Festakt im Landratsamt

50 Jahre Landkreis Forchheim: So fiel die Entscheidung für die heutigen Grenzen

Udo Güldner

9.5.2022, 08:00 Uhr
Der Landkreis Forchheim gilt als eines der größten zusammenhängenden Kirschenanbaugebiete in Europa. 

© Norbert Haselbauer, NN Der Landkreis Forchheim gilt als eines der größten zusammenhängenden Kirschenanbaugebiete in Europa. 

Man kann es sich heute gar nicht mehr vorstellen, sagte Zeitzeuge und Historiker Dr. Dieter George in seinem Festvortrag: Vor einem halben Jahrhundert war die Stadt Forchheim noch eigenständig, obwohl sie nur über rund 22000 Einwohner verfügte. Burk, Buckenhofen, Reuth und Kersbach/Sigritzau gehörten (noch) nicht dazu. Serlbach seit 1926 schon. Die Kreisfreiheit hatte man 1889 erstritten und war damit im Königreich Bayern auf einer Stufe mit den deutlich größeren Städten Bamberg, Bayreuth und Hof.

Den Namen "Landkreis" für das Umland statt des bisherigen "Bezirksamtes" führten die Nationalsozialisten 1939 ein und setzten der Unabhängigkeit Forchheims 1940 mitten im Zweiten Weltkrieg ein abruptes Ende. Die US-Militärbehörden machten sich 1948 am Unterlauf der Wiesent dann durchaus beliebt, als sie die Stadt wieder aus dem Landkreis herauslösten.

Freilich empfanden die Einwohner Forchheims das Ende der Kreisfreiheit 1972 als eine Art "Rückstufung". Damit waren sie bayernweit nicht alleine. Doch um die Zielmarke von 80000 Einwohnern zu erreichen, war ein Zusammenschluss mit anderen Gebieten notwendig. Also vereinten sich die Stadt, der alte Landkreis Forchheim (42000), ein Großteil des Landkreises Ebermannstadt (26000) und ein Teil des Landkreises Pegnitz.

Es war aber keineswegs zwingend, dass diese, uns heute unabwendbar scheinende Konstellation historische Realität werden musste. Auch das erklärte George mit Kenntnissen aus erster Hand. George ist nicht nur Historiker, der das Geschehen aus zeitlicher Entfernung betrachtet. Er war als damaliger Kreisvorsitzender der Jungen Union Forchheim-Stadt auch ein politisch Handelnder.

Altlandrat Reinhardt Glauber (li.) prägte 18 Jahre lang die Geschicke des Landkreises Forchheim. 2014 trat er nicht mehr zur Wahl an. Sein Nachfolger im Amt ist Hermann Ulm. Ebenfalls auf dem Bild: Vize-Landrätin Rosi Kraus.

Altlandrat Reinhardt Glauber (li.) prägte 18 Jahre lang die Geschicke des Landkreises Forchheim. 2014 trat er nicht mehr zur Wahl an. Sein Nachfolger im Amt ist Hermann Ulm. Ebenfalls auf dem Bild: Vize-Landrätin Rosi Kraus. © Foto: Udo Güldner

Es gab nämlich auch Pläne, einen Landkreis Fränkische Schweiz zu gründen, die Stadt Forchheim durch umfangreiche Eingemeindungen über die 50000 Einwohner-Schwelle zu wuchten oder Forchheim mit Höchstadt/Aisch zu einem Großlandkreis zu vereinen, allerdings ohne Herzogenaurach. Am Ende setzten sich die Gedanken eines Landrates Otto Ammon (Forchheim), seines Kollegen Franz Krug (Höchstadt/Aisch) und der Landtagsabgeordneten Gudila Freifrau von Pölnitz durch.

Die bayerischen Gebietsreformen bestand nicht nur aus einer Neuordnung der Landkreise, sondern auch aus einer Änderung bei den Städten und Gemeinden. Damit wollte man der "Selbstverzwergung" entgegenwirken, wie es George zugespitzt formulierte. Denn tatsächlich schien es, als ob sich auf dem Lande immer kleinere Einheiten herausbildeten.

Ermreus (116 Einwohner), Rettern (197) oder Rödlas (123) waren solche Beispiele. Hier konnte man noch in den 60er Jahren den nostalgischen Blick schweifen lassen. Mit den Anforderungen der Moderne kamen solch kleine Einheiten nicht mehr zurecht.

Während die städtischen Zentren mehr und mehr wuchsen, verlor das flache Land an Bevölkerung und Bedeutung. Es wurde immer schwieriger, die Daseinsvorsorge aufrechtzuerhalten. Das betraf die schulische Bildung, aber auch die Gesundheitsversorgung. So bildete man schlagkräftige Einheiten, die effizient verwaltet werden konnten.

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