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Corona-Impfung: Hausärzte im Nürnberger Land sind sauer

Mediziner sind mit vielem nicht einverstanden - 12.02.2021 19:40 Uhr

In Erlangen und im Landkreis Erlangen-Höchstadt soll ab kommender Woche mit dem Vakzin von Astra-Zeneca geimpft werden.

12.02.2021 © oasisamuel - stock.adobe.com


Sie arbeiten in Heimen, nehmen täglich Corona-Abstriche, empfangen Patienten mit Fieber und Infekten. Und sind dennoch nicht geimpft. Nach dem Beitrag über einen Feuchter Arzt, der am Röthenbacher Impfzentrum abgewiesen wurde, haben sich Hausärzte aus dem gesamten Landkreis an die Redaktion gewandt und ihr Missfallen geschildert. Mehrere von ihnen haben zudem den Kontakt zum Leitenden Impfarzt, zum Landrat, ja sogar zum Ministerpräsidenten gesucht, um endlich eine Impfung für sich selbst und für ihre Praxismitarbeiter zu erwirken – am besten zeitnah und mit dem Impfstoff von Biontech.

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Am Mittwochnachmittag hat sich Landrat Armin Kroder nun mit dem Leitenden Impfarzt, einem Vertreter der Malteser sowie drei Hausärzten getroffen und einen Kompromiss vereinbart. Dieser sieht vor, dass alle Allgemeinärzte Listen mit impfwilligen Mitarbeitern einreichen sollen. In zehn bis 14 Tagen sollen diese dann in einer konzertierten Aktion im Röthenbacher Impfzentrum geimpft werden. Dort schafft man bis zu 200 Impfungen täglich. Bei 120 Praxen rechnet man im Landratsamt mit maximal 450 Personen, die in Frage kommen. In zwei Tagen könnten also alle durchgeimpft sein. Könnten.

Denn für die Aktion vorgesehen ist der inzwischen in Röthenbach eingetroffene Impfstoff von Astra-Zeneca. Zwar dürfen die Ärzte und Praxismitarbeiter auch auf den Impfstoff von Biontech bestehen, mit einem Impftermin in besagtem Zeitraum wird es dann aber nichts. Sie landen auf einer Warteliste.

Astra-Zeneca? "Dann lieber warten"

"Wir haben etwas erreicht. Und mehr ist im Moment nicht drin. Das Hauptproblem ist und bleibt die Knappheit des Impfstoffs", sagt der Feuchter Allgemeinmediziner Dr. Peter Polster, der am Gespräch im Landratsamt teilgenommen hat. Doch diese Ansicht teilen bei weitem nicht alle seiner Kollegen.

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Während sich die beiden anderen in der Runde vertretenen Ärzte, Dr. Sven Heidenreich aus Altdorf und Dr. Bastian Jedlitschka aus Neunkirchen, noch nicht zu dem Gesprächsergebnis äußern möchten, sagt der Röthenbacher Mediziner Dr. Willy Hammerschmidt deutlich, was er davon hält: "Man kann doch nicht denjenigen, die an vorderster Front arbeiten, den schlechtesten Impfstoff geben", kritisiert er, der als Notarzt bereits geimpft wurde und sich vor allem um seine Mitarbeiter sorgt. Bei einem Restrisiko von rund einem Drittel, das bei einer Impfung mit dem Stoff von Astra-Zeneca bleibt, rät er seinem Team jedenfalls nicht zur Impfung, sondern zum Abwarten.

Listen müssten längst vorliegen

Außerdem missfällt ihm die Ankündigung, dass die Ärzte des Landkreises jetzt eine Liste mit impfwilligen Mitarbeitern zusammenstellen sollen. Das hat Hammerschmidt nämlich längst getan: am 14. Januar. Einen Tag, nachdem der Leitende Impfarzt Dr. Martin Seitz diese angefragt hatte. In einer E-Mail, die der Redaktion vorliegt, erläutert Seitz allen Hausärzten, Internisten und Kinderärzten im ärztlichen Kreisverband, dass Ärzte und Praxismitarbeiter, die regelmäßig Patienten in Altenheimen betreuen oder Corona-Abstriche vornehmen, "zeitnah vorrangig geimpft werden". Für sie alle stellt er einen Sammel-Impftermin im Februar in Aussicht.

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Und nun, einen Monat später, "gibt man dem Ganzen einen öffentlichen Anstrich", meint Hammerschmidt und schätzt den Anteil der Hausärzte, auf die genannte Kriterien zutreffen, im Landkreis auf rund zwei Drittel. Für sie alle hat sich durch das Gespräch im Landratsamt also nicht wirklich etwas geändert. Ein weiterer Arzt, der sich an die Redaktion gewandt hat, ist Dr. Walter Schell aus Schwarzenbruck. Er empfindet es geradezu als skandalös, dass im Nürnberger Land erst in etwa zwei Wochen mit dem Impfen der Hausärzte begonnen werden soll. Nachbarn wie die Stadt Nürnberg oder der Landkreis Roth seien da schon viel weiter.

Roth und Nürnberg sind weit voraus

In der Tat ist man im Kreis Roth einen anderen Weg gegangen. Ein Arzt, der Bewohner eines Pflegeheims betreut, wurde dort bereits beim Besuch eines Impfteams im Heim mitgeimpft, berichtet eine Sprecherin des Rother Landratsamts. So haben im Kreis Roth bereits 130 Ärzte und Praxismitarbeiter eine Erstimpfung mit dem Impfstoff von Biontech erhalten. Und in Nürnberg sind bereits alle rund 100 Ärzte geimpft, die Kontakt zu Seniorenheimbewohnern haben, versichert eine Sprecherin des Nürnberger Impfzentrums.

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Nachdem dieser Personenkreis abgearbeitet ist, impft man in Nürnberg nun sukzessive 4000 weitere Personen aus dem medizinischen Bereich, darunter auch Praxismitarbeiter, die Termine in Pflegeeinrichtungen wahrnehmen. Auch in dieser Gruppe sei man bereits "ziemlich weit fortgeschritten".

Landratsamt sieht kein Versäumnis

Ein Versäumnis kann Dr. Rolf List, der Pressesprecher des Landratsamts, im Nürnberger Land dennoch nicht erkennen. Man habe sich an die Vorschriften gehalten. In der Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums seien Hausärzte vor der jüngsten Anpassung am vergangenen Montag nämlich nicht explizit genannt gewesen. Darum habe man noch nicht begonnen, sie zu impfen.Legt man die erste Impfverordnung aus dem Dezember und die neue Version jedoch nebeneinander, so unterscheiden sich diese in Paragraf 2, der die "Schutzimpfungen mit höchster Priorität" regelt, nur marginal.

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Hausärzte oder Allgemeinmediziner sind wörtlich in beiden Fassungen nicht genannt. Jedoch sprechen beide Verordnungen Personen, die in Pflegeeinrichtungen tätig sind, die höchste Priorität zu. Ebenso Personen, "die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind". Ob damit auch Ärzte und Praxismitarbeiter gemeint sind, die Bewohner von Seniorenheimen betreuen? Den entscheidenden Stellen in Nürnberg und Roth hat die Definition jedenfalls genügt, um mit dem Impfen jener Personen frühzeitig zu beginnen.

Christian Geist

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