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Feucht: Jörg Kotzur sieht sich als parteiloser Bürgermeister

SPD hatte 45-Jährigen zum Kandidaten gemacht - Gemeinderat soll Parteigrenzen überwinden - 01.04.2020 14:29 Uhr

In der Bundespolitik hält Jörg Kotzur zur SPD, im Lokalen aber schätzt er seinen Status als Parteiloser. © Mat Goehmann


Es ist spät am Wahlabend, nicht mehr lange bis Mitternacht. 270 Whatsapp-Nachrichten hat Jörg Kotzur bereits auf seinem Handy, dazu unzählige Facebook-Kommentare und -Reaktionen. Da wendet sich der neu gewählte Bürgermeister bei Facebook erstmals an die Feuchter Bürger. Er dankt für Vertrauen und Unterstützung und er gibt ein Versprechen – an die Mitglieder des künftigen Marktgemeinderats: „Wir werden miteinander die Zukunft Feuchts gestalten.


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“Mit jeder Glückwunsch-Nachricht versteht Kotzur ein bisschen mehr, was sich da am Sonntagabend ereignet hat. „Es wird langsam greifbarer“, sagt er am Morgen danach. Das Feedback nach Bekanntgabe des Ergebnisses sei gigantisch gewesen, er könne sich gar nicht bei allen persönlich bedanken. Ganz vorne bei den Gratulanten waren freilich die Vertreter der SPD. Sie hatten den parteilosen 45-Jährigen schließlich zu ihrem Kandidaten gemacht.

"Überparteilicher Repräsentant der Bürger"

„Ich möchte mich als überparteilicher Repräsentant der Bürger verstehen und parteipolitisch weitestgehend neutral zeigen“, sagte Kotzur schon bei seiner Nominierung im Mai 2019 und appellierte damals: „Auch die Ratsmitglieder sollen einmal die Parteibrille abnehmen. Es kann nicht im Sinne einer an der Sache und den Interessen der Bürgerschaft ausgerichteten Politik sein, Vorschläge nur deshalb abzulehnen, weil sie von der anderen Seite kommen.

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“Im neuen Marktgemeinderat werden sieben Parteien vertreten, sieben Parteigrenzen zu überwinden sein. Hinter CSU (9) und SPD (6) teilen sich Grüne (4), Freie Wähler (2) sowie Franken, UCS und FDP (je 1) die Sitze. Da sich Kotzur selbst - trotz SPD-Unterstützung - keiner Parteifarbe zugehörig fühlt, nimmt er die Zersplitterung im Sitzungssaal gelassen. Und freut sich, dass ihn Nachrichten und Anrufe aus verschiedenen Lagern erreicht haben.


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Unter anderem wählten bereits Birgit Ruder (Freie Wähler) und Oliver Siegl (CSU) Kotzurs Nummer. „Das freut mich wirklich sehr“, sagt der erste Moosbacher Bürgermeister in der Geschichte der Marktgemeinde.

Fraktionsdisziplin aufzulösen

In der großen Politik fühlt er sich zwar den Linken und Sozialen innerhalb der SPD zugehörig. „Aber auf Gemeindeebene hat das nicht die große Bedeutung, da geht es um andere Themen“, sagt Kotzur und zeigt auch nach der Wahl kein Interesse an einem Parteibuch.

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Er befinde sich einfach „mit keiner Partei zu 100 Prozent auf einer Linie“. Sein Ziel ist, Parteigrenzen und Fraktionsdisziplin aufzulösen.In der Diskussion um den neuen Flächennutzungsplan demonstrierte er diese Herangehensweise bereits, als er sich - anders als die Mehrheit der SPD im Gemeinderat - für den Erhalt des Wäldchens am Josef-Schlosser-Weg aussprach.


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„Da deckt sich meine Meinung mit der der Grünen“, meint Kotzur, „aber es wird sicher auch Themen geben, wo ich bei der CSU sein werde“. Eine gute Idee sei für ihn eine gute Idee – egal, aus welcher Richtung sie kommt. „Ich erwarte von dem Gremium, dass es über Parteigrenzen hinwegdenkt, dass es nicht im Sinne der Partei, sondern im Sinne der Bürger entscheidet.“

Junge Kandidaten kommen nicht zum Zug

Als Herausforderung sieht er in diesem Zusammenhang die vielen erfahrenen Mitglieder des Gemeinderats. Die Neuen teilten seine Ansicht des überparteilichen Austauschs bereits, „die Älteren werden wir noch davon überzeugen, dass das der richtige Weg ist“. Dass ausgerechnet die SPD mit Inge Jabs, Hannes Schönfelder, Lothar Trapp, Ernst Klier und Petra Fischer reichlich (Lebens-) Erfahrung aufbietet, bedauert Kotzur ein wenig.

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Nicht der Erfahrung wegen, denn diese schätze er natürlich. Ebenso wie die geleistete Arbeit in der Vergangenheit. Sondern wegen der jungen Kandidaten, die auf der Liste gut positioniert waren, von den Wählern aber nicht berücksichtigt wurden. „Man kann nur das Angebot machen“, sagt Kotzur, „doch was zählt, ist der Wille der Wähler“.

Christian Geist

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