in Erlangen. © Klaus-Dieter Schreiter

Wolfgang Strittmatter weiß nur zu gut, wie es ist, wenn das Coronavirus in einer Senioreneinrichtung wütet: Als Vorstandsvorsitzender der von Trägervereinen organisierten Wohnstifte Rathsberg (Erlangen) und am Tiergarten (Nürnberg) hat er bei größeren Ausbrüchen mit Todesopfern die Pandemie in ihrer schlimmsten Form erlebt.

Das erste Auftreten der Virusinfektion in der Einrichtung in der Hugenottenstadt war durch Recherchen dieses Medienhauses publik geworden und hatte im November 2020  für Aufsehen gesorgt. 

Seit mehreren Wochen aber sind die Häuser coronafrei und die weit überwiegende Zahl der Bewohner gegen Sars-CoV-2 geimpft. Nur: Die strengen Kontaktbeschränkungen dort bleiben bestehen.

"Die Zeit auf Erden ist begrenzt"

Das können Strittmatter und vor allem seine zum Teil hochbetagten Bewohner nicht (mehr) verstehen. "Sie schreiben und sagen zu mir: Wir halten uns an alle Regeln, haben alles gemacht, was wir sollten, die Impfungen hinter uns und dürfen trotzdem noch immer keinen anderen aus dem Haus sehen und das, obwohl unsere Zeit auf Erden doch begrenzt ist", erzählt der Vorstandsvorsitzende.

Strittmatter, der nach den Erfahrungen mit Covid-19 sicherlich alles andere als leichtsinnig ist, kann die Bestimmungen deshalb nicht länger vertreten oder gar vor seinen Bewohnern rechtfertigen.

Deshalb hatte er sich pünktlich zu der am Mittwoch (3. März 2021) stattgefundenen Bund-Länder-Runde und der am Donnerstag (4. März 2021) folgenden Debatte im bayerischen Kabinett an die Politik gewandt.

In einem Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schildert er denn auch die derzeitige Situation in den zwei Residenzen: mit einer Inzidenzzahl von 0, den fast komplett geimpften Bewohnern und den regelmäßigen Coronatests in den Einrichtungen selbst.

Brief steht auch auf Webseite

"Bitte ermöglichen Sie den betagten Menschen in den Seniorenresidenzen, Altenheimen, Pflegeheimen zu ihren Lebensgewohnheiten innerhalb ihres Ruhestandes wenigstens schrittweise zurückzukehren", heißt es in dem Brief; dieser steht auch hier  www. wohnstift-rathsberg.de bzw. hier www.wohnstift-am-tiergarten.de

Strittmatter endet das Papier mit dem Satz: "Bitte belohnen Sie diese Menschen für ihre Einsicht, für ihre Disziplin, für ihre Impfbereitschaft."

Ihm, betont Strittmatter auf Nachfrage, geht es dabei nur um interne Zusammenkünfte von Bewohnerinnen und Bewohnern, also etwa um Fremdsprachenkonversationen, Gesprächs- und Spielrunden, Gottesdienste in hausinternen Kapellen oder das Essen im Speisesaal.

Dass dabei weiterhin sämtliche Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden, versteht sich für ihn von selbst. "Es soll ja auch nur für unsere Bewohner gelten, das sind ja dann immer wieder die gleichen Menschen."

Bis Donnerstag, 4. März 2021, erhielt Strittmatter aus der Staatskanzlei keine Antwort. Allerdings hatte die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) bereits am 1. März 2021   beschlossen, den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen wieder mehr Freiheiten einzuräumen. Doch einen festen Termin gibt es dafür noch nicht.