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50-Meter-Becken für das Gräfenberger Freibad

Emotionale Diskussion zur Freibadsanierung: Um Geld von der Regierung zu sehen, muss sich Gräfenberg für eine Sanierungs-Variante entscheiden. - 13.12.2019 16:01 Uhr

Der Gräfenberger Stadtrat möchte das 50-Meter-Becken mit drei Bahnen erhalten. © Petra Malbrich


Mit der Variante, das 50–Meter-Becken mit drei Bahnen zu erhalten, möchte sich Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) bewerben. Doch damit begann eine lange Diskussion in der jüngsten Gräfenberger Stadtratssitzung. Die Freien Wähler und die CSU wissen für diese Variante keinen Stadtratsbeschluss und melden außerdem finanzielle Bedenken an. Diese Variante habe 50 Prozent mehr Beckenvolumen als die anderen. "Die Unterhaltskosten haben wir aber nicht nur einmalig, sondern jedes Jahr", meinte Werner Wolf (FW) und betonte, sich mit der 50-Meter-Becken-Variante nur dann zu bewerben, wenn man von diesem Sanierungsbeschluss wieder abweichen könne.

Nämlich dann, wenn die Kosten aus dem Ruder laufen. Immerhin sei die Kostenschätzung bereits zwei Jahre alt. "Wir fürchten, dass wir uns dann irgendwann das Freibad nicht mehr leisten können", sagte Wolf. Wenn man die beste Lösung nicht finanzieren könne, lieber eine Nummer kleiner sanieren, um sich das Bad weiterhin leisten zu können. Dem stimmte der Bürgermeister zu, jedoch müsse man sich mit einer Variante bewerben.

"Was, wenn wir uns mit dieser Variante bewerben und die Förderzusage aufgrund der Kostenschätzung erhalten, die Kostenschätzung inzwischen jedoch höher ausfällt. Wird für die Förderzusage dann der neue Betrag genommen?", fragte Hans Derbfuß (CSU). Er kritisierte zudem, dass noch immer die 2015 vom Stadtrat in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie fehle. "Wohin wollen wir und was können wir uns leisten, ist immer noch nicht geklärt", bemängelte Derbfuß. Folgekosten seien nicht aufgezeigt. Die Energie- und Wasserkosten würden sich vom Abwasserpreis fast verdreifachen und bereits jetzt habe man zweifach höhere Wasserkosten, meinte Derbfuß und erinnerte an das aufgezeigte Defizit in dem Bereich. "Wir können uns kein Bad leisten, das aus dem Ruder läuft, nur weil vorher keine Entscheidung getroffen wurde", sagte Derbfuß und fügte an: "Jeder will das Bad. Das ist auch kein Thema."

Heiko Kracker (GBL) ärgerte sich über den Staat. "Das Förderprogramm wurde vollmundig angekündigt und nun kommt fast nichts an", sagte Kracker. Er plädierte trotzdem für die Bewerbung mit der Variante 1. "Der Charme ist das 50-Meter-Becken und das Alleinstellungsmerkmal", meinte Kracker und zeigte das gesamte Dilemma auf. Zuviel Kostenrechnung könne förderschädigend sein, doch ohne Förderung könne kein Fachplaner hinzugezogen werden.

"Wir sind mit dem Bad soweit wie noch nie", betonte der Bürgermeister. Die Wasserqualität sei gut und das Gesundheitsamt bemängelte bei der letzten unangemeldeten Prüfung nur zwei Mülleimer. Die fehlende DIN-Norm beim Becken sei der große Mangel. "Wenn die Sanierung deutlich über zwei Millionen Euro kostet, wird es bei 20 Prozent Förderung schwierig", gab Nekolla zu, hegte aber die Hoffnung, dass in zwei Jahren weitere Förderprogramme aufgelegt werden. "Wir müssen uns mit einer Variante bewerben, vergeben uns aber nichts. Denn wenn die Sanierung die finanziellen Mittel überschreitet, werden wir nichts tun können", betonte Nekolla. Vorbehaltlich der Haushaltsmittel wollte Werner Wolf deshalb gerne im Beschluss haben.

Alexander Kral (CSU) hingegen warf den Stadträten vor, alles mit der rosaroten Brille zu sehen. Die Stadt sei jetzt schon überfordert. "Wer zieht das zurück, wenn es wirklich zwei Millionen Euro kostet?", fragte Kral. Von solchen Horrorszenarien wollte Matthias Striebich (Grüne) nichts mehr hören: "Wenn es so kommt, wird der Stadtrat die Notbremse ziehen", sagte Striebich. Der Zweiten Bürgermeisterin Sylvia Hofmann (FW) war etwas anderes wichtig: "Ein 50-Meter-Becken ist zwar schön, aber nicht zwingend. In der Diskussion kam aber nicht heraus, dass uns der Freistaat wieder hängen lässt. Wir können schließlich keinen Riegel schieben und Auswärtige nicht mehr ins Bad lassen", sagte Hofmann.

Mit der Option, die Reissleine zu ziehen und den vorhandenen Haushaltsmitteln, beschloss der Stadtrat einstimmig, sich mit der Variante "50-Meter-Becken mit drei Bahnen" am Förderprogramm zu bewerben.

PETRA MALBRICH

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