15°

Dienstag, 22.10.2019

|

Von S-Bahn mitgeschleift: Sicherungen griffen nicht

Tod eines Fahrgastes am Bahnhof in Feucht wirft einige Fragen auf - 02.02.2015 15:01 Uhr

Einsatzkräfte am Gleisbett der S-Bahn in Feucht, kurz nach dem tragischen Unfall. © News5


Sicher ist bisher nur, dass der getötete 46-Jährige an einer Tür des Zuges eingeklemmt war. Ob mit der Hand, mit dem Mantel oder auf andere Weise, ist bisher nicht bekannt. Ein Sprecher der Bahn zeigte sich betroffen über das Unglück, das im Bereich der S-Bahn in der Metropolregion bisher einmalig sei. „Es hat schon Verletzungen durch Stürze bei der Anfahrt eines Zuges gegeben oder Ähnliches, aber nach meiner Erinnerung ist es nie zu so dramatischen Folgen gekommen.“

Geprüft werden muss nun, ob die S-Bahn-Tür mit einer Sicherung ausgestattet war und hätte wieder aufgehen müssen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin vom Montag gibt es hier verschiedene Systeme – je nach Alter und Fabrikat der Züge. Generell schließen die Türen einer S-Bahn nicht, wenn ein größerer Widerstand dies verhindert. Ein in die Tür gestellter Fuß etwa oder ein harter Gegenstand reichen aus, um das Verschließen zu verhindern. Und der Lokführer kann nur dann den Zug starten, wenn der Schließmechanismus gegriffen hat. Während der Fahrt sollen die Türen ja von den Fahrgästen nicht mehr zu öffnen sein, aus Sicherheitsgründen.

Der Bahnsprecher fuhr fort, sollte ein Kleidungsstück wie etwa ein Mantel eingeklemmt gewesen sein, könnte die S-Bahn gestartet sein. In diesem Fall würde sich die Türe korrekt schließen, der Lokführer kann dann rein technisch gesehen mit der Fahrt beginnen. „Aber was genau geschah, wissen wir bisher eben nicht.“ Simone Wiesenberg von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelfranken wies darauf hin, dass es bisher keine konkreten Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe.

Der Fahrgast ist wohl nicht absichtlich oder versehentlich ins Gleisbett gestoßen worden. Endgültig ausschließen kann man dies allerdings erst, wenn die Ermittlungen der Kriminalpolizei und des Gutachters abgeschlossen sind. Weitere Hinweise könnte auch die Obduktion des Verunglückten geben, die am Dienstag stattfindet. Nach Auskunft der Polizeisprecherin stammt das Opfer aus dem Nürnberger Land.

Ein sofortiger Halt durch Ziehen der Notbremse hätte die Situation entschärft. Warum keiner der Fahrgäste die Notbremse betätigte, muss geklärt werden. Entweder hat niemand die kritische Lage erfasst. Oder es wurde bemerkt, aber niemand hat geistesgegenwärtig richtig reagiert. „Leider schauen manchmal die Leute nur hin und handeln nicht“, sagte ein erfahrener Eisenbahner.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde der Zug beschlagnahmt. Die Leiche des Mannes soll am Dienstag obduziert werden. Die Ermittler suchen außerdem nach Zeugen, die den Unfall mitbekommen haben.

Bilderstrecke zum Thema

Von Zugtür eingeklemmt und mitgeschleift: 46-Jähriger stirbt

Die Bahntüren schlossen sich und klemmten einen 46-Jährigen ein. Der Zug setzte sich in Bewegung, der Mann wurde mitgeschleift, geriet unter die Räder und wird überrollt. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.


pa / dpa

13

13 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Feucht