Dienstag, 22.10.2019

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Hochzeit im Krankenhaus: Paar heiratet in Rummelsberg

Querschnittsgelähmter machte Freundin vor versammelter Station einen Antrag - 04.07.2019 12:57 Uhr

Josef und Christina Rappel sorgten mit ihrer Hochzeit am Krankenhaus Rummelsberg für eine Premiere: Zum ersten Mal läuteten dort in der Laurentiuskapelle die Hochzeitsglocken. © Dominik Kranzer


Blechdosen hängen am Elektrorollstuhl von Josef Rappel, ein Herz mit "just married"-Aufschrift ziert sein Gefährt, im Saal sind rote Luftballons verteilt. Auch wenn ein Krankenhaus zunächst nicht der ideale Ort zu sein scheint, um den richtigen Rahmen für eine Hochzeitsfeier zu bieten - Josef Rappel wollte genau hier heiraten. "So etwas habe ich woanders noch nie erlebt, wie sich hier alle einbringen", erklärt der 63-Jährige. Die komplette Station habe mitgeholfen, um die Trauung möglich zu machen, die Feierlichkeiten organisiert, sogar die Hochzeitstorte gebacken.

Einige Wochen zuvor hatte Rappl seiner Freundin Christina den Heiratsantrag gestellt – an deren 70. Geburtstag vor versammelter Station. "Sie konnte quasi gar nicht nein sagen."

Premiere für das Klinikum

"Eine Trauung hat es bis dato im Krankenhaus noch nie gegeben", sagt Klinikseelsorger Walter Pfeufer. Die Premiere ging allerdings offenbar zu voller Zufriedenheit aller Beteiligten über die Bühne, wie das Krankenhaus schreibt. Nach dem Besuch auf dem Standesamt fand in der Kapelle des Krankenhauses ein Segnungsgottesdienst für die frisch Vermählten statt.

Seit 20 Jahren sind Josef und Christina Rappel ein Paar, kennengelernt hatten sie sich bei einer Single-Party in Neumarkt. Dann überraschte Josef Rappl am 7. August 2018 ein schwerer Unfall. Der 63-Jährige wurde mit seinem Roller von einem Omnibus erfasst, lag vier Wochen im Koma. Seitdem ist der Beratzhausener querschnittsgelähmt, seit November verbringt er seine Tage im Querschittzentrum in Rummelsberg. Seine Christina besuchte ihn dort täglich - und irgendwann reifte in ihm der Entschluss, seine Freundin heiraten zu wollen.

Mit dem ASB-Bus ins Standesamt

Im geschmückten Bus des Arbeiter-Samariter-Bundes ging es laut hupend vom Krankenhaus ins Standesamt und dann wieder zurück. Bruder Pfeufer hielt im Anschluss einen Segnungsgottesdienst vor Verwandten und Mitarbeitern der Klinik ab, bevor es dann zu den Feierlichkeiten in den ehemaligen Speisesaal ging. Wann Rappl aus dem Krankenhaus entlassen werden kann, steht noch nicht fest. Ein Ziel hat er sich für die Zeit danach schon gesetzt: "Ich möchte mal wieder ins Stadion." Wen der eingefleischte Bayern-Fan da mitnehmen will? Ganz klar: "meine Christina".

jru

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