Freitag, 23.04.2021

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Streit um angeblichen Impftermin eines Feuchter Hausarztes

Mediziner fühlt sich verschaukelt - 09.02.2021 12:09 Uhr

Für sechs Impfungen reicht ein Fläschchen von Biontech. Da kann es durchaus vorkommen, dass zum Impfschluss am Nachmittag noch etwas übrig bleibt.

08.02.2021 © Jochen Tack via www.imago-images.de, imago images/Jochen Tack


Mit seinen Kollegen arbeitet Dr. Kurt Meirer (Name geändert) in einer Feuchter Allgemeinarztpraxis, betreut Pflege- und Seniorenheime und hat täglich Kontakt zu Corona-Patienten. Er gilt damit als priorisiert impfberechtigt. Weil er sich aber schon vor Wochen online registriert und sich seitdem nichts getan hat, greift Meirer am Montag zum Telefon und wählt sich in eine der beiden Hotlines. Er schildert seine Situation und bittet, kurz vor Schließung des Impfzentrums am Nachmittag nach Röthenbach kommen zu dürfen – für den Fall, dass in einer Ampulle etwas übrig bleibt. Denn ein Fläschchen von Biontech reicht immer für genau sechs Impfungen. Der Stoff muss unmittelbar verimpft werden, kann nicht über Nacht aufbewahrt werden. "Da bleibt also immer etwas übrig", meint Meirer.

Die Frau am anderen Ende der Leitung kann er damit offenbar überzeugen. Und so setzt er sich ein paar Stunden später ins Auto. Am Check-In in Röthenbach schildert er seine Situation einer Mitarbeiterin des Malteser-Hilfsdienstes. Diese nimmt - so berichtet es Meirer - seinen Arztausweis und eine Visitenkarte, um beim Leitenden Impfarzt nachzufragen. "Für eine inzwischen hinzugekommene Ärztin war der Sachverhalt logisch und sie sagte, sie würde mich jetzt sofort impfen. Aber der Leitende Impfarzt lasse dies nicht zu, auch wenn übrig gebliebene Impfdosen im Impffläschchen verfallen würden", meint Meirer. Dann kommt besagte Mitarbeiterin zurück, lehnt das Anliegen des Feuchter Mediziners ab und bittet ihn, einen regulären Impftermin zu vereinbaren.

"Wie ein Bittsteller behandelt"

"Man hat mich nicht warten lassen, ob etwas übrig bleibt. Stattdessen wurde ich des Impfzentrums verwiesen. Wie ein Bittsteller wurde ich behandelt", sagt Meirer und erregt sich, dass man ihm nicht einmal den Namen des Leitenden Impfarztes genannt, geschweige denn ein Gespräch mit ihm ermöglicht habe. "Das ist einfach kein kollegiales Verhalten!"

Der Leitende Impfarzt in Röthenbach ist der Laufer Mediziner Dr. Martin Seitz. Das hat inzwischen auch Meirer in Erfahrung gebracht und ihm, Landrat Armin Kroder sowie der Redaktion eine E-Mail zukommen lassen. Die darin genannten Anschuldigungen weist Seitz allesamt zurück. Am Montag habe keine Mitarbeiterin bei ihm um eine Impf-Erlaubnis für den Feuchter Arzt gebeten. "Das liegt auch gar nicht in meiner Entscheidungsgewalt", sagt Seitz.

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Vor der Eröffnung: Ein Blick in das neue Impfzentrum in Nürnberg

In England wird bereits gegen Covid-19 geimpft, weil der Impfstoff dort mittels Notverordnung schon freigegeben wurde. Wann es in Deutschland losgehen wird, ist noch nicht bekannt. Die EU wartet noch auf die Zulassung. Nürnberg ist nun allerdings bereit, wenn der Impfstoff auch in Deutschland eingesetzt werden kann - in der Messe wurde in Impfzentrum eingerichtet. Die Öffentlichkeit hat noch keinen Zutritt, die Fotografen konnten aber bereits erste Blicke hineinwerfen.


Vielmehr sei vom Gesundheitsministerium genau vorgegeben, wer wann geimpft werden darf. "Erst wenn wir mit Krankenhäusern und Seniorenheimen durch sind, ist die nächste Gruppe an der Reihe." Ferner könne er sich nicht vorstellen, dass das Gespräch am Telefon und Meirers Besuch vor Ort so abgelaufen sind, wie sein Berufskollege dies schildert. Er habe den Vorfall dennoch an Verwaltungsleiter Herbert Zinßer von den Maltestern weitergegeben. "Das wird derzeit geprüft."Nun wollte sich Meirer mit seiner Initiative freilich nicht einfach nach vorne mogeln. Vielmehr hat er versucht, sich das Prozedere zu Nutze zu machen, das in anderen Landkreisen an der Tagesordnung ist. Ein Kollege aus Erlangen-Höchstadt nämlich hatte Meirer berichtet, dass er schon zweimal kurz vor Impfende angerufen und gefragt wurde, ob er nicht vorbeikommen wolle, um eine Rest-Dosis zu erhalten. "Warum funktioniert das bei uns nicht?", fragt sich Meirer.

"Nicht ständig bleibt Impfstoff übrig"

Funktioniert schon, entgegnet Seitz. Auch im Nürnberger Land gebe es eine Liste mit Berufsgruppen und Kontaktdaten für solche Fälle. Polizisten stünden zum Beispiel darauf. "Doch man darf sich das nicht so vorstellen, dass da ständig Impfstoff übrig bleibt", sagt der Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, "das sind ab und zu mal ein, zwei Impfdosen". Eine gute Nachricht für seinen Feuchter Kollegen hat Seitz dann doch. Seit Mittwoch nämlich stehen auf den Anruflisten des Impfzentrums auch Hausärzte, die mindestens 60 Jahre alt sind. Auf Meirer trifft das zu. Und ist der Impfstoff von Moderna erst mal im Einsatz, könnten täglich noch etwas mehr Tröpfchen übrig bleiben. Bei dem Vakzin des US-Unternehmens reicht eine Ampulle nämlich für zehn Impfdosen.

Info: Impftermine kann man im Internet unter www.impfzentren.bayern oder unter Telefon 0221/98229703 sowie 116117 vereinbaren.

Christian Geist

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