24°

Samstag, 08.08.2020

|

Fahrgäste bleiben wegen Corona weg: Bahn hat große Sorgen

Auch die VAG steht finanziell unter Druck - 14.05.2020 05:05 Uhr

Die S-Bahnen fahren wieder (hier eine bei der Einfahrt nach Nürnberg), doch zugleich hat die Bahn große Sorgen aufgrund weniger Fahrgäste.

© Foto: Deutsche Bahn AG/Martin Busbach


Nach den Beschlüssen von Bund und Ländern werden in der Coronakrise etliche Einschränkungen gelockert, das öffentliche Leben fährt langsam wieder hoch. Das spürt auch die Bahn. Doch eine normale Zahl an Reisenden ist weit entfernt, was den Nahverkehr auch finanziell unter Druck setzt. So rechnet der VGN mit einem Verlust von mindestens 70 Millionen Euro.


Wegen Corona: Deutsche Bahn verlängert Kulanzregelung


Die Reisenden steigen im Freistaat wieder vermehrt in die Züge. "Es ist leicht voller geworden", sagt ein Bahn-Sprecher vor kurzem. "Grob geschätzt liegt die Auslastung im Regionalverkehr aktuell bei 20 bis
30 Prozent", so der Sprecher. Und auch in den ICE- und IC-Zügen sei "reichlich Platz".

S-Bahn verkehrt normal

Bei der DB wird damit gerechnet, dass das noch einige Zeit so bleibt, auch wenn das Angebot sukzessive wieder hochgefahren wird. Die S-Bahn im Großraum Nürnberg fährt seit einiger Zeit wieder komplett ohne Einschränkungen. Bei der DB wird damit gerechnet, dass auch die Freizeitverkehre zu Pfingsten wieder anziehen. Aber nach wie vor "gibt es keinen Fußball-Fanverkehr, keine Festivals, zu denen die Leute fahren können", so der Bahnsprecher.

Bilderstrecke zum Thema

Maskenpflicht in Bayern: So verhalten sich die Nürnberger

Am ersten Tag der Maskenpflicht in Geschäften und Bussen und Bahnen halten sich die Nürnberger an die Regel zum Schutz vor Corona-Infektionen. Wir haben uns am Montagmorgen am Hauptbahnhof und in den U- und Straßenbahnen umgesehen.


So sieht die DB derzeit auch keinerlei Anlass, am bisherigen Plan für die sukzessive Normalisierung des Betriebs etwas zu ändern. Spätestens nach den Pfingstferien soll der Fahrplan wieder laufen wie gewohnt, auch wenn in den Zügen weiterhin die Maskenpflicht gelten wird, was von der DB ausdrücklich gelobt wird. "Die Fahrgäste sind wirklich sehr tapfer und diszipliniert", so der Bahnsprecher. Allein an den Bahnsteigen und Haltestellen könnte die Verpflichtung, Mund und Nase zu bedecken, nach wie vor "etwas besser" eingehalten werden.

Der DB und anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen macht unterdessen etwas anderes deutlich größere Sorgen. Durch die geringe Auslastung in den letzten Wochen sind große Teile der Einnahmen weggebrochen, obwohl der Betrieb auf Wunsch der Politik zum Großteil aufrechterhalten wurde. Im Freistaat etwa schließt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die für die Ausschreibung, Planung und Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs zuständig ist, praktisch ausschließlich Netto-Verträge mit den Betreibern ab. Das bedeutet, dass die Fahrgeldeinnahmen bei dem jeweiligen Eisenbahnverkehrsunternehmen bleiben, was auch den Anreiz erhöhen soll, mit mehr Qualität und Pünktlichkeit zusätzliche Fahrgäste in die Züge zu locken.

Bilderstrecke zum Thema

Klopapier, Streaming, Onlinehandel: Diese Unternehmen profitieren von Corona

Viele haben nun jede Menge Zeit, da sie sowieso nicht ausgehen können. Aber heißt das auch, dass wir mehr online kaufen? In Zeiten von Corona leidet der Großteil der Unternehmen unter Umsatzeinbußen. Aber nicht alle. Eine Übersicht über all jene Branchen und Unternehmen, bei denen das Geschäft boomt.


