Freitag, 16.04.2021

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Wüste und bizarre Berge: Erlanger Fernweh Festival geht online

Andere Länder jetzt auch auf dem Bildschirm - 02.03.2021 07:18 Uhr

Mit einem umgebauten Campervan unterwegs: Martin Zech berichtet in seinem Vortrag „In 927 km rechts“ von seiner neunmonatigen Reise über Russland bis in die Mongolei.

25.02.2021 © Martin Zech


"Aufgeben? Nein, das ist nicht unser Ding!" Heiko Beyer, der seit nunmehr 20 Jahren zusammen mit seinen Mitstreitern Cordula Gotschy und Holger Fink das Erlanger Fernweh Festival organisiert (wir berichteten mehrfach), wirkt trotzig-optimistisch. "Wir gehen jetzt einfach einmal davon aus, dass sich die Pandemie-Lage über den Sommer hinweg deutlich bessert und dann Ende November das Fernweh Festival in der Heinrich-Lades-Halle weitgehend ohne Einschränkungen steigen kann", sagt Beyer. Und wird deutlich: "Sollten im Herbst wider Erwarten doch noch Auflagen bestehen, dann wird die sogenannte Selbstständigen-Kultur, die nicht in irgendeiner Form von Bund, Land oder Stadt am Leben gehalten wird, sowieso weitgehend tot sein. Aber da möchte ich lieber nicht dran denken. Wir arbeiten jeden Tag hart daran, unser Festival am Leben zu halten."

Bitte um Spenden

Aber bedingt durch die Pandemie gäbe es, betont Beyer, noch ein anderes Problem: "Viele Künstler stellen im Moment – meist aus purer finanzieller Not – ihre Bühnenprogramme selbst oder über Streaming-Plattformen ins Netz und bitten dafür um Spenden. Klingt auf den ersten Moment plausibel, hat aber verheerende Auswirkungen: Der Künstler verheizt sein aufwendig erarbeitetes Programm und wird in der Zukunft nicht mehr von Veranstaltern gebucht, weil die Fans ja schon alles online gesehen haben." Und für Veranstalter, die im Moment keine Events organisieren dürfen, dünne sich die Menge an verfügbaren Künstlern stark aus. Das Internet-Streaming untergrabe die Regionalität der Bühnen-Veranstaltungen und schwäche dadurch die Live-Kultur.

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"Nichtsdestotrotz", so meint Beyer mit einem Grinsen im Gesicht, "kann man mit etwas Geschick beide Seiten miteinander verbinden, ohne Schaden anzurichten". Und so bietet das Fernweh Festival ab Montag, 1. März, monatlich eine Reise- oder Abenteuerreportage auf seiner Webseite an. Beyer: "Es sind aber eben nur Produktionen, die nicht auf Tournee gehen, die nur und exklusiv bei uns anzuschauen sind."

Komplett kostenlos

Das Fernweh Festival, so Beyer, möchte die Freunde und Zuschauer nicht über eine so lange Zeit ganz ohne Bildergeschichten alleine lassen. Die Produktionen sind komplett kostenlos und jeweils online für einen Monat verfügbar. "Wir haben echt viel Aufwand in das Angebot gesteckt und uns Mühe gegeben, dass Bild und Ton in bester Full-HD-Qualität beim Zuschauer ankommen."

In Heiko Beyers Chile-Vortrag geht es auch zu den Osterinseln.

25.02.2021 © Heiko Beyer


Als Dankeschön kann man dem Festival eine Spende zukommen lassen. Die eingehenden Beträge werden dann jeweils zwischen dem jeweiligen Referenten und dem Festival paritätisch aufgeteilt. "Damit hoffen wir, über diese schwierige Zeit zu kommen und gleichzeitig auch den einen oder anderen Globetrotter respektive Fotojournalisten zu unterstützen", meint Beyer.

"Land der Kontraste"

Den Start der Streaming-Reihe bestreitet Beyer selbst: "Chile – Land der Kontraste" lautet der Titel, bei dem er zu einem Streifzug durch sein Lieblingsland in Südamerika einlädt. "Meine Reise startet in Santiago de Chile. Dann führe ich weiter in den hohen Norden mit seinen Wüsten, schimmernden Lagunen, ausgetrockneten Salzseen und hohen Vulkanen." Über die exotische Osterinsel reist der Globetrotter in den Süden, nach Patagonien, einem Land aus bizarren Bergen, Eisfeldern, Wind und Gauchos und er beendet seine Reise schließlich im wilden Feuerland bei den letzten Goldsuchern.

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Im April folgt dann der nächste Stream: "In 927 km rechts". Teresa Dieckmann, Martin Zech und ihr umgebauter Campervan namens "Mr. Pink" machten sich für neun Monate auf, über Russland bis in die Mongolei zu fahren.

Im Mai führt Frank Bienewald dann in einer sehr persönlichen Reportage in "sein" Indien. Und im Juni geht es mit dem Erlanger Abenteurer Bernward Elsel in "Bike together" nach Afrika – in einem Jahr von der Hugenottenstadt bis nach Kapstadt mit einem Liegerad-Tandem. Dabei bleibt der zweite Platz des Tandems stets frei – so lange jedenfalls, bis Einheimische mit in die Pedale treten.

„Bike together“ nennt der Erlanger Abenteurer Bernward Elsel (rechts) seine Afrika-Reportage: Der zweite Platz des Liegerad-Tandems war für Einheimische reserviert.

25.02.2021 © Bernward Elsel


"Ich hoffe, unser Publikum mag unsere Idee", so Beyer und fügt gleich noch einen Tipp dazu: "Ich mache es immer so: Ich lege mir den Stream auf den großen Fernseher, mache mir eine gute Flasche Wein auf, gehe mit den Globetrottern auf große Reise und träume mich in die Ferne." Das hört sich in Corona-Zeiten durchaus nach einem Plan an.

Hier gibt es weitere Informationen zum Fernweh Festival im Internet.

MANFRED KOCH

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