Große Studie in der Region

Erlanger Wissenschaftler schwärmt vom Corona-Gurgeltest

22.6.2021, 16:30 Uhr
So sehen die Utensilien für einen Gurgeltest aus.

So sehen die Utensilien für einen Gurgeltest aus. © Nicolas Armer, dpa

Für diesen Test müssen die Teilnehmer keine Apotheke betreten und keinen Abstrich im Test-Center machen lassen. Sie haben lediglich morgens, nach dem Aufstehen, eine Aufgabe zu erfüllen. Mindestens 30 Sekunden sollen sie mit fünf bis 6 Milliliter Leitungswasser gurgeln.

Die Flüssigkeit spucken sie anschließend in zwei Röhrchen und bringen diese mit in die Schule. Der Inhalt eines Röhrchen wird dann in einen Pool gegeben und dieser im Labor untersucht. Pool deswegen, weil er aus den Flüssigkeiten von bis zu 30 Personen bestehen kann. Erst wenn dessen Untersuchung positiv ausfällt, wird das zweite Röhrchen und damit jeder einzelne Schüler oder Lehrer auf das Corona-Virus hin untersucht.

Wissenschaftler versprechen sich davon eine Chance auf dem Weg zurück zur Normalität - auch weil ein positives Einzelergebnis noch am Abend des gleichen Tages vorliegt.

Mehr als 225.000 Tests wurden in den vergangenen Wochen in Erlangen und Umgebung für die Studie Wicovir - eine Abkürzung der Frage „Wo ist das Corona Virus?“ - durchgeführt. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Laut Andreas Burkovski, Professur für Mikrobiologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, spricht vieles für das Verfahren. Zum einen konnte es zügig etabliert werden. Zum anderen lagen die Ergebnisse schnell vor.

Im Labor der Mikrobiologie wurden die Pools, die morgens um 10 Uhr angeliefert wurden, bis 15 Uhr ausgewertet. Wenn erforderlich konnte in einem zweiten Test bis 18 Uhr derjenige ermittelt werden, der sich mit dem Corona-Virus infiziert hatte. So wurde wertvolle Zeit gespart. Bei anderen Verfahren müssen die Abstriche erst an ein Labor geschickt werden - und das kann dauern.

Neben der Zeitersparnis hat diese Methode auch eine hohe Sensitivität, erklärt Burkovski. So konnten regelmäßig bereits Infizierte identifiziert werden, obwohl weder zeitgleich durchgeführte Schnelltests angeschlagen haben, noch Symptome aufgetreten waren.

Auch stießen die Gurgeltests auf eine hohe Akzeptanz. Während die Gurgeltests mit der Note 1 bewertet wurde, erhielt der Nasenabstrich die Note 4. "Dies erklärt sich auch durch die einfache, unproblematische Durchführung: Gurgeln kann - bis auf Kleinkinder - jeder."

Auch sei das Verfahren kostengünstig, sagt Burkovski. Die Auswertung eines Pools kostet 2 Euro. Die Methode sei "ideal zur großflächigen Überwachung und Eindämmung von Infektionsgeschehen" besonders "in Hinblick auf bisher nicht geschützte Bevölkerungsgruppen wie Kinder und Jugendliche" und das Auftreten neuer, ansteckenderer Virusvarianten.

Auch der Regensburger Universitätsprofessor und Kindermediziner Michael Kabesch, der die Studie leitet, ist zufrieden. "Die Gurgel-Pool-PCR-Testung ist einfacher, wird besser angenommen, ist deutlich günstiger und, das ist für uns das wichtige, ist qualitativ dem Antigen-Test in der Früherkennung haushoch überlegen", erklärte er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

Eine Schwachstelle haben die Tests: Sie sind medizinisch nicht anerkannt. Grund sind die Chemikalien im Labor, sagt Burkovski. Diese seien nur für Forschungen zugelassen. Bei einem positiven Testergebnis im Labor muss derjenige anschließend noch einen anerkannten Tests durchführen.

Ob die Gurgeltests nach den Sommerferien allerdings noch weitergeführt werden, ist unklar. Die Finanzierung der Studie endet zum 31. Juli.