Kiefernsterben vorerst vorbei

Experten klären auf: So geht es dem Wald in Franken

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 31.08.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt: Martin Müller..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Martin Müller

Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern

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11.9.2021, 05:58 Uhr
Durch den vielen Regen in diesem Jahr konnten sich die Menschen in Franken besonders häufig am Anblick eines Regenbogens erfreuen. Doch vor allem für die Natur war der Niederschlag ein echter Heilsbringer

Durch den vielen Regen in diesem Jahr konnten sich die Menschen in Franken besonders häufig am Anblick eines Regenbogens erfreuen. Doch vor allem für die Natur war der Niederschlag ein echter Heilsbringer © Fotostand/K. Schmitt/imago images

"So grün war der Reichswald schon lange nicht mehr. Man wähnt sich fast in anderen Teilen Bayerns, in denen es grundsätzlich mehr regnet", staunt Johannes Wurm, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg der Bayerischen Staatsforsten. Dieses Jahr der Erholung sei wichtig und bitter nötig gewesen für den Forst, in dem zuvor reihenweise die Kiefern und Fichten, aber auch schon die Buchen abgestorben waren.

Pflanzen haben einen Schub gemacht

"Selbst am Wegesrand ist jetzt alles zugewuchert, und die von uns gesetzten Jungpflanzen haben einen richtigen Schub gemacht", erzählt Wurm. In den vergangenen Jahren gab es stellenweise Ausfallzahlen von mehr als 50 Prozent, die Trockenheit ließ den jungen Bäumchen kaum eine Chance.

"Die Kiefer hat sich merklich erholt", sagt Wurm über den Problembaum Nummer eins der vergangenen Jahre. Einzelne sterben zwar noch ab, aber die negative Dynamik hat deutlich nachgelassen.

Gleiches gilt für den zweiten Problembaum, die Fichte. Die Bäume sind wieder deutlich vitaler und konnten sich so auch sehr viel besser gegen den Borkenkäfer wehren. In diesem Jahr spielte der gefürchtete Schädling im Reichswald praktisch keine Rolle. Nur einige Hundert Festmeter fielen ihm zum Opfer.

Neues Grundwasser hat sich gebildet

Während sich auch die Eiche gut erholt hat, hat die Buche an bestimmten Standorten nach wie vor Probleme. Das Holz ist wohl so wenig widerstandsfähig, die Bäume sind durch die Schwächung so stark von Pilzen befallen, dass sie sich auch durch den vielen Regen in diesem Jahr nicht regenerieren können.

Immerhin kommen derzeit kaum neue Schäden hinzu. "Unsere oberflächennahen Grundwasserstände zeigen alle relativ hohe Wasserstände, wir nähern uns wieder dem Normalzustand um diese Jahreszeit an", erklärt Roland Rösler, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach.

In den vergangenen Wochen kam es sogar zur Grundwasser-Neubildung, völlig ungewöhnlich eigentlich im Sommer. "Das ist eine sehr erfreuliche Situation. Und die heiße Phase des Sommers ist ja jetzt schon vorbei – ohne dass es eine wirklich heiße Phase gab", betont Rösler.

N-Ergie brauchte weniger Wasser

Immer mehr Kommunen sind mittlerweile an Fernwasserleitungen angeschlossen oder mit den Nachbarkommunen vernetzt, damit bei Trinkwassermangel vor Ort schnell Nachschub kommen kann. "Das müssen wir sukzessive weiter ausbauen", meint Rösler. Denn grundsätzliche Trinkwasserknappheit herrscht in Bayern auch in Hitzejahren beileibe nicht, gerade auch durch verlässlich hohe Niederschläge im Alpenraum.

Die N-Ergie etwa bekommt einen Teil ihres Wassers aus Genderkingen, wo es an der Lechmündung aus dem Grundwasser gewonnen wird, das den Fluss begleitet. In diesem Jahr wird dieses Fernwasser allerdings weniger gebraucht. Denn der Wasserverbrauch sank in diesem regenreichen Jahr leicht, die N-Ergie setzt deshalb mehr auf ihre eigenen Gewinnungsgebiete, vor allem auf das Wasser aus Ranna.

Während sich der Wasserverbrauch bei den Privatkunden nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich nach unten bewegt hat, sieht es in der Landwirtschaft ganz anders aus. "In diesem Jahr brauchen wir nur 60 Prozent vom langjährigen Mittel", verdeutlicht Gerd Quergfelder vom Wasserverband Knoblauchsland. Etwa zwei Millionen Kubikmeter Wasser werden im Schnitt pro Jahr auf Salat und Radieschen versprüht, in besonders heißen trockenen Jahren wie etwa 2018 sind es drei Millionen Kubikmeter.

Geringerer Wasserverbrauch im Knoblauchsland

Gerade mal etwa eine Million Kubikmeter Wasser wurden in diesem Jahr bislang benötigt, mehr als 1,2 Millionen Kubikmeter werden es insgesamt wohl nicht werden. "Jetzt werden die Tage ja schon wieder kürzer, die Verdunstung ist geringer", betont Quergfelder. Ohne Bewässerung hätten die Bauern im Knoblauchsland keine Chance, ihr Gemüse mit verlässlich hoher Qualität zu produzieren. Aus zwölf Uferfiltratbrunnen im Fürther Rednitzgrund wird das Wasser gewonnen.

In manchen Bereichen gab es durch die Niederschläge sogar zu viel Wasser. "Bei schweren Böden entlang der Landgräben standen zum Beispiel die Kartoffeln in der Staunässe und sind regelrecht ersoffen", erzählt Quergfelder. "Insgesamt hat aber mal wieder so ein Jahr sein dürfen. Die Böden erholen sich, das Grundwasser erholt sich", meint er.

Klimawandel verschwindet nicht durch ein Regen-Jahr

Trotz des vielen Regens in diesem Jahr: Der Klimawandel bleibt eine immer bedrohlichere Gefahr. Nicht jedes Jahr wird rekordverdächtig heiß und trocken sein, doch es wird eben immer häufiger so sein. Deshalb bleibt gerade auch der Waldumbau hin zu trockenheitsresistenteren Baumarten das Gebot der Stunde.

Im Oktober beginnt im Reichswald wieder die Pflanzperiode. Kiefer und Fichte wachsen dort künftig nur noch, wo sie auf natürliche Weise hochkommen, gepflanzt werden vor allem Eiche und Buche, aber auch Tanne und Douglasie. Weil die Tanne bei extremer Erwärmung auch Probleme bekommen wird, startet der Forstbetrieb nun einen Pflanzversuch mit rumänischer Weißtanne. Dazu kommt ein "bunter Blumenstrauß an Edellaubhölzern", wie Johannes Wurm beschreibt, also etwa Spitzahorn, Flatterulme, Hainbuche, Linde, Kirsche oder Elsbeere.

Weil die Staatsforsten nach offizieller Vorgabe immer die "Optimierung des Gesamtnutzens" im Blick haben müssen, müssen sie bei allem Waldumbau natürlich auch den Markt im Blick haben. Vor allem für die Bauindustrie, aber etwa auch für die Papierproduktion sind Nadelbäume unverzichtbar. "Deshalb werden wir auch im Reichswald immer angemessene Nadelholz-Anteile erhalten", betont Wurm.

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