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Erschreckende Zahlen: So viele Menschen leiden in Bayern an Long Covid

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Katrin Wiersch

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29.7.2022, 14:12 Uhr

© Annette Riedl/dpa/dpa-tmn/Illustration

Eigentlich wollte Gesundheitsminister Klaus Holetschek ein bisschen Werbung in eigener Sache betreiben. In einer Pressemitteilung vom Donnerstag, 28. Juli, präsentierte er sieben vom Freistaat geförderte Forschungsprojekte zur Versorgung von Menschen, die auch Wochen nach einer Corona-Infektion an Folgeerkrankungen leiden.

In einem Satz erwähnt Holetschek die Zahl der Menschen in Bayern, die derzeit ambulant wegen Long-Covid behandelt werden. Und die lässt aufhorchen. "Von Anfang 2021 bis zum ersten Quartal 2022 wurden laut der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns rund 280.000 Long Covid-Patienten in Bayern ambulant versorgt. Allein im ersten Quartal 2022 kamen rund 140.000 neue Patienten hinzu." Auf die Gesamteinwohnerzahl in Bayern gerechnet, leidet somit jeder 50. Bayer auch Wochen nach einer Corona-Infektion noch an den Folgen der Erkrankung.

"Long bzw. Post Covid ist ein Krankheitsbild, das wir sehr ernst nehmen müssen", sagt Holetschek. "Die Betroffenen stehen oftmals unter hohem Leidensdruck. Wir dürfen sie damit nicht alleine lassen." Ein Drittel der Patienten würden dabei längerfristig behandelt, also mindestens über zwei Quartale hinweg.

Nach der geltenden Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) spricht man von Long Covid, wenn coronatypische Symptome über einen Zeitraum von vier Wochen nach der Infektion auftreten. Haben Patientinnen und Patienten drei Monate nach ihrer Erkrankung immer noch Beschwerden, spricht man von einem Post Covid-Syndrom.

Für Betroffene und ihre Familien ist das Leben völlig auf den Kopf gestellt. Jeder Handgriff wird zur Kraftanstrengung, ein geregeltes, normales Leben ist kaum noch möglich. "Auch die gesamtgesellschaftlichen Folgen, zum Beispiel für den Arbeitsmarkt, dürfen wir nicht unterschätzen", sagt der bayerische Gesundheitsminister.

Diese Forschungsprojekte fördert der Freistaat

Seit Herbst 2021 fördert der Freistaat insgesamt sieben Forschungsprojekte zur Versorgung Betroffener von Corona-Langzeitfolgen. "Die geförderten Projekte sprechen alle Bereiche von Diagnostik bis Therapie und Rehabilitation in der ambulanten und stationären Versorgung an und sollen perspektivisch auch für die Regelversorgung in Frage kommen", sagt Holetschek

- Das Projekt Post-COVID Kids Bavaria besteht aus zwei eigenständigen, aber synergistischen Projekten und befasst sich mit Langzeiteffekten von Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen.

- Schwerpunkt des Projekts Post-COVIDLMU ist die Behandlung und Erforschung von komplexen und schweren Fällen des Post Covid-Syndroms bei Erwachsenen.

- Das Projekt disCOVer hat sich die Entwicklung eines diagnostischen Algorithmus zur Klassifikation von Long Covid-Patienten zum Ziel gesetzt. Basis hierfür bilden objektive Parameter, anhand derer Patienten in eine von drei postulierten Subgruppen eingeteilt werden.

Ziel ist des Projekts ReLoAd after COVID-19-Study ist es zu erforschen, welche Auswirkung ein nach dem jeweiligen Hauptsymptom ausgerichtetes Rehabilitationsprogramm auf die Lebensqualität von Post Covid-Patienten und -Patientinnen besitzt.

- Die Entwicklung eines Behandlungspfads für Erwachsene im Erwerbsalter ist Inhalt des Projekts ASAP.

- Mit der Verbesserung und Erforschung der gesundheitlichen Situation von Post Covid-Patientinnen und -Patienten anhand eines integrativ-naturheilkundlichen Versorgungskonzeptes befasst sich das Projekt Integrative Medizin und Naturheilkunde in der Behandlung des Post-COVID-Syndroms.

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