Überschwemmungen

Flut-Katastrophe in Südbayern: Sinkende Pegel machen Ausmaß der Zerstörung sichtbar

19.7.2021, 14:18 Uhr
Der Inn hat die Uferpromenade in Passau überflutet.

Der Inn hat die Uferpromenade in Passau überflutet. © Armin Weigel, dpa

Nach der Hochwasser-Katastrophe am Wochenende im Südosten Bayerns atmen die Menschen jetzt wieder auf. "Wir sind mit Aufräumarbeiten beschäftigt", sagte am Montag ein Sprecher der Feuerwehr Berchtesgaden. Auch die Bundeswehr half mit rund 100 Kräften, Häuser und Straßen von Schlamm, Erde und Geröll zu befreien. Nach heftigen Unwettern mit Starkregen waren manche Orte in der beliebten Urlaubsregion rund um Watzmann und Königssee von Wasserfluten und Erdrutschen regelrecht verwüstet worden.

Auch in der Dreiflüsse-Stadt Passau hatte man sich auf Schlimmeres eingestellt. Donau und Inn stiegen jedoch nicht so stark an, wie befürchtet. Am Montag sank dort der Wasserstand der Donau von Stunde zu Stunde und lag um 11.45 Uhr bei 8,03 Metern, weit unterhalb der höchsten Hochwasserwarnstufe von 8,50 Metern. Auch der Inn bereitete keine Sorgen. Einzelne Bereiche der Stadt wurden zwar überschwemmt. Von katastrophalen Zuständen sei man aber zum Glück noch entfernt, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Ähnlich sah es ein Anwohner. "Das ist an und für sich nichts Tragisches mehr." Schließlich sei Passau eine hochwassererfahrene Stadt.

Anlass zur Hoffnung geben die Wetteraussichten. Bis auf einzelne kurze Schauer soll es in den kommenden Tagen trocken bleiben. Unwetter seien derzeit nicht in Sicht, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Stattdessen schien die Sonne.

160 Menschen mussten ihre Häuser verlassen

Doch noch gibt es für viele Menschen etwa in Berchtesgaden, Schönau am Königssee, Ramsau, Bischofswiesen und Markt Schellenberg keine Normalität. Der Katastrophenfall gelte weiter, teilte das Landratsamt Berchtesgadener Land mit. Das Hauptaugenmerk liege auf den Aufräumarbeiten und auf den geologischen Untersuchungen. Damit sollen Hänge überprüft werden, ob sie möglicherweise abrutschen könnten.

Flüsse wie die Berchtesgadener Ache hatten sich in reißende Ströme verwandelt. Auch von den Bergen schoss Wasser ins Tal. Häuser liefen voller Wasser und Schlamm, manche drohten gar, einzustürzen. Hänge rutschten ab, Teile von Straßen brachen weg, Bahngleise wurden verschüttet oder überflutet. Mehr als 160 Menschen mussten aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden. Manche der Gebäude seien noch nicht wieder freigegeben, meldete das Landratsamt. Einige Schulen und Kitas waren am Montag noch zu, sollen aber am Dienstag wieder öffnen.

Baden in der Isar derzeit lebensgefährlich

Auch andere Flüsse schwollen an, etwa in Oberbayern die Loisach bei Schlehdorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen oder die Isar in München. So dramatisch wie im Berchtesgadener Land wurde es jedoch nicht. So überschritt etwa in Neuburg an der Donau das Hochwasser knapp die Meldestufe 3 mit 4,63 Metern.

Auch in München spürt man die Auswirkungen: Wegen des Hochwassers sind Baden und Bootfahren an der Isar vorerst verboten. Es bestehe eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben, begründete die Stadt am Montag ihre Entscheidung. Der Fluss führe sehr viel Treibholz mit, das in dem trüben Wasser oft nicht zu erkennen sei. Außerdem könnten sich Strudel und Wasserwalzen bilden. Das Verbot gilt im gesamten Stadtgebiet.

Mit Schlauchboot gekentert

Großes Glück hatten zwei Männer in Passau. Sie waren am Sonntagabend trotz des Hochwassers auf einem Ausflug mit Schlauchbooten auf der Donau unterwegs. Sie kenterten und wurden abgetrieben, konnten sich aber nach Auskunft der Feuerwehr an Treibholz festklammern, das sich am Ufer einer Insel bei Passau verfangen hatte. Mit einem Boot wurden die beiden gerettet.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. "Wir brauchen schon einen Klima-Ruck in Deutschland", sagte er am Montagmorgen im ARD-Morgenmagazin. Das Unwetter mit verheerenden Folgen vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch im Südosten Bayerns nannte er einen Weckruf. In Sekundenbruchteilen habe ein Starkregen-Ereignis zu einem "Geröll-, Schlamm- und Muren-Tsunami" geführt.

Der Freistaat sicherte den vom Hochwasser betroffenen Menschen in Südostbayern derweil Hilfe und Unterstützung zu. Am Dienstag werde das bayerische Kabinett beschließen, wie Hilfen aussehen könnten, hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Sonntagabend im Interview mit der BR24 Rundschau gesagt.

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