Forderungen nach Sachkundenachweis

Gassi gehen nur mit Führerschein?

18.5.2021, 11:55 Uhr
Haben Frauchen und Herrchen ihren Hund unter Kontrolle oder macht der Vierbeiner nur das, worauf er selbst Lust hat? Ein Hundeführerschein soll Ersteres in manchen Bundesländern sicherstellen.

Haben Frauchen und Herrchen ihren Hund unter Kontrolle oder macht der Vierbeiner nur das, worauf er selbst Lust hat? Ein Hundeführerschein soll Ersteres in manchen Bundesländern sicherstellen. © Christian Müller - stock.adobe.com

Seit Beginn der Pandemie wünschen sich immer mehr Menschen einen Begleiter durch den öden Alltag. Damit auch alle potenziellen Hundehalter wissen, was mit einem Tier auf sie zukommt, wollen einzelne Bundesländer einen theoretischen und praktischen Sachkundenachweis für Hundehalter einführen. In Niedersachsen gibt es den Hundeführerschein bereits, Baden-Württemberg steht kurz davor, in Bayern ist er freiwillig. Obwohl eine Statistik des Bayerischen Innenministeriums einen starken Anstieg von Beißattacken verzeichnet.

Tanja Hühnken, Vorstand für Hunde im Tierheim Feucht, spricht sich für die Einführung des verpflichtenden Sachkundenachweises auch in Bayern aus. "Es ist nicht nur gut für den Hund, sondern auch für den Halter und die Mitmenschen." Auch der kleinste Hund könne beißen und teilweise seien kleine Hunde schlimmer als die großen. "Bei Hunden ist es wie bei allen Lebewesen, jeder hat seinen eigenen Charakter", erklärt sie. Bis jetzt habe sie noch nie große Sorgen gemacht, weil das Tierheim Feucht bei der Vermittlung von Tieren aufpasse und viele Aspekte berücksichtigt. Positiv sehe sie außerdem, dass Halter, die einen Sachkundenachweis haben, sich eventuell intensiver mit der Materie auseinandersetzen und alle Faktoren berücksichtigen.

Hundetrainer sind einer Meinung

"Zum Autofahren braucht man ja auch einen Führerschein", erklärt Konstanze Bräunig, Hundetrainerin aus Schwarzenbruck. Sie ist schon seit Jahren eine glühende Verfechterin des Hundeführerscheins und bietet in Zusammenarbeit mit einer Gutachterin den freiwilligen Kurs an. "Ich habe erlebt, wer sich alles einen Hund zulegt und oftmals passt es einfach nicht." So gehört ein Hütehund eben nicht in eine kleine Mietwohnung im fünften Stock und ein Husky wird bei einem älteren Halter, der schlecht zu Fuß ist, auch nicht glücklich.

Der Hundeführerschein soll bescheinigen, dass der Halter seinen Hund im Alltag unter Kontrolle hat und dass sein Hund weder Menschen noch andere Tiere gefährdet. Im theoretischen Teil sind unter anderem grundlegende Kenntnisse zu Hundeerziehung und -verhalten zu belegen. Käme der Schein verpflichtend, "wäre das am Anfang natürlich auch etwas mehr Arbeit für Hundeschulen und Tierheime, das würde sich aber schnell einpendeln", sagt Bräunig. Den Einwand der Kosten verstehe sie auch nicht: "Es handelt sich um einmalige Kosten von 150 bis 200 Euro, das ist vertretbar." Wenn der Halter sich auch nach absolviertem Hundeführerschein in gewissen Situationen überfordert fühle, sei immer noch das Angebot von Hundetrainern gegeben. "Wir stehen bei Fragen und Unsicherheiten natürlich weiterhin tatkräftig zur Seite."


Hundeführerschein: Brauchen wir das?


So sieht das auch die Feuchter Hundetrainerin und –psychologin Claudia Gebhardt: "Einen Hundeführerschein fände ich gut, allein weil dadurch schon viel Wissen vermittelt wird." Der Halter könne besser lernen, den eigenen Hund zu lesen. Sie bietet Kurse in der Reithalle in Altdorf an und sei positiv überrascht, wie interessiert die Teilnehmer seien. Der Hundeführerschein sollte ihrer Meinung nach rasseunabhängig sein. "Von Chihuahua bis zur Deutschen Dogge, jeder Hund hat ein anderes Verhalten."

Welpen wie "warme Semmeln"

Insgesamt sehe sie einen Hundeführerschein als eine Erleichterung für die Arbeit der Hundetrainer und Tierheime. Außerdem sei es in der jetzigen Zeit, in der der Hundemarkt über Ebay und ähnlichen Plattformen boomt, eine wichtige Maßnahme. "Seit Corona kaufen die Leute Hunde wie warme Semmeln", erzählt Gebhardt. Wenn die Halter einen Hundeführerschein absolvieren würden, seien sie für die Zukunft möglicherweise sensibilisiert und abgeschreckt.

Thore Herzog und seine junge Hündin Malina hätten nichts gegen einen Hundeführerschein einzuwenden.

Thore Herzog und seine junge Hündin Malina hätten nichts gegen einen Hundeführerschein einzuwenden. © Johannes Gurguta

Auch bei einer kurzen Umfrage auf einer beliebten Feuchter Gassirunde kommt der Hundeführerschein gut an. "Ich kenne den Hundeführerschein aus anderen Städten und finde die Idee super, sowohl für das Tier, als auch für den Halter", sagt beispielsweise Harald Zuber, der seine Hündin Mandy gerade durch den Eichenhain führt. Und Thore Herzog, dessen Hündin Malina noch ein Welpe ist, findet, ein Hundeführerschein sei vor allem bei großen Hunden und für Halter mit vielen Tieren sinnvoll. Gegen den Schein spricht sich von rund einem Dutzend Hundehaltern an diesem Nachmittag fast niemand aus. Nur ein, zwei Gassigeher finden, der Führerschein sollte freiwillig bleiben. Wenn der eigene Hund Probleme mache, könne man schließlich eine Hundeschule aufsuchen.

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