Auch im Nürnberger Land: Corona löst Hundewelpen-Boom aus

15.1.2021, 15:10 Uhr
Agil, sportlich und voller Tatendrang: Border Collies wie Hündin Lady sind momentan extrem beliebt. Am 13. Oktober 2020 hat sie fünf gesunde Welpen zur Welt gebracht, die schnell neue Besitzer fanden.

Agil, sportlich und voller Tatendrang: Border Collies wie Hündin Lady sind momentan extrem beliebt. Am 13. Oktober 2020 hat sie fünf gesunde Welpen zur Welt gebracht, die schnell neue Besitzer fanden. © Vera Mayer

"Natürlich kann man ohne Hund leben. Es lohnt sich nur nicht." Schauspieler Heinz Rühmann wusste es schon lange Zeit vor Corona, nun ziehen immer mehr Deutsche nach: Wie der Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) mitteilt, schnellt die Nachfrage nach Hundewelpen seit einigen Monaten in die Höhe. "Unsere Züchter können die Vielzahl der Anfragen nicht mehr bewältigen. Darunter befinden sich auch viele Menschen, die dem Wunsch nach Gesellschaft oder dem Drängen der Kinder unüberlegt nachgeben", ließ sich VDH-Pressesprecher Udo Kopernik bereits im Juli des vergangenen Jahres auf der eigenen Homepage zitieren.

Einen weiteren Beleg für den Anstieg liefert die Tierschutzorganisation TASSO e.V., die Europas größtes kostenloses Haustierregister betreibt. Auch dort wurde ein auffälliger Anstieg der Neuregistrierungen von Hunden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum registriert: Seien im Juni 2019 rund 31.400 Hunde bei TASSO neu registriert worden, wären es im Juni 2020 über 39.000 gewesen - ein Zuwachs von rund 25 Prozent.

Viele Interessierte würden Hunde vermehrt über das Internet erwerben, Inserate auf den Online-Plattformen hätten im Sommer 2020 stark zugenommen. "Gerade der illegale Online-Welpenhandel boomt. Nachdem Mitte Juni die Grenzen wieder geöffnet wurden, können die meist aus Osteuropa stammenden Wühltischwelpen nun wieder nach Deutschland importiert und im Netz allzu oft arglosen Käufern angeboten werden. Fast alle Tiere sind krank, viel zu früh von der Mutter getrennt, ungeimpft und überleben häufig die ersten Lebensmonate nicht. Auch das Leid der Muttertiere und Deckrüden ist unermesslich", stellt Mike Ruckelshaus, Leiter von Tierschutz Inland bei TASSO, klar.

30 Anfragen für fünf Welpen

Auch bei Züchtern im Nürnberger Land lässt sich der Trend zum Hund erkennen. "Auf jeden Fall", bestätigt Vera Mayer aus Leinburg. Unter dem Namen "Zwinger aus der Alten Noris" züchtet sie Old English Sheepdogs (auch bekannt als Bobtails) sowie Border Collies. Beim vergangenen Collie-Wurf mit fünf Welpen überstieg die Nachfrage den Bestand um ein Vielfaches. "Ich hätte 30 Welpen verkaufen können - ohne Werbung", sagt sie und erklärt: "Normalerweise muss ich Inserate schalten, um für alle Welpen neue Besitzer zu finden."

Mit der gestiegenen Nachfrage schießen freilich auch die Preise für einen Hundewelpen in die Höhe: "Mit 1000 bis 1400 Euro muss man inzwischen für einen Border Collie schon rechnen", beziffert sie die anfallenden Kosten. Dafür bekomme man jedoch einen Hund, der sich hervorragend für sportliche Aktivitäten eignet: "Viele Interessenten erzählen, dass sie für ihre sportlichen Aktivitäten einen Begleiter suchen. Der Border Collie bietet sich dafür super an: Agility, Joggen, Scootern - das alles lässt sich mit dem Border Collie super machen."


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Der Hund also als neues Sportgerät? "Ja, es geht schon ein bisschen in diese Richtung", bestätigt sie. Anders sieht es mit ihrer zweiten Zuchtrasse, dem Bobtail, aus. "Der ist natürlich nicht so für den Sport geeignet. Der Bobtail ist eher etwas für Rasseliebhaber, ein ruhiger, gemütlicher, treuer Trottel, der sich toll als Familienhund eigne", beschreibt sie süffisant sein freundliches Wesen.

Die Entscheidung gut überdenken

Auch wenn steigende Nachfragen die Züchterin prinzipiell freuen, so sieht Vera Mayer auch ein erhebliches Risiko für die Zeit nach der Pandemie. "Was passiert mit den Hunden, wenn die Leute nach der Corona-Pandemie irgendwann wieder ins Büro gehen und plötzlich nicht mehr so viel Zeit haben wie aktuell?", stellt sie in den Raum. Die Anschaffung eines Hundes sollte nach wie vor sehr gut durchdacht und keinesfalls aus einer Corona-Laune heraus stattfinden.

Das betont auch Detlef Gügel aus Mimberg. Bis 2012 züchtete er zusammen mit seiner Frau Hannelore Deutsche Doggen. "Insgesamt hatten wir 27 Würfe", sagt er. Obwohl sie vor neun Jahren mit dem Züchten aufgehört haben, ist die Liebe zu den großen Vierbeinern, die als Rüden bis zu 90 Kilogramm schwer werden können, niemals abgerissen. "Bereits 1966 habe ich meine erste Deutsche Dogge gehabt", erinnert er sich, auch heute noch hält das Paar eine Doggen-Hündin bei sich zuhause.

Seit 1991 ist Detlef Gügel Vorsitzender der Landesgruppe Bayern des Deutschen Doggen Clubs, von 2007 bis 2015 bekleidete er das Amt des Präsidenten des nationalen Verbandes, darüber hinaus stand er zwei Jahre an der Spitze des Europäischen Doggen Clubs. Auch für die große Rasse der Deutschen Dogge registriert er eine gestiegene Nachfrage hinsichtlich der Welpen. "Eine Züchterin aus Bayreuth hatte kürzlich einen Wurf mit elf Welpen, binnen weniger Tage waren alle Tiere schon weg", sagt er. Nicht selten würden mit Bekanntwerden der Größe des Wurfes bereits lange Zeit vor der Geburt die Tiere reserviert und verkauft. Vor der Pandemie wären Züchter teilweise "vier Monate lang auf den Hunden sitzen geblieben."

"Seriöse Züchter selektieren genau"

Auch er sieht in der Kombination aus gestiegener Nachfrage und in die Höhe schnellenden Preisen eine gewisse Gefahr: Mit 1200 bis 2500 Euro pro Welpe könnten Hobbyzüchter darin leichtverdientes Geld sehen, das Wohl der Tiere würde darunter jedoch leiden. "Auch wir im Deutschen Doggen Club diskutieren darüber, wie wir mit der Situation am besten umgehen. Fakt ist: Seriöse Züchter geben sich auch weiterhin größte Mühe, die Interessenten genau zu selektieren und wirklich nur geeignete Besitzer für die Hunde auszuwählen", stellt Detlef Gügel klar. Den Hunden ist es zu wünschen.


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