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Extreme Trockenheit: 1200 Kiefern im Stadelner Wald verdorrt

In den vergangenen Wochen musste jeder zweite Baum gefällt werden - 18.11.2019 11:15 Uhr

Abholzung in großem Stil: Mit schwerem Gerät rückten Arbeiter an, um die toten Bäume aus dem Stadelner Waldstück zu entfernen.

17.11.2019 © Foto: Thomas Scherer


"Das ist schon erschreckend", sagt Martin Straußberger. Sollten weitere Trockenjahre folgen, prophezeit der Stadtförster, werde vom Stadelner Wald nicht mehr viel übrig bleiben. Zumindest von den Kiefern, aus denen er zu 90 Prozent besteht.

Stadelner Wald, darunter sind die Waldflächen nahe dem FSV Stadeln und südlich der kleinen Siedlung auf der Stadelner Hard zu verstehen. In den vergangenen vier Wochen rollte hier schweres Gerät an, sogar ein Harvester kam zum Einsatz.

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Straußberger schätzt, dass um die 1200 tote Kiefern entfernt werden mussten – jeder zweite Baum. Die Stadt und mehrere Privateigentümer beauftragten eine Fremdfirma: "Es selber zu machen, wäre viel aufwendiger gewesen", erklärt der Förster, denn: Ganz klassisch mit der Säge ans Werk zu gehen, hätte hier, in Straßennähe, Seilsicherungen erfordert. Eine Alternative zur massiven Fällaktion gab es nicht, beteuert Straußberger. Die leblosen Kiefern, sagt er, drohten umzufallen und dabei Menschen zu gefährden.

Schädling breitet sich aus

Bereits das "Extremjahr 2018" (Straußberger) habe sie geschwächt. Die damalige lang andauernde Trockenheit traf in Stadeln auf einen Boden, der "fast der ärmste im Stadtgebiet" sei: arm an Wasser, aber auch an Nährstoffen. Im vergangenen Winter konnte der Förster dann beobachten, "dass viele Kiefern absterben".

Der Sommer 2019 brachte naturgemäß keine Besserung, denn er fiel erneut viel zu trocken aus. Die Folge: Der blaue Kiefernprachtkäfer – er bevorzugt geschwächte Bäume – breitete sich weiter aus. Einzelnen Kiefern kann der Schädling durchaus den finalen Todesstoß versetzen, weiß Straußberger.


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Hauptursache aber für das Waldsterben, da ist sich der erfahrene Forstfachmann sicher, ist die extreme Trockenheit. Der derzeit viel zitierte Klimawandel also? Ja, sagt Straußberger, für ihn stehe dieser Zusammenhang fest. Ein einzelnes Trockenjahr habe es auch schon in den 1970er Jahren gegeben; nie aber so viele in so kurzer Abfolge: 2003, 2005, 2006, 2015, 2018, 2019, beginnt er aufzuzählen. "Diese Häufung macht es aus."

Schäden auch andernorts

Ins Bild passt da, dass ähnliche Hiobsbotschaften auch andernorts verkündet werden müssen. In Langenzenn etwa wurde, wie berichtet, erst kürzlich bilanziert: Auch dort ist die Hälfte der Kiefern in den Wäldern rund um die Stadt durch Unwetter und extreme Trockenheit geschädigt. In der gesamten Region um Nürnberg, Fürth und Erlangen schätzten Experten die Zahl der bis zum Frühjahr 2019 abgestorbenen Kiefern bereits auf rund 500.000.

Am Wochenende wurden die Arbeiten bei Stadeln beendet. 20 Lastwagen voller Nadelbaumstämme kamen bei den Abholzungen zusammen. Was passiert nun in dem stattlichen Waldstück? Man werde eben neue Bäume pflanzen, kündigt Straußberger an – diesmal aber hauptsächlich Eichen, denn sie gelten als widerstandsfähiger. Wo sie bereits vorhanden sind, haben sie die Trockenheit gut überstanden. Auch Spitzahorne und Esskastanien werden gesetzt. Und einige der toten Kiefern lasse man stehen, ganz bewusst, als Lebensraum für Spechte und andere Vögel.

 

Maximilian Söllner

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