Samstag, 20.04.2019

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Zwei Projekte unterstützen Behinderten-Hilfe in Erlangen

"Kommune Inklusiv" und Teilhabeberatung in neuen Räumen — Ein Netzwerk gegen Vereinsamung - 27.01.2019 15:00 Uhr

Eröffnungsfeier der neuen Räume der Aktion Mensch Projekt Kommune Inklusiv in der Friedrichstraße 28. Das Team: Franz Walther, Daniela Klebes, Felicitas Keefer, Ina Fischer und Theresa Schulte (v. l.) © Hans-Joachim Winckler


So schwärmte Karl-Heinz Miederer, Geschäftsführer des Inklusionsdienstes Access, bei der Eröffnung der neuen Räume des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben Behinderter in der Friedrichstraße 28 von der offenen Atmosphäre und der tollen Bereitschaft in der Stadtgesellschaft zur Integration von Menschen, die es aufgrund von Krankheit oder Verletzungen schwerer haben als andere, ihr eigenes Leben optimal zu gestalten.

In den drei Büros mit insgesamt 78 Quadratmetern wirken ab sofort die Teams für zwei Projekte: die Initiative "Kommune Inklusiv" der "Aktion Mensch" und die "Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung Mittelfranken-Nordost".

Erlangen ist im Sommer 2018 unter 130 Bewerbungen als eine von fünf Modellkommunen bundesweit für die Initiative "Kommune Inklusiv" ausgewählt worden. Damit fließen innerhalb von fünf Jahren 550 000 Euro an Fördergeldern der Sozialorganisation in das Erlanger Projekt, unterstützt von weiteren 150 000 Euro aus städtischen Geldern.

Die Projektleiterin und ZSL-Mitarbeiterin Felicitas Keefer, Master in Medienwissenschaft und Pädagogik, fördert einen Prozess mit dem Ziel, zum einen Träger von Hörprothesen (Cochlea-Implantate/CI), Spätertaubte, Schwerhörige und Gehörlose und zum anderen vereinsamte Senioren mit Behinderung aus ihrer Vereinsamung herauszuholen. Denn diese zwei Gruppen sind in ihren sozialen Beziehungen eingeschränkt, ihnen drohen Isolation und psychische Probleme.

Hilfen sind eingeleitet. Die Stadt ist mit dem Einsatz von Gebärdendolmetschern bei größeren Veranstaltungen bereits beispielgebend vorangegangen. Ein "Inklusionscafé" gibt Raum für multimedial erzählte Lebensgeschichten.

Die Betroffenen erhalten dabei die Möglichkeit, sich angeleitet kreativ schöpferisch mit der eigenen Biografie auseinanderzusetzen, darüber mit anderen ins Gespräch zu kommen und Wertschätzung für ihre eigene Lebensleistung zu erfahren, sich auszutauschen zwischen den Generationen.

Träger ist das ZSL mit Geschäftsführer Jürgen Ganzmann, Unterstützung leisten Access, Lebenshilfe, Wabe, das Forum Behinderte Menschen, der Gehörlosenverein, die Diakonie und die Gesundheitsregion. Neben Erlangen sitzen in Deutschland noch die vier Städte Rostock, Schneverdingen/Niedersachen, Nieder-Olm/Rheinland-Pfalz und Schwäbisch Gmünd/Baden-Württemberg mit im Boot von "Kommune Inklusiv", jeweils mit anderen Schwerpunkten. Ein ständiger Austausch mit den Aktiven in den anderen Städten läuft. Laut Felicitas Keefer wächst das Netzwerk ständig, das in der neuen Adresse weiter ausgebaut werden kann.

Ebenso ist das ZSL vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ausgewählt worden, um die "Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)" in Erlangen, Fürth und dem Landkreis Erlangen-Höchstadt – mit Standorten in Herzogenaurach, Gremsdorf und Eckental – anzubieten.

Das Ziel: die Unterstützung der behinderten Ratsuchenden bei ihrer Lebensplanung und in der Wahrnehmung ihres Wunsch- und Wahlrechts bei möglichen Teilhabe- und Rehabilitationsleistungen. Das Angebot steht allen Menschen mit Behinderung offen, die Beratung ist kostenlos.

Das Besondere dabei: Behinderte Experten beraten andere Menschen mit Behinderung. Die Projektleitung hat Axel Wisgalla inne, unterstützt von Cornelia Basara, Eva Düllmann und Annette Reiter (Öffnungszeiten: dienstags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags von 12 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung). 

UDO B. GREINER

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