Wirbel um das 150 Hektar große Gelände

ICE-Werk: Bahn will Muna-Areal von Kampfmitteln befreien - aber nicht dafür zahlen

5.7.2021, 13:07 Uhr
Die farblich markierten Bereiche zeigen die Flächen, die die Bahn untersucht. Das Werk selbst benötigt nur einen Bruchteil des jeweiligen Gebietes: nämlich 35 bis 45 Hektar.

Die farblich markierten Bereiche zeigen die Flächen, die die Bahn untersucht. Das Werk selbst benötigt nur einen Bruchteil des jeweiligen Gebietes: nämlich 35 bis 45 Hektar.

Mit 15 Minuten Verspätung gilt ein ICE noch als pünktlich. Diese Latte hat die Bahn in ihrem Online-Bürgerdialog schon mal gerissen. Es dauerte fast 20 Minuten, bis alle technischen Probleme gelöst und alle interessierten Feuchter Moderator Dr. Michel-André Horelt und DB-Projektleiter Carsten Burmeister nicht nur sehen, sondern auch hören und via Chat ihre Fragen stellen konnten.

Nach einer allgemeinen Einführung zum geplanten ICE-Werk ging es an dem Abend in erster Linie um Fragen zum Standort Muna sowie das Gelände südlich davon. Als Vorteile beider Standorte führte Burmeister die Nähe zum Hauptbahnhof, die Anbindung an die Schnellstrecke nach München sowie - aus Lärmschutzgründen - die Lage zwischen den drei Autobahnen A6, A9 und A73 an. Die Muna selbst biete zudem einen „großen gesellschaftlichen Vorteil“. Denn aktuell gehe ein Risiko durch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg aus. Dieses ließe sich durch eine Räumung des gesamten Geländes beheben. Dem gegenüber steht die Rodung einiger Hektar Bannwald. Laut Burmeister ein großer Nachteil, den es aber abzuwägen gilt.

Gutachten bleibt unter Verschluss

Stefan Pieger und Christian Fries hakten an dieser Stelle ein und wollten wissen, wer die Räumung bezahlt und ob auch wirklich das gesamte Gebiet von Kampfmitteln befreit werde. Burmeister räumte ein, dass die Bahn ihr Werk nur als Stein des Anstoßes betrachtet. „Die Bahn kann nicht verantwortlich gemacht werden für die Räumung von 150 Hektar, die wir gar nicht benötigen.“


Weitere Untersuchungen auf dem Muna-Areal gefordert


Obgleich er darauf keinen Einfluss hat, könne sich Burmeister den nicht benötigten Teil der Muna als Naherholungsgebiet vorstellen. Derzeit untersuchen externe Dienstleister das Gelände auf Kampfmittel, aber auch auf das Vorkommen möglicher geschützter Tier- und Pflanzenarten. Ob eine Räumung möglich, ob dazu der gesamte Wald gerodet werden muss und was das alles kostet? Das werden Gutachten zeigen, die im Herbst vorliegen sollen. Gerade das Gutachten zu den Kampfstoffen aber wird laut Burmeister nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Die Bahn habe hier eine Verschwiegenheitserklärung abgegeben.

An den Straßenverkehr angebunden werden könnte der Standort Muna über den nördlich angrenzenden Gewerbepark, der Standort Muna-Süd über die A73-Abfahrt Langwasser. Für die rund 450 Mitarbeiter des Werks denkt man bei der Bahn zudem über einen Shuttleservice vom Bahnhof Feucht nach. Burmeister versicherte an dieser Stelle auf Nachfrage von Eva Kopf, dass das Werk keinen Einfluss auf den Takt der S-Bahn haben werde. Die ICEs erreichten und verließen das Werk ausschließlich über die Münchner Schnellstrecke.

Keine Lärmbelastung für Anwohner

Mehrere Fragen aus dem Chat zielten auf eine mögliche Lärmemission des Werks ab. Als einzige ernstzunehmende Lärmquelle hat Burmeister die Tests der Hupe ausgemacht. Er versprach, dass es zu keinem Überschreiten der Grenz- und Richtwerte und zu keiner zusätzlichen Störung der Anwohner, beispielsweise in der Weißensee-Siedlung, kommen werde. Falls nötig, werde der entsprechende Bereich „mit Lärmschutzwänden eingehaust“. Im Chat wurde daraufhin kritisiert, dass die Menschen in Köln-Nippes unter erheblichem Lärm leiden. In Köln aber handelt es sich laut dem Bahnsprecher nicht um Wohngebiete und deshalb gelten dort andere Grenzwerte.

Alle Fragen, die in den 90 Minuten nicht aufgegriffen wurden, will die Bahn in den kommenden Wochen online unter www.ice-werk-nuernberg.de beantworten.

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