Projekt in der Schule

Graffiti statt Abschlussfahrt: Schüler zeigen ihre Kreativität

15.6.2021, 19:57 Uhr
Die Sozialpädagogin Miriam Eichmüller gibt den Schülerinnen Raum, sich zu entfalten.

Die Sozialpädagogin Miriam Eichmüller gibt den Schülerinnen Raum, sich zu entfalten. © o.n.

Keine Projekttage und keine Abschlussfahrt dieses Jahr. Die Abschlussklasse der Staatlichen Realschule Feucht muss wegen der Pandemie dieses Jahr auf vieles verzichten. „Es ist traurig, ihnen wurde so viel genommen, vor allem das soziale Miteinander ist für Schüler das Wichtigste“, erzählt Miriam Eichmüller, Sozialpädagogin, passionierte Graffitikünstlerin unter dem Namen fux_art und seit einem Jahr Workshopleiterin an der Schule.


Die gebürtige Nürnbergerin ist in Altdorf aufgewachsen und selbst zur Realschule in Feucht gegangen. Daher habe sie sich sehr gefreut, die pädagogische Stelle, die von der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) des Landratsamts Nürnberger Land bereitgestellt wurde, anzunehmen. Die JaS wird staatlich gefördert und setzt sich für psychosoziale Belange bei Schülern ein.


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Dieses aktuelle Projekt soll ein buntes Denkmal setzen und verbindet Miriam Eichmüllers Hobby mit ihrem Beruf. „Die Schülerinnen sollten ihre Lebenswelt in einem Graffiti darstellen“, erklärt sie. Damit könne Raum für ihre Kreativität geschaffen werden und gleichzeitig sollten sie künstlerisch ihre Empfindungen in dieser pandemiegeprägten Zeit darstellen. Doch bevor die Wand des Basketballplatzes auf dem Schulgelände gestaltet wurde, musste ein Konzept erarbeitet werden. „Ich war beeindruckt, mit was für coolen Ideen die Mädels ankamen“, erzählt Eichmüller glücklich.

Natur, Gesellschaft, Videospiele

Auf die grundsätzliche Fragestellung, was Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 geholfen habe, den Corona-Alltag zu meistern, seien die Themen Natur, Gesellschaft und Videospiele im Vordergrund gewesen. Diese Punkte wurden in einem Bild vereint, das als Vorlage für das Graffiti diente. Besonders hervorzuheben ist, dass die Schülerinnen das Bild frei Hand an die Wand sprühen sollten. Das sei eine besondere Herausforderung, weil Hilfsmittel wie Beamer und Schablone das Vorhaben vereinfacht hätten.
„Für das Projekt haben sich fünf Zehntklässlerinnen freiwillig gemeldet“, sagt Eichmüller.

Am Ende erschienen vier davon, was im Hinblick auf die Hygieneregelungen auch ausreichend gewesen sei. Das finale Graffiti stellt ein sehr klassisches Szenario dar: den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Auf der linken Seite des Bildes sieht man eine kleine Welt, auf der ein Atomkraftwerk, ein Auto und ein Dollarzeichen zu sehen sind. „Das repräsentiert das Kaputte und was falsch läuft in unserer Welt“, erklärt die Sozialpädagogin. Gegenüber, auf der rechten Seite, prangt die große „gesunde Welt“, mit satten Farben und einem Herz, einem Friedenszeichen und dem Yin- und Yang-Symbol aus der chinesischen Philosophie.

Im Weltall dazwischen fliegen Corona-Viren umher, der Kampf zwischen den Welten wird durch Ranken und Feuer dargestellt, und zwei Figuren aus dem populären Videospiel „Among Us“ schweben von der gesunden Welt in Richtung der kranken.

"Anstrengender als erwartet"

Auf den beiden Seiten stehen noch die Namen der Künstlerinnen und englische Sprüche. Einer davon heißt übersetzt: „Wir sind auch ein Teil dieser Gesellschaft. Sei der gute Teil.“ Miriam Eichmüller ist begeistert von den nachdenklichen, gesellschaftskritischen und tollen Ideen der Schülerinnen. „Selbstverständlich gewinnt die gesunde Welt dank der Kraft der Natur den Kampf“, erklärt sie. Auch die Schülerinnen waren von der Aktion begeistert. „Es war anstrengender als erwartet, aber eine tolle Erfahrung“, sagt die Abschlussklässlerin Tatjana. Immerhin habe das Sprühen den ganzen Tag, in der prallen Sonne und mit Maske, in Anspruch genommen. Die Schülerin Vera spricht die Problematik der Jugend an: „Ich finde es cool, die Möglichkeit gehabt zu haben, der Welt die Sichtweise unserer Generation zu präsentieren.“

Auch Schulleiter Christian Schütz unterstützt derartige Projekte. „Monatelang war die Schule wie ein Haus ohne Leben“, erklärt er. Er freue sich sehr über die Idee mit dem Graffiti und der ausgearbeitete Entwurf habe ihm auch sehr zugesprochen. „Das Graffiti ist etwas Bleibendes und ein Fußabdruck der Abschlussklassen.“ Auch wenn bei der Aktion nicht viele Personen beteiligt waren, sei er froh dass es langsam wieder aufwärts geht. Allgemein müsse der soziale Aspekt an Schulen in den kommenden Monaten wieder massiv aufgewertet werden. „Das ist neben dem Lernerfolg das Wichtigste.“

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