Zur Musik die Rezitation

13.2.2020, 19:02 Uhr

Das Sinfonieorchester Basel unter der Leitung von Ivor Bolton eroberte klanglich mit Beethovens "Emperor Concert" ("Kaiserkonzert"), so der Beiname des Fünften Klavierkonzerts, mit der "Apotheose des Militärischen": Das war mit den harten Eingangsschlägen historischer Pauken, ventillosem, schmetterndem Hörnerklang, kraftvollen Trompeten-Fanfaren bei strikter Stabführung und der Betonung von strengen Marschrhythmen im ersten Satz gebieterisch ausgemacht. Es ist ein überzeugender Interpretationsansatz, zumal, wenn dieser Ansatz mit sprudelnder Eruption im "Rondo" spielerisch variiert aufgegriffen wird. Pianist Alexander Melnikow setzt dem als Solist – nicht immer klar verständlich in manchen der technisch horrend brillierenden Läufe – große Kraft und Strenge entge-gen. Doch auch Mysteriöses leuchtet in Melnikows Spiel auf, in der Kadenz schwingt in der Eingangspassage der ganze Flügel hörbar mit.

Wunderschön ist der zweite Satz, das kantable "Adagio": Melnikow scheint hier frei zu fantasieren (Beethoven wurde seinerzeit für sein freies Fantasieren angebetet!), so meditativ suchend wirkt seine Phra-sierung, die das Orchester wunder-bar korrespondierend übernimmt. Das überleitende Kernthema zum "Rondo" dämmert suchend verhangen herauf, ehe es mit springlebendiger Sprungfreude zur militärischen Präzision des ersten Satzes zurückkehrt. Das hat insgesamt interpretatorische Schlüssigkeit, Fulminanz und vitale Bravour im orchestral-solistischen Verständnis. Als solistische Zugabe amüsiert Melnikow mit einer strawinskyartigen Miniatur Prokofjews, es ist das gewitzte "Ridiculosamente" aus den "Visions fugitives".

Weitgehend unbekannt

Mit der Musik und der Rezitation von Beethovens Ballettmusik "Die Geschöpfe des Prometheus" ist ein – bis auf die Ouvertüre – weitgehend unbekanntes Werk zu erleben. Der durch Theater und Film ("Toni Erdmann") bekannte, vielfach ausgezeichnete steirische Schauspieler Peter Simonischek erzählt dazu kunstvoll, spannend und teils ironisch die Prometheus-Sage (mit neu arrangierten Texten von Alain Sulzer). Das Publikum ist davon mindestens genauso angetan wie von der – für Beethoven-Verhältnisse – zahmen, konventionellen Ballettmusik, die das Orchester klangvoll und gut thematisierend wiedergibt. Das Erkennen des "Eroica-Themas" bereits zu dieser frühen Kompositionsphase Beethovens bereitet Hörfreude. Der 73-jährige, weißhaarige, groß gewachsene Burgtheater-Schauspieler haucht dem Ganzen mit seiner reifen Rezitationskunst Dringlichkeit und Lebendigkeit ein. Schön ist so ein Exkurs in Sachen altertümlicher Sagen und eines ungewöhnlichen Schöpfungsberichts allemal und ein Exkurs in Sachen kompositorischer Frühphase Beethovens auch! Reicher, anhaltender Beifall.

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