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Fast eine Million Beute: Einbrecher muss zehn Jahre hinter Gitter

Männer zogen quer durch Region - Ihre Beute ist gut eine Million Euro wert - 25.11.2020 18:18 Uhr

Wie es sich anfühlt, wenn Menschen aus dem Armenhaus Europas, in die Häuser unseres reichen Landes eindringen, ist im Landgericht Nürnberg-Fürth regelmäßig zu hören: Es gibt Opfer, die in ihren Betten lagen und schliefen, während Fremde in ihren Schränken wühlten, und diesen Übergriff gut verkraftet haben. Andere erleben sich noch Monate später in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt. In diesem Prozess schilderte ein Ehepaar einen Umzug – die Frau konnte in dem Haus nicht mehr schlafen. "Wir mussten in der Beweisaufnahme bei manchen Geschädigten alte Wunden aufreißen", so Bernhard Germaschewski, der Vorsitzende Richter der 12. Strafkammer.

Die Einbruchserie begann im August 2016 in Fürth und endete im September 2018 in Nürnberg – die Diebe zogen quer durch die Region, hebelten Terrassentüren in Erlangen, Schwaig, Röthenbach a. d. Pegnitz, Schwarzenbruck, Lauf a.d. Pegnitz, Rückersdorf, Veitsbronn und Zirndorf auf; um 57 Fälle zu rekonstruieren, wurde 19 Tage verhandelt.

Die Ermittler kamen den Verbrechern via DNA-Treffer auf die Spur: Der Haupttäter war bereits in Wuppertal als Einbrecher aufgefallen; auch eine Datenbank in der Schweiz hatte seinen genetischen Fingerabdruck registriert. Sein Telefon wurde überwacht und klar wurde: Über einen Mittäter gab es einen Kontakt nach Nürnberg. Dessen Schwager betrieb ein Lokal nahe der Stadtgrenze – und er hatte den beiden Männern ein Zimmer in Nürnberg besorgt. Später konnten die Ermittler mit Hilfe der Videoüberwachung der Pension im Treppenhaus nachvollziehen, wann die beiden Männer ein- und ausgingen. Dazu fällt auf, dass einige der Geschädigten ebenfalls in der Gastronomie tätig sind – schließlich wusste der Wirt, wann seine Kollegen außer Haus sind.

Tresor samt Inhalt gestohlen

Die Männer, sie gingen in unterschiedliche Tatbeteiligung vor, hinterließen DNA-Spuren an den Tatorten, doch schon der modus operandi wies auf Serientäter hin: Sie hebelten immer die Terrassentüren auf oder drangen durch Fenster ein: jedoch nur, wenn die Häuser dunkel waren. Sie verschwanden so rasch, wie sie gekommen waren, mit Sachbeschädigungen oder Verwüstungen hielten sie sich nicht auf. In einem Fall brachen die Täter aus Furcht, erwischt zu werden, ihren Einbruch ab und flüchteten – die Bewohner waren ohne Licht vor dem Fernsehgerät gesessen. Die Diebe konzentrierten sich auf Schmuck, Uhren, wertvolle Münzen und Bargeld, in zwei Fällen nahmen sie den Tresor samt Inhalt mit. Edle Uhren und Schmuck ging an einen Juwelier, günstiger Schmuck wurde zum Kilopreis an ein Leihhaus verscherbelt.

Im Osten Nürnbergs gelang ihnen ein besonderer Coup – im Anwesen eines vermögenden Uhrenliebhabers erbeuteten sie Schmuck und Uhren im Wert von 300.000 Euro. Der Tipp zum lohnenden Einbruchsobjekt war von einem vorbestraften Nürnberger gekommen. Er kassierte bereits im Amtsgericht ein Jahr Freiheitsstrafe.

Die 12. Strafkammer verurteilte die vier weiteren Einbrecher jeweils zu sieben Jahren und acht Monaten, sechseinhalb Jahren, drei Jahren sowie zu vier Jahren und acht Monaten Gefängnis.

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