Fall Peggy: Neuer Prozess, alter Gutachter

14.1.2014, 06:00 Uhr
Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof in Nordhalben.

Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof in Nordhalben. © dpa

Für die Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth, wo der neue Prozess gegen Ulvi im April starten wird, stellt der Berliner Universitätsprofessor Hans-Ludwig Kröber als Gutachter kein Problem dar. „Er hat den gerichtlichen Auftrag bekommen, sein früheres Gutachten zu ergänzen“, erklärt Behördensprecher Thomas Goger die juristische Ebene.

Interessenskonflikte oder mögliche Befangenheitsgründe sind für ihn nicht erkennbar: „Er hat damals sein Gutachten auf der Grundlage objektiv unzureichender oder falscher Vorgaben gemacht und kann das jetzt berücksichtigen.“

Für Rechtsanwalt Michael Euler, der Ulvi K. vertritt und den neuen Prozess durchgesetzt hat, stellt sich die erneute Beauftragung Kröbers als Gutachter wesentlich komplizierter dar. „Mein erster Gedanke war, sofort einen Befangenheitsantrag zu stellen, als ich das gehört habe“, erklärt Euler. Nun will er aber seinen Worten zufolge erst einmal abwarten, zu welchen Ergebnissen der psychiatrische Sachverständige diesmal kommt, und erst dann entscheiden, wie es weiterläuft. Skeptisch, sagt Euler, bleibe er auch deshalb, weil Zweifel an der handwerklichen Qualität des ersten Gutachtens bestünden. Er könne dies auch belegen.

Während der Frankfurter Anwalt berufsbezogene Zurückhaltung übt, hat die Nachricht von Kröbers erneuter Verpflichtung schon die sozialen Medien erreicht. Dort gibt es viele Plattformen, wo sich Kritik, Wut und Schimpfkanonaden über den Psychiatrie-Professor ergießen. Dort ist Kröber ein Feindbild – und nicht nur bei Ulvi-Unterstützern. Der Herausgeber des „Handbuchs der Forensischen Psychiatrie“ hat sich auch bei der Unterstützer-Gemeinde des langjährig in der Psychiatrie eingesperrten Nürnbergers Gustl Mollath keine Freunde geschaffen, um es ganz vorsichtig zu formulieren. Sein Gutachten, in dem er „eindeutig feststellt“, dass Mollath an einer „wahnhaften Störung leidet“ wurde tausendfach kommentiert. Vor allem der Umstand, dass Kröber seine Expertise nach Aktenlage anfertigte und Mollath nie sah, wurde kritisiert.

Viel Feind, viel Ehr: Ist es das, was Kröber zur gern benutzten Zielscheibe macht? Auch im Kachelmann-Prozess geriet er bei der Diskussion zwischen die Mühlsteine der Meinungsmacher im Netz. In diesem Fall waren es seine gutachterlichen Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Kachelmanns Ex-Freundin, die zum virtuellen Schlagabtausch führte.

Professor Hans-Ludwig Kröber bleibt trotz aller Anfeindungen äußerlich ganz gelassen und scheut keineswegs das Licht der Öffentlichkeit. Bei TV-Talkrunden ist er ein gern gesehener Gast. Nur einmal ging ein Auftritt tüchtig daneben. Da wollte er seine Sicht als Gutachter zur Causa Mollath in einem Seminar darstellen und sprach auf einer öffentlich verbreiteten Einladung von „Unser Gustl“, was nicht nur von Mollath-Fans als Taktlosigkeit empfunden wurde. Das Seminar wurde abgesagt.

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