Donnerstag, 12.12.2019

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Fall Peggy: Unterstützerkreis klagt gegen Gutachter

Sie fordern 350.000 Euro Schadenersatz - und wollen zweites Verfahren - 10.01.2019 05:52 Uhr

Der Fall der verschwundenen Peggy beschäftigt die gesamte Republik. © dpa


Rund 170 Seiten soll die Klageschrift umfassen, die Thomas Henning von der Rechtsanwaltskanzlei Hanna Henning im Auftrag der Lichtenberger Ulvi-Unterstützer gestern an das Landgericht in Berlin gesandt hat. Sie richtet sich gegen den renommierten forensischen Psychiater Ludwig Kröber, der zuletzt an der freien Universität Berlin tätig war. Kröber hatte im ersten Verfahren ein Gutachten über den geistig behinderten Gastwirtssohn aus Lichtenberg abgegeben, in dessen Folge Ulvi K. im Jahr 2004 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes an Peggy verurteilt worden war.


Beschwerde über Freilassung im Fall Peggy: Entscheidung offen


Erst in einem spektakulären Wiederaufnahmeprozess zehn Jahre später wurde K. freigesprochen, nachdem Psychiater Kröber nun nicht mehr ausschließen konnte, dass K. damals ein falsches Geständnis abgelegt hatte. Zudem kam eine Reihe weiterer Aspekte ans Licht, die K.s Unschuld belegten.

"Grobe inhaltliche Fehler begangen"

Kröber habe in seinem ersten Gutachten "grobe inhaltliche Fehler begangen", sagt Dirk Lauer, Sprecher des Unterstützerkreises. Zudem habe er sich im Verfahren mehrfach vertreten lassen und den Fall "Ulvi K." in einem Buch thematisiert, noch ehe das Urteil überhaupt gefallen sei.

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Der Fall Peggy: Chronologie eines schrecklichen Verbrechens

Vor 17 Jahren verschwindet die neunjährige Schülerin Peggy in Oberfranken spurlos. Als ihr Mörder wird 2004 ein geistig eingeschränkte Nachbar verurteilt. Am 14. Mai 2014 wird der Nachbar wieder freigesprochen. Anfang Juli 2016 nimmt der Fall eine spektakuläre Wende: In einem Waldstück in Thüringen werden Skelettteile von Peggy gefunden. Im September 2018 legt ein 41-Jähriger ein Geständnis ab.


Ludwig Kröber hatte auch Expertisen in anderen medienwirksamen Gerichtsprozessen angefertigt, etwa über Gustl Mollath, den früheren RAF-Terroristen Christian Klar oder über die Nebenklägerin im Fall Jörg Kachelmann.

"Völliger Blödsinn"

Der Unterstützerkreis bereitet derzeit mit Hilfe des Anwaltsbüros von Thomas Henning den Antrag auf ein weiteres Wiederaufnahmeverfahren vor: Denn Ulvi K. wurde zwar 2014 vom Mordvorwurf freigesprochen, nicht jedoch vom sexuellen Missbrauch an der neunjährigen Peggy kurz vor ihrem Verschwinden am 7. Mai 2001. Über diese Tat wurde dann gar nicht mehr verhandelt.

Das soll sich jetzt ändern: Für "völligen Blödsinn" hält Gudrun Rödel, die Betreuerin von Ulvi K., den Vorwurf, ihr Schützling habe sich an der Schülerin vergangenen. Sie will deswegen auch den Freistaat Bayern auf Schadenersatz verklagen. Einen solchen Missbrauch habe es nie gegeben, betont auch Dirk Lauer vom Unterstützerkreis. In einem neuen Verfahren könne man dies aufzeigen.

Elke Graßer-Reitzner

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