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Craft-Bier: Mehr Umsatz für Brauer im Nürnberger Land

Privatbrauereien in der Region nicht von schwindendem Bierdurst betroffen - 28.01.2018 15:52 Uhr

Der Deutsche Brauer-Bund klagt über verregnetes Jahr 2017, die lokalen Privatbrauereien aber freuen sich über Absatz-Plus. © Frank Rumpenhorst


Die Brauerei Bub aus Leinburg, älteste Privatbrauerei im Nürnberger Land, verzeichnete 2017 einen leichten Zuwachs. Die Jahresproduktion liegt bei ungefähr 10.000 Hektoliter pro Jahr. Man kann das Leinburger Bier in einigen Getränkemärkten in der Region, aber auch im eigenen Markt der Brauerei im Leinburger Ortszentrum kaufen. Außerdem liefert Bub über einen Heimlieferservice in einem Umkreis von 30 Kilometern an Privatleute.

Die Brauerei habe eine treue Kundschaft. "Unsere Kunden kaufen unser Bier ganzjährig", meint Geschäftsleiterin Cornelia Bub, die großen Wert auf Regionalität legt. "Wir sind sehr stark engagiert im Kauf von regionalen Produkten und möchten die Bauern aus der Region unterstützen", betont Bub.

Gemeinsam mit anderen Brauereien unterstützt sie das sogenannte Zehn-Kilometer-Bier. Das ist ein Projekt, bei dem Betriebe Braugerste aus einem Umfeld von zehn Kilometern verwenden. Davon profitieren zum einen die Bauern der Region und zum anderen können die Brauer auf Erzeuger zurückgreifen, die sie kennen. Die Kunden jedenfalls schätzten das handwerkliche und traditionelle Brauen und vertrauen dem seit 1617 bestehenden Familienbetrieb aus Leinburg.

Neuer Impuls: Craft-Bier

Wie die Brauerei Bub widerspricht auch die Hopferei Hertrich der Regenwetter-Theorie des Brauerbundes. Zwar gibt Inhaberin Karin Hertrich zu, dass es einen Unterschied zu sportereignisreichen Gut-Wetter-Jahren gebe. Trotzdem setzte die Brauerei 2017 die gewünschten 330 Hektoliter im Jahr ab.

Das Ehepaar Karin und Ralph Hertrich brachten im Dezember 2015 das neue Craft-Bier-Label Veto auf den Markt. Craft-Bier ist laut Hertrich ein Bier, das durch kreative Ideen der Brauer nicht dem allgemeinen Biergeschmack entspricht. Es könne stärker eingebraut werden und habe dadurch einen höheren Alkoholgehalt. Außerdem könnten durch die Zugabe von Hopfen im Lagertank besondere Geschmacksvarianten erreicht werden. Nicht zwangsläufig verstößt die Hopferei damit gegen das Reinheitsgebot.

Die Herkunft der Rohstoffe spielt in der Craft-Szene dennoch eine wichtige Rolle. Die Malze für das Veto-Bier kommen aus Bamberg und der Hopfen von einem fränkischen Händler, der neben den regionalen Hopfensorten auch Aromahopfen aus aller Welt anbietet.

"Das Craft-Bier soll sich vom Standardbier abheben und ist eine Bereicherung für den Biermarkt", erklärt Hertrich. Wie Wein trinkt man Craft-Bier aus bauchigen Gläsern, um dem Aroma genügend Raum zu bieten und auch, damit die Biergenießer "genug Platz zum Nase reinhalten" haben, erzählt Hertrich lachend.

Das Bierlabel aus Feucht wird deutschlandweit in 50 Märkten, an 29 Verkaufsstellen in der Gastronomie und von vier Großhändlern verkauft. Außerdem haben Hopfenfreunde die Möglichkeit, das Bier online zu bestellen.

Ruinöser Preiskampf

2017 setzten deutsche Brauereien mit 94 Millionen Hektoliter Bier ganze zwei Millionen Hektoliter weniger als im Vorjahr ab. Schuld an den schlechten Zahlen habe vor allem schlechtes Wetter, da ein regenreicher Sommer weniger Menschen in die Biergärten lockt.

Wie die mittelständischen Brauereien beweisen, kann die Schlechtwetter-Theorie des DBB aber nicht der hauptsächliche Grund für den Absatzrückgang sein. Vor allem nicht hinsichtlich der vergangenen zehn Jahre – seit 2007 sank der Bierabsatz kontinuierlich. Vielmehr wirken sich die hohen Produktionskosten aufgrund steigender Energiepreise und der Preiskampf des Handels negativ auf den Umsatz aus. Außerdem bekommt die Bierbranche den demografischen Wandel zu spüren.

Der Deutscher Brauer-Bund blickt allerdings optimistisch auf 2018. Vor vier Jahren sorgte der WM-Titel der Deutschen Mannschaft für ein Plus im Umsatz. Nun könnten die Fußball-WM in Russland und die Craft-Bewegung der Bierbranche neue Impulse geben. 

Maria Mock

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