Abschlussprüfungen

Erschwerte Prüfungen: 130 Abiturienten, 14 Räume

8.5.2021, 11:02 Uhr
Am 12. Mai beginnen in Bayern die schriftlichen Abiturprüfungen.

Am 12. Mai beginnen in Bayern die schriftlichen Abiturprüfungen. © Felix Kästle, dpa

Schulschließungen, Wechselunterricht, Quarantäne-Maßnahmen: Die Vorbereitungen auf die Abiturprüfungen waren schwer, von den Schülerinnen und Schülern war im zweiten Pandemie-Jahr extrem viel Eigenmotivation gefragt.

Was nun noch hinzukommt, wenn in Bayern am 12. Mai die schriftlichen Abschlusstests mit dem Fach Deutsch beginnen, ist eine außerordentliche Prüfungssituation, die vor allem die Schulen vor große Herausforderungen stellen.

"Wir werden das natürlich schultern", sagt Martin Rohde. In gewisser Weise seien die Schulen durch die vergangenen Monate ohnehin im Umgang mit außergewöhnlichen Situationen erprobt, so der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Mittelfranken: "Aber es ist nicht ohne."

Das liegt an den Vorgaben des bayerischen Kultusministeriums. Mit Blick auf das Ansteckungsrisiko müssen die Prüflinge in verschiedene Gruppen aufgeteilt werden.

Verschiedene Gruppen

Getestete legen die Prüfungen zusammen ab, ebenso wie Nicht-Getestete. Daneben gibt es eine Gruppe Schüler, die einer Risikogruppe angehören oder mit einer solchen Person in einem Haushalt leben und eine weitere Gruppe für solche, die als Kontaktperson 1 eines infizierten Mitschülers gelten und somit eigentlich selber in Quarantäne sind, diese aber für das Abitur unterbrechen dürfen.

Und noch eine Gruppe dürfe nicht vergessen werden, so Rohde: Die der ungetesteten Maskenverweigerer.

Am Nürnberger Hans-Sachs-Gymnasium spricht Schulleiter Carsten Böckl deshalb auch von einer "großen Herausforderung". Damit die knapp 130 Abiturienten die Prüfungen ablegen können, sind dort gleichzeitig 14 einzelne Räume mit entsprechender Aufsicht notwendig.

Dabei sind 77 Schülerinnen und Schüler nicht bereit, sich vorher testen zu lassen, was Böckl nicht kommentieren will.

Keine Testpflicht

Eine Pflicht zum Corona-Test besteht nicht, er ist freiwillig, betont der Ministerialbeauftragte Rohde. Viele hätten Angst, die Prüfungen nach einem positiven Test nicht mitschreiben zu können.

Dennoch hat er persönlich kein Verständnis für eine Testverweigerung. Es gebe nun einmal eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die vor allem auf dem Gymnasium immer wieder gepredigt werde.

Und auch für Lehrkräfte sei es "eine Zumutung", über Stunden hinweg in einem Raum Schüler beaufsichtigen zu müssen, die sich nicht haben testen lassen und noch dazu vielleicht das Tragen der Maske verweigern, so Rohde.

Über zehn Räume

Ähnlich drückt sich auch Dr. Dietmar Jungkunz aus, der das Fürther Hardenberg-Gymnasium leitet. "Wir haben alle Gruppen", sagt er. Für die 134 Abiturienten würden über zehn Räume und wie am Hans-Sachs-Gymnasium auch entsprechend viel Aufsichtspersonen benötigt, praktisch das ganze Lehrerkollegium ist im Einsatz.

Grundsätzlich ist er erleichtert, dass eine Abfrage ergeben hat, dass sich die meisten Schüler am Vortag testen lassen wollen. Sollte jemand positiv sein, bestehe zudem die Möglichkeit noch einen PCR-Test zu machen, der umgehend ausgewertet wird, so dass das Ergebnis am nächsten Morgen feststeht. Stellt sich dann heraus, dass der Schnelltest falsch-positiv war, kann der Schüler an den Prüfungen teilnehmen.


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Für die "einigen wenigen", die sich nicht testen lassen wollen, gibt es auch am Hardenberg-Gymnasium einen eigenen Raum - und einen eigenen Eingang. "Das sind wir auch denjenigen schuldig, die sich getestet haben und ein Signal an alle, dass wir das im Sinne der Solidarität trennen", so Jungkunz.

Erleichtert ist der Fürther Schulleiter aber darüber, dass in seinem Haus allen Lehrkräften ein Angebot für eine Erstimpfung gemacht werden konnte, was eine gewisse Sicherheit biete.

Die meisten lassen sich testen

Auch am Adam-Kraft-Gymnasium in Schwabach ist noch einmal mit allen rund 110 Abiturientinnen und Abiturienten gesprochen worden, so Schulleiter Harald Pinzner. Nach derzeitigem Stand der Dinge werden sich fünf bis acht Schüler nicht testen lassen, womit für die meisten die Deutsch- und auch die Matheprüfung am 17. Mai im Schwabacher Markgrafensaal stattfinden kann.

Dennoch sei er mit den "Ungetesteten nicht glücklich", so Pinzner. Für sie werde das Aufsichtspersonal während der Prüfung öfter gewechselt.

Eine Essenspause für die betreffenden Schüler sei nur auf dem Gang möglich, ebenfalls wieder unter Extra-Aufsicht. "Dieses Jahr ist schon übel", so Pinzner.

Mit großer Sorge blicken alle auf das kommende Schuljahr. "Die Elftklässler konnten viel machen", so Pinzner. Aber bei den unteren Jahrgangsstufen fehlten vielen Schülern nach dem langen Distanzunterricht die Struktur und das Gefühl für regelmäßiges Arbeiten.

Sorgenvoller Blick

"Und wir machen uns Sorgen um die Grundschüler, die jetzt angemeldet werden", so Pinzner. Bei den einzelnen Grundschulen würde deshalb bei den jeweiligen Lehrkräften abgefragt, wo Lücken sind und welche Probleme es gibt.

"Es wird ein ganzes Jahr dauern, um das Schulleben wieder anzufahren", sagt Dr. Dietmar Jungkunz. Ohne individuelle Fördergruppen und intensivierte Arbeit werde es wohl nicht gehen, was allen Beteiligten viel Kraft abverlangen werde.

Entsprechende Pläne seien im Kultusministerium in Vorbereitung, sagt der Ministerialbeauftragte Rohde. Wobei es alleine mit Sonder- und Stützkursen nicht getan sei, zumal "man auch schauen muss, dass die Schüler nicht überlastet werden."

Das Stoffthema werde man irgendwie in den Griff kriegen, glaubt Rohde. Es sei auch nicht so schlimm, wenn die Schüler "mal die sieben Kurfürsten nicht wissen." Viel mehr Augenmerk müsse auf die Schüler gelenkt werden, die durch die Pandemie von der Schule abgekoppelt wurden und drohen, verloren zu gehen. "Das können wir uns gesellschaftlich nicht leisten."