Ohne die Einnahmen ist ein wirtschaftlicher Betrieb aber nicht möglich. Die Länderverkehrsminister sind an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit dem Vorschlag herangetreten, einen finanziellen Rettungsschirm für den Nahverkehr mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro zu spannen.

Lage zunehmend dramatisch

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) unterstützt den Vorstoß. "Die finanzielle Lage bei den Verkehrsunternehmen und Verbünden wird zunehmend dramatisch. Wir fahren bundesweit seit Beginn der Krise im Schnitt 80 Prozent des normalen Angebots, haben aber nur noch maximal 30 Prozent des sonst üblichen Fahrgastaufkommens. Den Unternehmen fehlen dadurch Fahrgeldeinnahmen in erheblichem Umfang. Je nach Verlauf des Lockdowns wird sich der Verlust bis Jahresende auf fünf bis sieben Milliarden Euro summieren. Wir brauchen schnelle finanzielle Hilfen, um kurzfristig das Überleben zu sichern", so VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.

Bilderstrecke zum Thema

Rein und raus: Das ist Nürnbergs Top Ten der U-Bahnhöfe

Die U-Bahn gehört zu den beliebtesten Verkehrsmitteln in Nürnberg. Rund 100 Millionen Fahrgäste sitzen im Jahr in verschiedenen Linien im Untergrund der Stadt. Doch welche Haltestellen sind besonders beliebt? Wo steigen die meisten Fahrgäste ein und aus? Das hat die VAG nun in einem Ranking bekanntgegeben.


Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg rechnet im schlimmsten Fall mit einem Verlust von 110 Millionen Euro, mindestens aber von 70 Millionen Euro. Alleine der Wegfall der Tickets für Schüler und Studenten belastet die Bilanz schwer. Eingebrochen ist auch der Barverkauf von Fahrscheinen.

Rein betriebswirtschaftlich hätten die Verkehrsunternehmen das Angebot deutlich reduzieren müssen, um Kosten zu sparen, so Wolff. Darauf sei aber mit Blick auf die Daseinsvorsorge verzichtet worden. Trotz der Angebotsreduzierungen seien gleichzeitig Mehraufwendungen entstanden, etwa durch Extrareinigungen von Fahrzeugen, Fahrzeugdesinfektion und Reinigungsmaterial sowie Atemschutzmasken und andere Infektionsschutzmaßnahmen für das eigene Personal im Betrieb, den Leitstellen und Werkstätten.

Das bayerische Verkehrsministerium erklärte vor einigen Tagen, das zu dem Rettungsschirm bislang keine schriftliche Antwort des Bundesverkehrsministeriums vorliegen würde. "Die Länder und der Bund befinden sich hierzu in Abstimmungen", so eine Sprecherin.

Bilderstrecke zum Thema

Die Fehler beim Tragen einer Schutzmaske - und wie es richtig geht

Wir alle müssen uns an sie gewöhnen: Masken werden uns im Alltag intensiver begleiten. Doch es gibt Fallstricke bei der Handhabung - wir haben Tipps für die richtige Anwendung.



Über aktuelle Entwicklungen in der Corona-Krise Sie haben selbst den Verdacht, an dem Virus erkrankt zu sein? Hier haben wir häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

Die Anzahl der Corona-Infizierten in der Region finden Sie hier täglich aktualisiert. Die weltweiten Fallzahlen können Sie an dieser Stelle abrufen.


Wir informieren Sie mit unserem täglichen Corona-Newsletter über die aktuelle Lage in der Coronakrise, geben Ihnen Hinweise zum richtigen Verhalten und Tipps zum alltäglichen Leben. Hier kostenlos bestellen. Immer um 17 Uhr frisch in Ihrem Mailpostfach.

Sie bevorzugen Nachrichten zur Krise im Zeitungsformat? Erhalten Sie mit unserem E-Paper-Aktionsangebot immer die wichtigsten Corona-News direkt nach Hause: Ein Monat lesen für nur 99 Cent! Hier gelangen Sie direkt zum Angebot.


Sie wollen in der Corona-Krise helfen: Dann sind Sie in unserer Facebookgruppe "Nordbayern hilft" genau richtig!

8

8 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg