Zerstörte Relikte aus der Alltagswelt

14.1.2012, 00:00 Uhr
Mehrdeutige Ruinen des Gegenständlichen: Manfred Unterweger präsentiert in seiner Ausstellung mit Feuer und Säure bearbeitete Exponate.

Mehrdeutige Ruinen des Gegenständlichen: Manfred Unterweger präsentiert in seiner Ausstellung mit Feuer und Säure bearbeitete Exponate. © Harald Hofmann

An Stelle der geläufigen Farbpigmente verwendet Unterweger Asche, Kohlenstaub, Rost und pflanzliches Material, die mit Zement oder Wachs gebunden werden. Das verleiht den Bildern eine auch malerisch interessante Oberfläche, deren körnige Struktur im Licht changiert und zugleich reliefartig den Raum besetzt.

Auf Farbigkeit wird weitgehend verzichtet. Das ergibt sich schon aus dem Material, das sich auf schwarze und graue, manchmal auch erdige Töne und fahles Gelb beschränkt. Alle zusammen entwickeln sie eine überraschende Vielfalt an Abtönungen, die auch ohne größere Farbigkeit durchaus malerisch wirkt.

Auf dieser Oberfläche arrangiert Unterweger alltägliche Gegenstände, die mit Feuer und Säure bearbeitet wurden und damit nicht nur ihre ursprünglichen Funktionen verloren haben, sondern vor allem zu mehrdeutigen Ruinen des Gegenständlichen geworden sind. Genau in diesen zerstörten Relikten aus der Alltagswelt findet Unterweger die Quelle seiner gesellschaftspolitischen Kritik, die sich gegen Naturzerstörung oder den staatlich sanktionierten Mord der Todesstrafe richtet.

Kreis von Mausefallen

Das ist manchmal witzig, wenn Unterweger sein Thema „Business as usual“ in Gestalt einer Uhr darstellt, deren Zifferblatt aus einem Kreis von Mausefallen und deren Pendel aus einem Zopf besteht. Manchmal erscheinen die Assemblagen auch nur zufällig. Häufig sind sie optisch reizvoll, aber gemessen an dem gesellschaftskritischen Anspruch, den sie transportieren sollen, immer überfordert.

Bekanntlich ist in der menschlichen Welt, vom jeweils höheren Standpunkt aus betrachtet, das Meiste nicht so, wie es sein sollte. Änderungen lassen sich bestenfalls durch das berühmte Bohren von dicken Brettern mit Präzision, Nachdruck und Geduld erzielen und sind selten von Dauer.

Dem gegenüber hat die so genannte engagierte Kunst etwas Wohlfeiles an sich: Sie kann jederzeit mit dem allgemeinen Beifall der Wohlmeinenden rechnen. Bewirkt hat sie nichts.

Manfred Unterweger: „NIHAO? Bilder, Objekte, Installationen.“ Neue Galerie des Kunstvereins, Hauptstraße 72. Bis 4. Februar, Di., Mi., Fr. 15 bis 18 Uhr, Do. 15 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 14 Uhr.

 

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