Mittwoch, 03.03.2021

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Moosbacher Geflügelwirt sucht Alternativen zum Kükenschreddern

Andere Wege sind oft kompliziert und zeitaufwändig - 25.01.2021 13:47 Uhr

Ab 2022 dürfen männliche Küken nicht mehr gleich nach dem Schlüpfen getötet werden.

23.01.2021


Egal was nun zuerst da war, Fakt ist: Wer Eier will, braucht Hühner. Die wirtschaftlich besten Ergebnisse erzielen speziell dafür gezüchtete Legerassen. Die Hennen werden in Brütereien ausgebrütet und legen nach ihrer Aufzucht etwa ein Jahr lang fleißig Eier. Dafür sind die Vögel allerdings nur schlecht zu mästen, die Hähne setzen kaum Fleisch an. Da sie nicht zur Mast taugen, werden die Männchen gleich nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet – in der Regel mit Kohlendioxid. In Deutschland ist dieses Verfahren derzeit noch gängige Praxis.

Ab 2022 ist Schluss damit. Im September vergangenen Jahres hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt, diese Woche hat sie ihn als nächsten Schritt im Kabinett vorgestellt. Alternativen zum Kükentöten gibt es natürlich. Doch auch sie haben ihre jeweiligen Tücken.

Das doppelt genutzte Huhn

Alternative eins, die Zweithuhnnutzung. Die Idee ist, weg von den klassischen Lege- und Fleischrassen zu gehen und sich auf Züchtungen zu konzentrieren, die beides liefern: Hennen, die halbwegs produktiv Eier legen und Hähne, die genug Fleisch ansetzen, sodass sie als Brathähnchen verkäuflich sind. Auf dem Papier hört es sich gut an, doch Geflügelwirt Daniel Rupprecht aus Moosbach hat keine guten Erfahrungen damit gemacht.

Seit gut eineinhalb Jahren zieht Daniel Rupprecht auf seinem Geflügelhof in Moosbach auch Bruderhähne groß. Archivfoto: Alex Blinten

"Eigentlich klingt das gut, also wollten wir es ausprobieren und haben versuchsweise welche auf den Hof geholt", sagt er. "Aber es hat nicht geklappt. Sie fressen zu viel, legen zu kleine Eier. Es ist aus Produzentensicht einfach nicht machbar", bedauert der Moosbacher. "Außerdem waren sie wahnsinnig dumm. Ich weiß nicht, ob das immer so sein muss, aber unsere haben ihre Eier immer einfach irgendwo hin gelegt, nur nie ins Nest", berichtet er und lacht. "Das geht auf Dauer nicht. Konzept Zweitnutzungshuhn muss ich leider kritisch sehen", fasst Rupprecht zusammen. Als realistische Alternative für die große Masse der Branche sei diese Option weit entfernt.

Ethisches Handeln hat seinen Preis

Alternative zwei, die Bruderhahnaufzucht. Die männlichen Geschwister der Legehennen werden trotzdem groß gezogen. Das Problem: Rentabel ist die Aufzucht nicht. Es wird viel Futter benötigt für wenig Fleisch, dieses taugt allerdings eigentlich nur für verarbeitete Produkte. Weil es sich kaum lohnt, sind viele Produzenten skeptisch. Rupprecht jedoch hat etwas für die mageren Hähnchen übrig, deren Schwestern so hervorragend Eier legen.

Seit gut eineinhalb Jahren hält der junge Moosbacher Geflügelzüchter Bruderhähne. Die Aufzucht ist zwar teurer als die der Hennen, doch für Rupprecht ist es dennoch kein Verlustgeschäft. Er hat einen festen Kundenstamm, der die Tiere abnimmt, wenn sie nach vier bis fünf Monaten schlachtreif sind. Es ist in erster Linie asiatische Kundschaft, die das Fleisch der männlichen Tiere besonders schätzt. "Wir haben Kunden, die Restaurants betreiben und Privatleute", erzählt er. Dabei nehmen asiatische Gastronomen auch schon einmal 50 Tiere auf einmal ab. "Offenbar eignet sich das Fleisch der Bruderhähne ganz besonders für die asiatische Küche", sagt Rupprecht. Geschlachtet werden die Tiere auf dem Geflügelhof ab einem Alter von vier Monaten Stück für Stück.

Die Mehrkosten der Bruderhahnaufzucht muss Rupprecht auf den Eier-Preis umschlagen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Als kleinem regionalem Anbieter mit treuen Kunden ist ihm das möglich. Dass große Konzerne sich dafür begeistern, kann er sich jedoch kaum vorstellen.

Auslese vor dem Schlüpfen

Alternative drei, Geschlechtserkennung im Ei. Dieses Konzept kommt in Klöckners Gesetzesentwurf zum Tragen, an das sich ab 2022 alle Züchter halten müssen: Lange bevor die Küken nach 21 Tagen Brutzeit schlüpfen, wird bestimmt, welche Embryonen männlich und welche weiblich sind. Ausgebrütet werden nur die Legehennen. Die Eier mit männlichen Embryonen werden aussortiert – im Idealfall so früh, dass sie davon nichts spüren. Die angebrüteten Eier werden dann zu Futtermitteln verarbeitet.

Technisch möglich ist eine Geschlechtsbestimmung derzeit innerhalb des neunten bis vierzehnten Bebrütungstages. Schmerzempfindlich sind die Küchenembryos im Ei aber schon ab dem siebten Tag. Der Gesetzentwurf der Landwirtschaftsministerin sieht deshalb eine Verschärfung für das Jahr 2024 vor. Ab dann müssen männliche Embryonen vor dem siebten Bruttag aussortiert werden.

An sich eine gute Methode, findet Rupprecht. Besonders in der Kombination mit Bruderhähnen. Trotz der Aussage des Ministeriums, dass alternative Verfahren marktreif seien, um das Geschlecht im Ei zu bestimmen, ist der Moosbacher etwas skeptisch, ob es bis Anfang 2024 auch wirklich möglich sein wird, es auf nur sechs Tage alte Embryonen anzuwenden. "Wenn das funktioniert, sehr gerne", sagt er und räumt ein: "Es ist ja auch noch ein wenig Zeit bis dahin." Wichtig sei allerdings, dass sich das Verfahren auch für kleine mittelständische Brütereien, wie die von der er die Küken bezieht, lohne, findet er.

Dass das Gesetz gegen das routinemäßige Töten der Eintagesküken kommt, begrüßt Rupprecht jedenfalls: "Ich finde es sehr gut, dass es auch in der Politik ein Umdenken in Richtung mehr Tierwohl gibt, das auch leistbar ist."

Magdalena Gray

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