Mittwoch, 25.11.2020

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Den "Künstler" wird er nicht mehr los

Ausstellung "Elly und Wilhelm Kuch. Keramik zum 95. Geburtstag" - 22.10.2020 10:09 Uhr

Wilhelm Kuch bei der Arbeit.

22.10.2020 © privat


Und ein Zweites fordert er von seinem Gegenüber: Die Werke, die in einer viele Jahrzehnte umfassenden Schaffensperiode entstanden sind, sind nicht die seinen, sondern das Ergebnis einer äußerst fruchtbaren, symbiotischen Zusammenarbeit zwischen ihm und seiner 2008 verstorbenen Frau Elly. Ihr und ihm, der im Frühjahr seinen 95. Geburtstag gefeiert hat, widmet die Stadt Erlangen in Kooperation mit dem Freundeskreis Kunstmuseum Erlangen aus diesem Anlass die Ausstellung "Elly und Wilhelm Kuch. Keramik zum 95. Geburtstag".

Da sich die Realisierung eines Kuch’schen Präsentationsraums im Museum der Burgthanner Burg nicht umsetzen ließ, der Keramiker aber bereits eine umfangreiche Sammlung von Objekten im Auge hatte, ist nun in Erlangen eine große Schau entstanden, die noch bis zum 22. November zu sehen ist. Unprätentiös und uneitel spricht der Burgthanner, der noch in seinem Elternhaus lebt, über die lange Zeit des gemeinsamen Arbeitens dort. Ein bisschen macht er sich auch lustig über die Bewertungskriterien der Kunstkritiker, die zwischen Werken, die nur ästhetischen Ansprüchen genügen, und solchen, die auch einen praktischen Nutzen haben, unterscheiden. "Unsinnig" nennt der 95-Jährige das, was aber nicht heißen soll, dass er selbst keine kunsttheoretischen Überlegungen anstellt.

Besondere Koproduktion

Im Vordergrund stand und steht für ihn aber immer die ganz besondere eheliche Koproduktion im Entstehungsprozess. Diese Arbeitsweise ist mit Sicherheit auch die Erklärung für das erfolgreiche und ansprechende Töpferschaffen, das durch zahlreiche Ausstellungen und Preise gewürdigt wurde.

Über 50 Jahre arbeiteten die beiden zusammen, er selbst begann bereits 1947 mit der Produktion, gemeinsam bildete man auch aus, 40 Lehrlinge, darunter einige Bundes- und Landessieger.

Elly Kuch war eher für die Formgebung der Arbeiten zuständig, und ihre kreative Begabung führte zu traditionellen Formen, sehr oft aber auch zu ungewohnten Fantasie-Figuren. Wilhelm Kuch kümmerte sich um Farbe, Glasur und Oberflächenbehandlung – eine Arbeitsteilung, die sich bewährte und gleichzeitig die Harmonie versinnbildlichte, die die beiden Kunsthandwerker verband. In einem kurzen, prägnanten Statement, das im Katalog im Original zu sehen ist, drückte Kuch einst dieses große Maß an Gemeinsamkeit und Seelenverwandtschaft beim Erschaffen der Keramik-Werke aus: "Meine Frau ist engagiert in eigener Formfindung, mit und ohne Drehscheibe. Mein Interesse gilt der Glasuranwendung, der keramischen Malerei und der Baukeramik. Unsere Tätigkeiten überschneiden und ergänzen sich. Eine gute Konstellation."

Kein Wunder, dass er das Arbeiten nach dem Tod seiner Frau und Arbeitskameradin, die nicht nur mit Ton arbeitete, sondern auch Goldschmiedin war, gänzlich einstellte. Eine Fortführung wäre nie möglich gewesen, außerdem "war es ja auch an der Zeit, Schluss zu machen".

Auch im Museum zu sehen: Doppel-Dose des Ehepaars Kuch, 1989, Steinzeug, Montage aus Tonplatten, mit Engoben bemalt. Könnte als Sinnbild des gemeinsamen Schaffens gesehen werden.

22.10.2020 © privat


Zahlreiche Schauen und Preise

Die Listen in den Katalogen, die üblicherweise die Ausstellungstätigkeiten und Auszeichnungen der Kunstschaffenden dokumentieren, sind im aktuellen Katalog zur Erlanger Ausstellung lang, sehr lang. Ihr schönster Erfolg, so erzählten sie einmal, seien die beiden Goldmedaillen gewesen, die sie beim Internationalen Wettbewerb im italienischen Faenza, dem Mekka der Keramikkunst, erzielten.

Die Erlanger Schau wird nach Ablauf ihrer Frist aufgelöst, so Kuch, der nicht ganz sicher ist, was mit den vielen Töpfer-Arbeiten geschehen wird. "Ein paar werden sicher in Erlangen bleiben", glaubt er, und wer sich ernsthaft interessiert, kann auch Teile erwerben. Die große Masse werden eines Tages die beiden Kinder erben. Auch was mit der Werkstatt an sich geschieht, ist noch unklar. Sie enthält Spezialanfertigungen von Brennöfen, die nicht einfach herausgeholt und weiter veräußert werden können. Dennoch sieht Kuch die Zukunft der Exponate gelassen: "Die werden ihren Weg schon machen", ist er sich sicher.

Elly Kuch bei der Arbeit.

22.10.2020 © privat


Trotz der vielen schönen Erlebnisse, die er im Arbeitsleben schon zusammen mit seiner Frau erfahren durfte, merkt man ihm an, dass er sich über die Anfrage zur Ausstellung in Erlangen sehr gefreut hat, obwohl coronabedingt lange offen war, ob sie denn überhaupt stattfinden kann. Die Eröffnung vor knapp zwei Wochen hat man in zwei Veranstaltungen gegliedert, und trotzdem waren es noch "viel zu viele Anmeldungen". Auf die Frage, ob er mit der Vernissage und den Grußworten zufrieden gewesen sei, schmunzelt er: "Wer ist gegen seine Lobpreisung?" Doch ernsthaft bemerkt er, dass die Resonanz bei den Besuchern nicht besser hätte sein können. Und selbstverständlich freut er sich über die Art der Präsentation, die seine für gewöhnlich in der Werkstatt gelagerten Stücke enorm aufwerte.

Amüsiert stellt er schließlich fest, dass Dr. Herbert Kurz, der Leiter des Kunstmuseums Erlangen, in seiner Einführung trotz der Bitten, ihn doch eher als professionellen Handwerker zu sehen, immer wieder von Kunst und Künstlern sprach. Daran sollte sich Keramiker Kuch allerdings längst gewöhnt haben: Den "Künstler" wird er nicht mehr los. Zurecht.

Gisa Spandler

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