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Erneuerbare Energien: Region nutzt ihr Potenzial noch nicht

Um CO2-Ziele zu erreichen, muss mehr Energie aus Wind und Sonne kommen - 24.01.2020 19:11 Uhr

Etwa 620 Windkraftanlagen gibt es in der Region. Für eine erfolgreiche Energiewende braucht es viel mehr. © Karl-Josef Hildenbrand


Es ist ein sehr ambitioniertes Ziel, das sich die Metropolregion Nürnberg gesetzt hat. Um 80 bis 95 Prozent will man die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 1990 verringern. 20 Prozent hat man bis zum Jahr 2015 geschafft, von 24 Millionen Tonnen CO2 im Jahr ging es herunter auf 19,9 Millionen Tonnen. Doch das reicht nicht. Wenn es so weitergeht, klafft im Jahr 2050 eine Lücke von 30 Prozent. Mit einer Studie, die bei der Klimaschutzkonferenz der Metropolregion am 13. Februar in Bayreuth veröffentlicht wird, zeigt die Metropolregion nun aber, dass es durchaus möglich ist, diese Lücke zu füllen – wenn alles passt und die politischen Akteure rechtzeitig die richtigen Strukturen schaffen.

Vor Jahren war man in der Metropolregion in Sachen Energiewende eigentlich schon sehr weit, doch dann nahm im November 2014 die bayerische 10 H-Regelung gewaltig Wind aus den Segeln. "Wir hatten gute Kompromisse ausgehandelt und in den Regionalplänen Konzentrationsflächen ausgehandelt. Davon bleibt nach 10 H aber nicht mehr viel übrig", erzählt Armin Kroder, Landrat im Nürnberger Land und stellvertretender Ratsvorsitzender der Metropolregion.

Bestehende Windkraftanlagen aufrüsten

Dabei gibt es laut der aktuellen Studie ein erhebliches Potenzial. Aktuell stehen in der Metropolregion 620 Windkraftanlagen, die 2062 Gigawattstunden (GWh) Energie erzeugen. Wenn man das Windkraftpotenzial bis 2050 komplett ausschöpfen würde, käme man auf 21 500 GwH. Für realistisch umsetzbar halten die Studienautoren bis dahin 14 760 GwH.

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"Entscheidend dafür ist das Repowering von bestehenden Anlagen. Wo jetzt ein oder zwei Megawatt installiert sind, können künftig Anlagen mit sechs Megawatt stehen", ist Nürnbergs Umweltreferent Peter Pluschke, zugleich Geschäftsführer des Klimaschutz-Forums der Metropolregion, überzeugt.

Intensiv in der Diskussion sei derzeit auch, durch absterbenden Wald freigewordene Flächen für die Windkraft zu nutzen. "Da müsste man nicht eigens Wald roden und könnte das ausgegebene Ziel erreichen, neue Windräder in den Staatsforsten zu errichten", erklärt Pluschke.

10 H-Regelung behindert Windkraftausbau

Vertreter der Staatsforsten hatten allerdings in der jüngeren Vergangenheit angezweifelt, dass die Pläne des Ministerpräsidenten Markus Söder, 100 neue Windräder im Staatswald hochzuziehen, realisierbar sind. Zu oft kollidieren geeignete Flächen mit Vogel- und Landschaftsschutzgebieten oder der 10 H-Regelung.

Zuletzt gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, trotz 10 H Windkraftanlagen in geringerer Entfernung zu errichten, wenn man entsprechende Bauleitpläne aufstellt und mit den Nachbargemeinden abstimmt. In der Realität war dieses Vorgehen aber nur in einer Handvoll von Kommunen erfolgreich. Der Ausbau der Windkraft kam in Bayern praktisch zum Stillstand. "Langfristig wird 10 H nicht aufrechtzuerhalten sein", meint Pluschke denn auch.

Solarzellen auf Industriebauten

"Wir brauchen jeden möglichen Beitrag, um die Ziele bis 2050 zu erreichen", betont Nürnbergs Umweltreferent. Weil dem so ist, ist er auch optimistisch, dass die Politik schon bald dort nachjustiert, wo es momentan noch gewaltig ruckelt im Transformationsprozess von fossilen hin zu erneuerbaren Energieträgern.

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Ein enormes Potenzial gibt es in der Metropolregion auch bei der Photovoltaik. Aktuell werden noch 3372 GWh im Jahr durch Solarmodule erzeugt, realistisch umsetzbar wären bis zum Jahr 2050 in der Region aber 15 290. "Dabei geht es vor allem um Photovoltaik-Anlagen auf bestehenden Gebäuden und Neubauten. Für große Freiflächenanlagen werben wir nicht", sagt Pluschke. "In Nürnberg werden im kommenden Jahr drei große Anlagen auf Industriekomplexen entstehen. Das entspricht einer Leistung von drei bis vier Megawatt", sagt der Umweltreferent.

CO2-Ziel ist nicht unerreichbar

Ein erhebliches Potenzial sieht die Studie vor allem auch in der Nutzung der Umweltwärme (6560 GWh im Jahr 2030, 16 420 GWh 20 Jahre später), während die Wasserkraft auf gleichem Niveau bleibt und Biogas massiv zurückgeht. Gerade auch ein gewaltiger Ausbau von zentralen Wärmenetzen sei notwendig.

Insgesamt erwartet die Studie im Jahr 2050 ein Potenzial von 57 060 GWh aus Erneuerbaren (aktueller Endenergieverbrauch in der Region: 69 000 GWh). Dadurch könnte man die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 91 Prozent reduzieren. "Dies setzt allerdings ein deutliches politisches Signal und Bekenntnis zu dieser Zielerreichung voraus, dem umfassende, vor Ort umzusetzende Maßnahmen folgen müssen", heißt es von Seiten der Metropolregion.

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"Als Metropolregion können wir nichts direkt beschließen oder umsetzen, aber wir können Dinge anstoßen. Mit der Studie zeigen wir auf, was möglich ist und dass wir noch viel mehr schaffen können als bisher, wenn wir uns gemeinsam anstrengen", meint Kroder.

MARTIN MÜLLER

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