Dienstag, 22.10.2019

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Zum Schutz der Kinder: Kampf gegen Elterntaxis in Erlangen

Hol- und Bringzone hält die Autos von der Michael-Poeschke-Schule fern - 21.09.2019 09:43 Uhr

Kinder, Lehrer und Eltern machen diese Woche vor der Michael-Poeschke-Schule auf die Gefährdung durch Autos aufmerksam. © Foto: Martin Knötzinger/Michael-Poeschke-Schule


Bei der Michael-Poeschke-Schule in Erlangen ist es besonders drastisch: Die schmale Liegnitzerstraße, an der die Schule liegt, ist als Durchgangsstraße mit regem Autoverkehr ohnehin gänzlich ungeeignet. Doch jetzt soll alles anders werden. Denn nach der Loschgeschule hat nun auch die Michael-Poeschke-Grundschule eine Hol- und Bringzone erhalten.

Kommentar: Schulweg ist wichtig für Kinder

An der Theodor-Heuss-Anlage werden fünf Parkplätze freigehalten, damit Eltern ihre Kinder aus dem Auto aussteigen und später wieder einsteigen lassen können. Ungefähr 300 Meter, schätzt Schulleiter Martin Knötzinger, haben die Grundschülerinnen und -schüler von dort aus bis zu ihren Klassenzimmern zu laufen.

Dass die Einrichtung einer Hol- und Bringzone zu einer deutlichen Reduzierung des Verkehrs führt, hat sich — wie auch eine Erhebung des Auto Club Europa (ACE) nachweist — bereits bei der Loschgeschule gezeigt. Für diese Grundschule wurde im Frühjahr 2018 als Modellprojekt eine solche Zone am Theaterplatz eingerichtet.

Nach diesem Vorbild werden nun Parkplätze an der Theodor-Heuss-Anlage mit einem eigens entworfenen Hinweisschild ausgewiesen. Werktags von 7 bis 13.30 Uhr ist den Eltern dort durch ein eingeschränktes Halteverbot ein dreiminütiges Halten erlaubt.

Unter den Eltern gab es Streit 

Flankiert wird diese Maßnahme durch eine Verkehrssicherheitswoche. Das Konzept hierfür wurde in Kooperation mit dem Elternbeirat bereits im letzten Schuljahr entwickelt. Bei dieser Aktion verteilen einige Schüler, Lehrer und Eltern am Morgen vor der Schule selbstgestaltete Postkarten mit Sicherheitshinweisen an Autofahrer, die ihr Kind bis vor die Schule fahren und dadurch andere Schüler gefährden. Gleichzeitig wird auch die abgesenkte Bordsteinkante vor dem Schulgelände mit großen Pylonen markiert, um den Gehweg frei zu halten.

Hinweisschild an der Theodor-Heuss-Anlage.


Diese Aktion wurde im März schon einmal durchgeführt und damals nicht auf Anhieb von jedem gut geheißen. Eltern, die die Postkarten verteilten, mussten sich mitunter auch aggressive Äußerungen von anderen, autofahrenden Eltern anhören. Ganz anders lief es dann aber ab, als Schulkinder den Autofahrern die Postkarten gaben.

Beschimpfungen gab es nun keine mehr. "Kindern gegenüber trauen sie sich nicht", sagt Rektor Martin Knötzinger. "Da sind sie sehr milde." Was den Erwachsenen nicht gelang, sei den Kindern gelungen, schilderte der Schulleiter im jüngsten Bildungsausschuss: Sie erreichten, dass notorische "Bringer" woanders hielten.

Kritik kommt im Bildungsausschuss von der CSU

Und auch diesmal kann er konstatieren: "Die Aktionswoche zeigte bisher eine gute Wirkung und führte zu einer deutlichen Reduktion des morgendlichen Bringverkehrs."

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Nun kommt also noch das Angebot der Hol- und Bringzone hinzu. Im Bildungsausschuss war dazu auch Kritik zu vernehmen: Bei der CSU meinte man, dass es nicht zusammenpasse, wenn man den Klimanotstand ausruft, den Autofahrern dann aber ein solches Angebot macht.

Es sei nicht die Traumlösung, aber solange, bis man die Mobilitätswende geschafft habe, eine Zwischenlösung, hieß es von Seiten der Grünen Liste. Und aus der Praxis heraus sagte Schulleiter Knötzinger: "Bei uns steht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Wir sind dankbar für die Hol- und Bringzone."

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Eva Kettler

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