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"Fastnacht in Franken" heuer ohne Seehofer, aber mit Söder

Die Narren in Veitshöchheim müssen auf den Noch-Ministerpräsidenten verzichten - 30.01.2018 15:48 Uhr

2017 waren Horst Seehofer und Markus Söder selbstverständlich in Veitshöchheim dabei - doch in diesem Jahr müssen die Narren vielleicht auf die Polit-Prominenz verzichten. © David Ebener/dpa


Horst Seehofer werde wegen der Teilnahme an den Verhandlungen über die Große Koalition in Berlin nicht zur Live-Übertragung anreisen, verriet Finanzminister Markus Söder im Gespräch mit dem Münchner Büro von nordbayern.de. Er habe darüber mit Seehofer am Telefon gesprochen.

Dafür trifft Söder wieder an der Spitze der Prominenz aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Roten Teppich in den Mainfrankensälen ein. Für seinen letzten Auftritt in der Fastnachtssendung als Minister, ehe er von Seehofer im Frühjahr den Posten des Landesvaters übernimmt, wolle er sich wieder ein Kostüm aussuchen. "Aber nichts Schrilles", meinte er. Jedoch: Etwas "mit einer subtilen politischen Botschaft könnte schon dabei sein".

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Nilpferddame Amanda jedenfalls, die ihrem "Horst" ewige Treue geschworen und sich unsterblich in Seehofer verliebt hat, wird sich also umorientieren müssen. Schließlich war Söder bislang nicht so ihr Typ. Bauchredner Sebastian Reich, der mit seiner Amanda inzwischen zum Publikumsliebling avanciert ist, sagte bei den Proben in Veitshöchheim, man habe sich heuer besonders intensiv vorbereiten müssen, da bis zur letzten Minute unklar ist, welcher "Promi" tatsächlich erscheinen werde. Er und Amanda hätten "Plan A und Plan B in der Schublade. Und sogar einen Plan C."

Die unwägbare politische Lage macht den Künstlern diesmal also das Leben schwer. Wer kommt, wer nicht? Vor dieser Frage stehen die Narren, die traditionell in der Prunksitzung den Vertretern der Machtzentrale und der Parteien in mal mehr, mal weniger geschliffen Worten gehörig die Leviten lesen. Ob "Dreggsagg" Michl Müller, Wortjongleur Oliver Tissot, Heißmann und Rassau, Büttenredner Peter Kuhn oder die schrägen Typen der Altneihauser Feierwehrkapell‘n, sie knöpfen sich die geladenen Saalgäste jedes Mal gehörig vor.

Der Bayerische Rundfunk überträgt das Faschingsspektakel heuer zum 30. Mal aus Veitshöchheim. Die erste Sendung 1987 wurde noch in Lichtenfels produziert. 1991 fiel "Fastnacht in Franken" wegen des Golfkriegs aus. Kathrin Degmair, die Leiterin des BR-Studios Franken in Nürnberg, betonte jedoch, man mache die Sendung fürs Publikum. "Es ist schön, wenn Politiker da sind. Wenn nicht, dann ist es in erster Linie schade für die Politiker", sagte sie.

Und die Zuschauer dürfen sich diesmal auf einige Neuerungen freuen. Sitzungspräsident Bernd Händel lässt zusammen mit Volker Heißmann die legendären Nürnberger Peterlesboum in der Version "peterlesboum 2.0" wieder auferstehen. Kein Wunder: Händel ist der Sohn von Willi Händel, der 1958 erstmals zusammen mit Karl Vogt fränkische Texte zu bekannten Schlagermelodien sang. Die Peterlesboum waren geboren.

Traurige Widmung

Musikalisch geht es auch los: Zum ersten Mal greift der Veitshöchheimer Bürgermeister Jürgen Götz auf der Bühne vor laufender Kamer zu seinem Saxophon, Ehefrau und Schwägerin schmettern dazu die Eingangsnummer "Es lebe unsere Fasenacht". Bernhard Schlereth, Präsident des Fastnachtsverbandes Franken, der die Künstler auswählt, freut sich, dass man heuer auch einen großen Chor präsentieren kann: die Amorbacher Klostersänger haben in ihren roten Kutten vor mystischer Kulisse das Zeug, die "Hofsänger" des Frankenfaschings zu werden.

Die 17 Brüder widmen ihren Auftritt am Freitagabend ihrem Schlagzeuger Volker Krug. Der 56-Jährige ist vor wenigen Tagen bei einer Prunksitzung in Unterfranken nach einem Herzinfarkt tot zusammengebrochen. Sein größter Wunsch war es gewesen, mit den Klosterbrüdern den Sprung in die erfolgreiche Sendung zu schaffen.  

Elke Graßer-Reitzner

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