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Nürnberger Sportlehrer erklärt Volontärin das Cross-Skaten

Der Feuchter organisiert die Deutsche Meisterschaft des Ausdauersports - 03.10.2019 16:18 Uhr

Arnd Schneider, Sportlehrer am Neuen Gymnasium Nürnberg, ist leidenschaftlicher Cross-Skater. Fast jährlich organisiert der Feuchter die Deutsche Meisterschaft des Ausdauersports. © Christian Geist


Wenn man nur gemütlich an seinem Schreibtisch in der Redaktion sitzt, ist es egal, ob man nur eine Knusperstange und eine Birne zu Mittag isst und sich sonst tagsüber hauptsächlich von Tee ernährt. Wenn man sich aber mit Arnd Schneider zum Cross-Skaten trifft, sollte man mehr in Reserve haben. Das werde ich buchstäblich am eigenen Leib erfahren.

Schneider, seines Zeichens Sportlehrer am Neuen Gymnasium Nürnberg, ist leidenschaftlicher Cross-Skater. Fast jährlich organisiert der Feuchter die Deutsche Meisterschaft des Ausdauersports. Sie findet am kommenden Sonntag im Feuchter Forst statt.

Zwei Räder, prall aufgepumpt

Wir treffen uns auf dem Feuchtasia-Parkplatz für erste Trockenübungen, bevor es ins Gelände geht. Schneider zeigt mir die Grundausrüstung. Die Cross-Skates oder Skikes haben im Gegensatz zu Inlinern nur zwei Räder. Die Reifen messen gut 15 Zentimeter und sind mit sechs bis acht Bar zwar prall aufgepumpt, aber dennoch flexibler und weicher als Vollgummi oder gar Plastik. Das Radlager ist wasserdicht und gut gegen Schlamm oder Dreck geschützt. Skikes besitzen keinen integrierten Schuh, sondern nur eine Halterung, in die mit Klettverschlussriemen ein beliebiger Sportschuh geschnallt werden kann.

Schneider hilft mir beim Anlegen und schon stehe ich etwas wacklig auf meinen vier Rollen. Wir üben zunächst das Anschieben und Rollen ohne Stöcke. Es ähnelt dem Freistil beim Langlauf. Wichtig dabei: locker in den Knien bleiben und so lange wie möglich auf einem Skate gleiten. „Das ist effizienter und spart Energie“, erklärt Schneider. Soviel zur Theorie. In der Praxis hopse ich hektisch von einem Fuß auf den anderen, versuche dabei Tempo zu kriegen, in den Kurven nicht umzufallen und vor Lachen noch Luft zu bekommen.

Mit 30 Sachen durch den Feuchter Forst

Reine Geschwindigkeit steht beim Skiken zwar nicht im Vordergrund, aber 20 bis 30 Kilometer pro Stunde schaffen Sportler durchaus. Bergab sei er bei einem Rennen sogar gute 50 km/h schnell gewesen, erzählt Schneider. Daher die nächste Lektion: Bremsen. Die Cross-Skates verfügen beidseitig über eine Rückfallbremse. Ich schiebe zum Test ein Bein leicht nach vorne, schon blockiert das Hinterrad. Alles klar, klappt.

Wir probieren Stockeinsatz, zunächst die einfache 2:1-Technik. Zwei Schübe mit den Skates kommen auf einen Schub mit beiden Stöcken. Der Bewegungsablauf ist erstaunlich vertraut: Er erinnert mich ans ungeduldige Anschieben beim Abfahrtsski auf dem Ziehweg. Nur ist es viel anstrengender. Nach wenigen Metern pumpe ich wie ein Maikäfer. Die erste Strähne hat sich aus meinem Zopf unter dem Helm gelöst und klebt mir in der verschwitzten Stirn.

Auf ins Gelände

Cross-Skating ist ganzheitlicher Sport, keine Frage. Bedient werden so gut wie alle Muskelgruppen. Und sie alle fangen schon nach der kurzen Einführung an, sich zu beschweren. Aber das beste kommt noch: Mein Lehrer und ich machen uns auf in's Gelände.

Bestens geeignet sind Wald- und Forstwege. Hier rollt es sich am angenehmsten. Und wirklich, der feste Schotterweg hinter dem Feuchter Freibad bietet einen ganz anderen Spaßfaktor als der asphaltierte Parkplatz. Kleine Steinchen spritzen zur Seite, wenn ich beschleunige und bremse. Tannenzapfen, Zweige und Pfützen fordern Konzentration. Es riecht nach Moos, Erde und gefallenem Laub. „Neben dem Trainingseffekt ist das das Schönste für mich: Das Unterwegssein in der Natur“, sagt Schneider und nimmt einen tiefen Atemzug von der würzigen Waldluft.

Schwindel auf der Wettkampfstrecke

Ich habe den Dreh langsam raus und wir entscheiden uns, zum Abschluss ein Stückchen der Wettkampfstrecke vom Sonntag abzufahren. Nicht zu schnell. Nicht zu weit. Und trotzdem zu viel für mich. Während Schneider ruhig vor mir über den Schotter gleitet, wird mir nach nunmehr knapp einer Stunde Training in seinem Windschatten schwindelig. Die Knusperstange schlägt zurück: Zu niedriger Blutzucker. Kurz vor unserem Ausgangspunkt, dem Parkplatz, muss ich anhalten, mich abstützten und sogar die Skates ausziehen.

Mein Lehrer kümmert sich. Wie ein allzeitbereiter Pfadfinder zückt er ein zerknautschtes Tütchen mit konzentriertem Energy-Gel und reicht es mir. „Einfach in den Mund quetschen“, weist er mich an und lächelt aufmunternd. Das Substrat schmeckt nach Metall und Pfirsich. Und es hilft prompt. Noch ein Schluck Wasser hinterher und die Welt gleitet zurück in ihre Fugen. Alles gut.

Schneider verabschiedet sich und verschwindet mit wenigen kraftvollen Schüben im Wald. Er dreht in Vorbereitung auf seinen Wettkampf noch ein Stündchen seine Runden, während ich mich mit tomatenrotem Gesicht zum Auto schleppe und einen frommen Vorsatz fasse: weniger rauchen, mehr radeln, nachhaltig zu Mittag essen.

Info: Der Startschuss für die Deutsche Cross-Skating Meisterschaft fällt am Sonntag, 6. Oktober, um 10 Uhr. Treffpunkt ist der Waldparkplatz des Feuchter Freibads, Altdorfer Straße 66. Kurzentschlossene können sich noch bis zum Samstag, 5. Oktober, unter www.dm-skike.de anmelden.

Magdalena Gray

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